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Für eine bessere Spendenkultur
9/19/2011 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Medical Care Somalia e. V.

Mit Kindern in Ketten fing es an

Warten auf Hilfsgüter
Bild: Medical Care Somalia

Ahmed Awad ist in Somalia geboren und 1970 nach Deutschland gekommen. Hier arbeitete er als Internist und hat 2005 nach über 30 Jahren erstmals wieder seine Heimat besucht. Vor allem die Erlebnisse mit psychisch kranken Kindern, die zu ihrem eigenen Schutz angekettet leben mussten, veranlassten ihn, den Verein Medical Care Somalia (MCS) zu gründen. Der anfängliche Focus auf medizinische Hilfe wurde in diesem Jahr anlässlich der großen Dürrekatastrophe in Ostafrika um die Soforthilfe erweitert. Immer noch werden 22.000 Menschen in zwei Flüchtlingslagern mit Nahrungsmitteln versorgt. In einer „Aktion gegen den Hunger“ sollen in den nächsten fünf Jahren drei Millionen Euro dazu verwendet werden, um für die nächsten Dürren vorzubeugen.

Medizinische Hilfe. In Burao, der mit 250.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Nordsomalias, begann die Arbeit mit psychisch kranken Kindern. Dazu wurde 2007 eine psychiatrische Tagesklinik mit angegliederter Ambulanz für Kinder und Jugendliche errichtet. Zwischenzeitlich gibt es auch eine Abteilung für Erwachsene. In 2010 wurde darüber hinaus ein in Afrika bisher einzigartiges Projekt unter dem Titel „Peace Ware“ ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um eine telemedizinische Zusammenarbeit mit mehreren Ärzten aus Europa. Via Internet kann der Arzt vor Ort mit Spezialisten in Oslo und Stockholm die richtige Behandlung von schwierigeren Fällen beraten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO unterstützt das Projekt, durch das bisher bereits 2.000 Patienten behandelt wurden.

Soforthilfe. Mit der Zuspitzung der Dürrekatastrophe in Ostafrika hat MCS seine Aktivitäten auf die Soforthilfe erweitert. Entsprechende Gelder, um in größerem Umfang Nahrungsmittel zur Verfügung stellen zu können, kamen von Sternstunden, der Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks. Über 20.000 Menschen in mehreren Flüchtlingslagern in Nordsomalia konnten auf diesem Weg unterstützt werden. Langfristig versucht MCS nun ein größeres Programm zu finanzieren, um für zukünftige Dürren vorzusorgen.

Finanzen. In 2009 standen den Einnahmen von 45.000 Euro Ausgaben in Höhe von 39.000 Euro gegenüber. Die Verwaltungskosten lagen bei unter einem Prozent. Ein deutlicher Umsatzanstieg konnte 2010 erreicht werden. Die Einnahmen summierten sich auf 63.000 Euro während sich die Ausgaben sogar auf 82.000 Euro erhöhten. Mit 1,4 Prozent blieben die Verwaltungskosten selbst unter Einrechung der Öffentlichkeitsarbeit im sehr günstigen Bereich. Schließlich arbeiten alle Vorstände rein ehrenamtlich und tragen sogar Flugkosten nach Somalia aus der eigenen Tasche.

CW-Meinung. Der zwischenzeitlich pensionierte Arzt und Vorstandsvorsitzende Ahmed Awad hat die letzten Monate fast durchgängig in Somalia verbracht. Er sorgte selbst vor Ort dafür, dass die Lebensmittelhilfe wirklich bei Bedürftigen ankam. Unterstützt wurde er dabei auch von seiner Ehefrau Brigitte Awad, die beim Verein als Schatzmeisterin fungiert. Damit im Vorstand allerdings noch eine Kontrolle gegeben ist, ist das Amt der 2. Vorsitzenden mit Stefanie Vollmer „fremd“ besetzt. Gleiches gilt für den Schriftführer als viertes Vorstandsmitglied. In Summe kann MCS überzeugen und verdient auch durch die gelebte Transparenzbereitschaft das Vertrauen der Spender.

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