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Für eine bessere Spendenkultur
7/26/2011 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Umfrage bei 20 Organisationen

Hilfe für Dürreopfer in Ostafrika

Flüchtlingslager sind oft die letzte
Rettung - Bild: CARE/Holt

Das Ausmaß der Dürre in Ostafrika ist erschreckend. Rund elf Millionen Menschen kämpfen aufgrund der schlimmsten Bedingungen seit 60 Jahren ums Überleben. Besonders betroffen sind die Länder Somalia, Kenia, Äthiopien, Uganda, Dschibuti und Eritrea, die derzeit stark auf die Hilfe aus dem Ausland angewiesen sind. Die Hilfsbereitschaft ist groß, doch wem soll man spenden, damit das Geld auch ankommt? CharityWatch.de befragte 20 Organisationen, die aktuell um Spenden für die Dürreopfer bitten.

Befragung. Anfang vergangener Woche erhielten 20 Organisationen elektronische Post von CharityWatch.de. Gefragt wurde zum Beispiel, mit wie vielen Mitarbeitern sie jeweils in den betroffenen Regionen aktiv sind. Welche Hilfsmittel wurden schon zur Verfügung gestellt und welche könnten auch noch kurzfristig zur Verfügung gestellt werden? Welches Spendenaufkommen können die Organisationen jeweils überhaupt sinnvoll einsetzen? Wenn man mit Partnern vor Ort zusammen arbeitet, wie ist diese Zusammenarbeit organisiert? Wie viel von einer Spende wird nach Abzug von Verwaltungs- und Werbekosten wirklich in der Soforthilfe eingesetzt? Dies und einiges mehr wollte CharityWatch.de wissen. 14 von 20 Organisationen haben innerhalb von einer Woche geantwortet.

humedica. Sehr ausführlich und plausibel hat die internationale Hilfsorganisation mit ihrem Schwerpunkt auf medizinischer Hilfe geantwortet. Mittlerweile wurde bereits das zweite Einsatzteam mit ehrenamtlich arbeitenden Ärzten in die Region entsandt. Das schon vor Wochen ins Einsatzgebiet gereiste erste fünfköpfige medizinische Team hatte auch die Ausrüstung für eine Erstbehandlung von bis zu 3.000 Patienten im Gepäck. Demnächst werden Nahrungsmittel und weiterer medizinischer Sachbedarf ins Einsatzgebiet geschafft. Zusätzlich unterhält humedica seit Jahren ein ständiges Büro mit sieben festen Mitarbeitern in Äthiopien. Ein Großteil der Mittel wird also direkt selbst ausgegeben und nicht über mehrere Ebenen mit Kosten belastet. Bei Humedica selbst liegen die Werbe- und Verwaltungskosten laut DZI bei etwa zehn Prozent.

Ärzte der Welt. Zu den wenigen im bürgerkriegsgebeutelten Somalia aktiven Organisationen zählt Ärzte der Welt e.V. Mit 54 MitarbeiterInnen werden in Boosaaso fünf Basisgesundheitszentren sowie demnächst eine mobile Klinik betrieben. Ärzte der Welt stellt benötigte Medikamente, Materialien und Impfungen bereit, stattet die Gesundheitseinrichtungen mit medizinischen Geräten aus und hilft der lokalen Organisation IDSP mit Personal sowie beim Kapazitätsaufbau. Die Werbe- und Verwaltungskosten nach DZI-Maßstab lagen 2009 bei 14,3 Prozent und sind demnach angemessen.

CARE Deutschland-Luxemburg. CARE International hat einen Spendenaufruf von umgerechnet 33,7 Millionen Euro gestartet. Sie zählt damit zu den großen Unterstützern vor Ort und versorgt beispielsweise ein Flüchtlingslager im kenianischen Dadaab federführend. Aktuell ist CARE dort mit 236 Mitarbeitern vertreten. Auch in anderen Ländern ist CARE seit Jahrzehnten mit eigenen Leuten vertreten und in der Lage, schnell und effektiv Hilfe zu leisten. Schwerpunkte sind dabei die Instandsetzung von Wasserinfrastruktur, Herdenmanagement (Impfung und Schlachtung), sanitäre Anlagen und Nahrungshilfe. Bei einer 100-Euro-Spende fallen etwa zwölf Prozent Werbe- und Verwaltungskosten an.

World Vision. Die weltweit aktive Organisation ist mit nationalen Partnerbüros in Äthiopien, Kenia, Somalia und Tansania vertreten. Dort arbeiten jeweils zwischen 400 und 1.000 Helfer, wovon rund ein Drittel in die Dürre-Nothilfe eingebunden sind. Die Form der Hilfe ist sehr vielfältig. Sie reicht von einfachen Nahrungsmitteln, therapeutischer Zusatznahrung, Wasserversorgung, Impfungen und Aufklärung bis zum Schutz des Tierbestandes. Die nationalen Büros in Kenia und Somalia haben bereits Entwürfe für einen 180 Tage Plan vorgelegt, wofür fünf beziehungsweise zwei Millionen US-Dollar angefordert wurden. Die anderen Büros haben noch keine konkreten Zahlen vorgelegt. World Vision Deutschland rechnet mit Spenden von einer Million Euro, von der nach Abzug von Verwaltungs- und Werbekosten 85 Prozent weiter überwiesen werden.

medeor. Das Medikamenten-Hilfswerkt action medeor hat bereits 312 Kilogramm Medikamente in das Flüchtlingslager nach Dadaab gebracht. Weitere Medikamente mit einem Gewicht von zwei Tonnen können innerhalb weniger Stunden auf den Weg gebracht werden. In Tansania wird sogar ein Lager mit Arzneimitteln vorgehalten. Das kurzfristig zur Soforthilfe sinnvoll einsetzbare Spendenaufkommen wird von medeor mit 30.000 Euro beziffert. Davon sind 25.000 Euro allerdings bereits gesammelt worden.

MCS. Der Verein Medical Care Somalia (MCS) ist Partner von Sternstunden, der Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks. An einem einzigen Spendentag wurden an Sternstunden über acht Millionen Euro für die Dürre-Katastrophe in Ost-Afrika gespendet. Damit ist der Finanzbedarf für sinnvoll umsetzbare Soforthilfe von MCS, den diese auf Anfrage mit 250.000 Euro beziffert hat, sicherlich bereits abgedeckt. Ansonsten wären bei MCS mit einer seit drei Jahren im nordsomalischen Burao betriebenen Klinik Spenden gut aufgehoben. Von MCS werden auch in Burao und Hargeisa noch ausreichend vorhandene Nahrungsmittel gekauft und direkt mit Lastwagen in Regionen geschafft, die von der Dürrekatastrophe stark betroffen sind.

Misereor. Mit nur einem Mitarbeiter ist Misereor seit 2006 in Nairobi vor Ort. Ansonsten wird vor allem mit Entwicklungshilfeorganisationen der katholischen Kirche zusammen gearbeitet. Hilfe wird durch Überweisung von Geld geleistet, um notwendige Güter in der Region zu beschaffen. Zum sinnvollen Einsatz von weiteren Spenden teilte Misereor mit: „Abhängig vom Spendenaufkommen können wir auf der einen Seite schrittweise weitere Partnerorganisationen in die Förderung von Nothilfemaßnahmen mit aufnehmen. Auf der anderen Seite geht es um die zeitnahe Einleitung von Schritten auch der Rehabilitierung, d.h. Zurverfügungstellung von Saatgut, der Wiederaufstockung der Viehbestände, der Verstärkung von Wasserrückhaltemaßnahmen. Eine solche Hungersituation ist nicht kurzfristig zu lösen.“

Christoffel-Blindenmission Deutschland. Die für augenkranke, blinde, gehörlose und körperbehinderte Menschen eintretende Organisation ist seit Jahren in Äthiopien und Kenia aktiv. An Partner vor Ort werden Geldmittel mit dem Zweck überwiesen, Lebensmittel und Wasser zu kaufen. Ansonsten fiel die Antwort etwas dünn aus. Die Verwaltungs- und Werbekosten beim deutschen Verein lagen laut DZI zwischen 20 und 35 Prozent.

Terra Tech. Der Verein Terra Tech Förderprojekte ist einer der Wenigen in Eritrea tätigen. Dort wird mit einem lokalen Partner zusammen gearbeitet. Dieser prüft derzeit mit dem einheimischen Ministery of Health, wo proteinreiche Hochenergie-Nahrung für Kinder unter fünf Jahren, Schwangere und stillende Frauen verteilt werden könnte. Da die eritreische Regierung auf den Kauf lokal produzierter Mittel besteht, werden von Terra Tech Geldmittel an den Partner überwiesen.

Johanniter Unfall Hilfe. Nur jeweils eine MitarbeiterIn haben die Johanniter in Kenia und Dschibuti vor Ort. Alle Projekte werden mit lokalen Partnern durchgeführt. Im Nordwesten Kenias (in der Turkana-Provinz) prüfen die Johanniter im Moment, ob sie in Lokichokio (unweit der Grenze zum Südsudan) in Zusammenarbeit mit einer langjährigen Partnerorganisation aktiv werden.

Diakonie Katastrophenhilfe. Brot für die Welt e. V. ist über die Schwesterorganisation Diakonie Katastrophenhilfe (DKH) in Somalia, Kenia und Äthiopien tätig. DKH arbeitet nicht mit eigenem Personal vor Ort, sondern vor allem mit einheimischen kirchlichen und säkularen Nichtregierungsorganisationen zusammen. Koordination, Begleitung und Unterstützung erfolgt über das Büro der Diakonie Katastrophenhilfe in Nairobi. Hilfsprogramme werden fast ausschließlich mit Finanzmitteln unterstützt.

Caritas International. Die Caritas International ist in Äthiopien, Kenia, Sudan und Somalia aktiv. In den ersten drei Ländern erfolgt die Hilfe jeweils über die lokalen Caritasorganisationen. In Somalia wird mit der Diakonie Katastrophenhilfe gearbeitet, die allerdings wiederum auf einen Partner vor Ort vertraut. Bisher wurde Soforthilfe in Höhe von 1,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Form der Hilfe ist in jedem Land unterschiedlich, betrifft aber im Wesentlichen vor allem Lebensmittel, Saatgut und Wasser.

Malteser Hilfsdienst. Sehr dürftig fiel die Antwort der Malteser aus. Es gibt ein Regionalbüro in Nairobi, aber keine eigenen Mitarbeiter im Nordosten Kenias oder in anderen Ländern Ost-Afrikas. Die im Nordosten Kenias geleistete Hilfe wird von Köln beziehungsweise von Nairobi aus organisiert. Es werden Lebensmittel, Nahrungsergänzung, Trinkwasseraufbereitungsmittel und Medikamente zur Verfügung gestellt, nachdem sie in Nairobi beschafft wurden.

UNICEF. Das Kinderhilfswerk der vereinten Nationen arbeitet mit allen UN-Organisationen (vor allem WFP und UNHCR), internationalen Organisationen (Ärzte ohne Grenzen und auch der GIZ) zusammen. In allen Ländern arbeitet UNICEF über ein Netzwerk lokaler Partner und lokaler Behörden.

Keine Antwort bis Redaktionsschluss. Zu den Organisationen, die angefragt wurden aber keine Antworten lieferten, zählen: Amref Flying Doctors, Islamic Relief Deutschland, ADRA, UNO-Flüchtlingshilfe, Welthungerhilfe und Hilfe Weltweit. Letzterer Verein steht sogar auf der Warnliste von CharityWatch.de und auch das DZI warnt vor Spenden an Hilfe Weltweit.

CW-Meinung. Bei der Katastrophenhilfe ist wichtig, dass eine Organisation mit eigenen Mitarbeitern vor Ort ist. Zum Beispiel ist dies eine funktionierende Kontrolle entscheidend, damit nicht zu viel Geld in korrupten Taschen verschwindet, wie wir es leider auch bei früheren Katastrophen immer wieder erfahren mussten. Gut aufgestellt sind im medizinischen Bereich Ärzte der Welt und Humedica. Auch CARE und World Vision sind langjährig vor Ort und gute Adressen für Spenden zu Gunsten der Dürre-Opfer. Bei Medical Care Somalia und action medeor scheint derzeit der sinnvoll einsetzbare Finanzbedarf gedeckt. Sollte die Dürre aber noch länger anhalten, könnten auch dort Spenden sinnvoll aufgehoben sein.

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