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02.02.2010 von Lion Schiner drucken | empfehlen
Archivtext

Hilfe für Weißrussland e.V.

Gemeinnütziger Anstrich gegen geringe Gebühr

Infozettel von einem Sammelkorb
Bild: Lion Schiner

Altkleidersammlung ist ein Bereich der Wohltätigkeitsarbeit, in dem sich unseriöse Organisationen geradezu tummeln. Viele Menschen reagieren zu Recht mit großem Misstrauen, wenn wieder ein Mal ein Sammelkorb ungefragt auf ihrem Grundstück platziert wird. Oft haben die Infoblätter, die an den Körben angebracht sind, ihren Namen kaum verdient. Nur bei sehr genauer Betrachtung entlarven sie die wahren Absichten der Scheinheiligen. Das gilt ebenso für den Verein Hilfe für Weißrussland, der seinen Namen bundesweit für Altkleidersammlungen zur Verfügung stellt. Doch wie so oft zahlt sich die Mühe aus, das Kleingedruckte zu lesen. Denn dann erscheint auch dieser Vertrauensträger in einem ganz anderen Licht.

Hilfe für Weißrussland. Seit 1994 organisiert der Hilfe für Weißrussland e.V. Transporte von Hilfsgütern zur Unterstützung der weißrussischen Städte Beresino und Mosyr. Beide liegen in der so genannten roten Zone, dem Gebiet, das von den Auswirkungen des Reaktorunglücks in Tschernobyl 1986 am meisten betroffen ist. Durchschnittlich zwei Mal im Jahr beladen die Vereinsmitglieder LKWs mit Kleidung, Renovierungsmaterial, Schulmaterial, Einrichtungsstücken und vielem mehr. Dann gehen sie auf die Reise nach Weißrussland. Denn dort warten unterschiedliche Einrichtungen – hauptsächlich Schulen und Krankenhäuser – auf die deutschen Helfer. Der Verein konzentriert sich hauptsächlich auf die Sammlung von Altkleidern. Die Organisation auf bundesweiter Ebene wird seit etwa acht Jahren an das Organisationsbüro Schulz übergeben.

Von Schulz zu Schulz.. „Wir sammeln für den vom Finanzamt Verden als mildtätig anerkannten Verein Hilfe für Weißrussland e.V.“, sind die ersten Worte eines Infoblattes, das im Rahmen einer Sammelaktion den Körben beigefügt wurde. Dank der riesigen Buchstaben, in denen der Name des Vereins gedruckt ist, wird den aller wenigsten aufgefallen sein, dass Hilfe für Weißrussland die Sammlung gar nicht selbst durchführt. Nur wer sich die Mühe macht, das Kleingedruckte zu lesen, erfährt folgendes: „Verantwortlich für die Durchführung und Organisation dieser gewerblichen Sammlung ist das vom Organisationsbüro H. Schulz vertretende lokale gewerbliche Sammelunternehmen.“ Die angegebene Adresse des Organisationsbüros ist identisch mit der des Hotels Schulz in Achim. Auf telefonische Nachfrage an das Hotel wird der Verdacht bestätigt, dass die Büroräumlichkeiten nicht unter dieser Adresse zu finden sind. Auch sehr ungewöhnlich ist die Tatsache, dass bei einer Domainabfrage der Webseite des Organisationsbüros Schulz als Domaininhaber die Inprocon GmbH & Co. KG angegeben wird. Dieses Unternehmen, unter der Leitung von Lüder Schulz, hat sich auf Textil- und Schuhrecycling spezialisiert, „vermarktet Alttextlilien […] national und international und partizipiert prozentual an dem erzielten Erlös“. Das wirkt so, als versuche die Inprocon GmbH & Co. KG durch den Umweg über das Organisationsbüro Schulz die kommerzielle Altkleidersammlung im Namen von Hilfe für Weißrussland in einem gemeinnützigen Licht erscheinen zu lassen.

Stellungnahme. Diese Vermutung konnte auch die Beantwortung einer Presseanfrage an den Vorstand von Hilfe für Weißrussland, Reinhard Wallatis, nicht zerstreuen. Trotz, oder gerade wegen der Verschlossenheit und defensiven Haltung des ersten Vorsitzenden war diese sehr aufschlussreich. So weigerte er sich, die meisten der Fragen bezüglich der Vereinbarung mit dem Organisationsbüro Schulz zu beantworten. Lediglich eine monatliche Zuwendung des Partners Schulz in Höhe von 750 Euro plus Mehrwertsteuer gibt der Vorstand an. Eine Summe, die wie eine pauschale Gebühr zur Nutzung des Namens anmutet. Denn die Kleidersammlungen finden deutschlandweit bis auf eine kleine Pause zwischen Weihnachten und Neujahr das ganze Jahr statt. Auf genauere Nachfrage erklärt Wallatis, dass er Fragen von „selbsternannten Besserwissern“ nicht benötige und bittet CharityWatch.de in einem späteren Schreiben: „Ich darf Sie bitten, mich in Zukunft nicht mehr durch unnötige Anfragen in meiner Vereinsarbeit zu stören.“

CW Meinung. Dieser Bitte kommt CharityWatch.de gerne nach. Weitere Fragen sind nicht mehr nötig, denn die recherchierten Fakten in Verbindung mit der merkwürdigen Reaktion auf Presseanfragen sind Grund genug zur Annahme, dass Hilfe für Weißrussland nicht an einer transparenten Aufklärung über die Verwendung der Kleiderspenden interessiert ist. Die Verstrickung mit dem Organisationsbüro Schulz und der Inprocon GmbH & Co. KG lässt jedoch die Vermutung zu, dass der Hauptteil der im Namen der Wohltätigkeitsorganisation gesammelten Kleidung in recycelter Form auf dem Weltmarkt landet und nicht in Krankenhäusern und Schulen in Beresino und Mosyr. Insofern stellt sich letztendlich doch heraus, dass es sich auch bei Hilfe für Weißrussland nur um ein weiteres Beispiel für eine zweifelhafte Organisation auf dem Gebiet der Altkleidersammlung handelt.

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