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Für eine bessere Spendenkultur
3/26/2009 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Bund deutscher Tierfreunde e.V. (2)

Fehlende Gemeinnützigkeit und personelle Verflechtungen

Im Nachgang des kritischen CharityWatch-Berichts vom 10. Februar 2009 kam es zu regem Schriftverkehr mit dem BdT-Vorstand. Die Einbindung eines Rechtsanwalts durch den Bund deutscher Tierfreunde (BdT) hat das Interesse an dem Fall zusätzlich erhöht und eine größere Rechercheaktion ausgelöst. Die Ergebnisse sind skandalträchtig. Zum Beispiel ist mit der Werbung/Öffentlichkeitsarbeit vom BdT die Dialog Direkt Marketing GmbH (DDM) beauftragt, deren Firmensitz zufällig die gleiche Adresse aufweist, wie der Privatwohnsitz der Vorstandsvorsitzenden Martina Klein. Der bis 2006 als Prokurist der DDM tätige Harry Lermer war selbst schon Vorstand beim BdT und ist noch heute bei der zentralen Registrierungsstelle für de-Domains DENIC als administrativer Ansprechpartner geführt.

DDM. Die Dialog Direkt Marketing GmbH ist ein Unternehmen, das insbesondere die Werbung von Mitgliedern für Vereine betreibt. Die Geschäfte führt Erika Lermer. Der Jahresabschluss der 25.600-Euro-GmbH weist per Ende 2007 einen Gewinnvortrag von 387.000 Euro aus. Ein Teil dieser schönen Umsätze und Gewinne kommt durch Aufträge des BdT zustande. Denn laut Vorstand ist mit der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit vom Bund deutscher Tierfreunde die DDM beauftragt. Und der BdT-Jahresbericht weist allein 2007 für „Werbung/Allgemeine Öffentlichkeitsarbeit“ Ausgaben von knapp 680.000 Euro aus.

Adressenidentität. Der Firmensitz der DDM ist laut Handelsregister vor einigen Jahren ins nordrhein-westfälische Alpen verlegt worden. Auffällig ist dabei, dass sich die genaue Anschrift mit der Privatadresse der BdT-Vorstandsvorsitzenden Martina Klein deckt. Laut Klein ein Zufall, der sich demnächst auch erledigt, da sie zur Vermeidung von falschen Rückschlüssen privat umziehen will. DDM-Geschäftsführerin Erika Lermer wusste von dem geplanten Umzug von Martina Klein. Auf Nachfrage erklärte auch sie, dass die Adressenidentität nur ein Zufall sei. In dem Mehrfamilienhaus wohnten schließlich auch DDM-Mitarbeiter.

Tenbieg. Eine andere Auffälligkeit ergab sich aus den Recherchen auch in Bezug auf den zweiten BdT-Vorstand Sigurd Tenbieg. Denn Tenbieg ist ebenfalls in diversen anderen Tierschutzvereinen aktiv, die zum Teil Geld vom Bund deutscher Tierfreunde bekommen. Dazu zählt zum Beispiel die Südeuropäische Tierhilfe e.V. mit Sitz in Kleve. Dort ist Sigurd Tenbieg zusammen mit Sajid Tenbieg im Vorstand. Das Tenbieg-Gespann leitet auch einen anderen Verein, der ebenfalls Geld vom BdT erhält: Tierheim Tierhilfe e.V. aus Kleve. Nach Recherchen von CharityWatch.de bekam dieser Tenbieg-Verein sogar deutlich mehr, als durchschnittlich an die über 40 Kooperationspartner überwiesen wird: In 2007 waren es 78.500 Euro und in 2006 sogar 111.700 Euro während ein Kooperationspartner durchschnittlich in 2007 nur knapp 20.000 Euro bekam.

Satzung. Erklärungsbedarf hat der Bund deutscher Tierfreunde auch im Hinblick auf seine Satzung. Denn die beim Vereinsregister angeforderte Satzung vom August 2005 ist nicht identisch mit der auf der Homepage hinterlegten Version aus Juli 2006. Von den diversen Veränderungen fallen vor allem die in der älteren Fassung unter 2.2 bis 2.5 geführten Punkte auf. Gestrichen wurde zum Beispiel, ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne der Abgabenordnung verfolgen zu wollen. Der Verein ist auch nicht mehr selbstlos tätig. Darüber hinaus sind die Vorgaben gelöscht worden, dass Mitglieder keine Zuwendungen aus Mitteln des Vereines erhalten dürfen und keine Person durch „unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt“ werden darf. In der Folge dürfte der Verein mit dieser Satzung keine Chance mehr haben, steuerlich als gemeinnützig anerkannt zu werden. Eigentlich ein Fall, der die Altversion von Paragraph 11 Absatz 2 betreffen könnte: „Bei (...) Wegfall steuerbegünstigter Zwecke ist das Vermögen zu steuerbegünstigten Zwecken zu verwenden.“

CW-Meinung. Anfänglich hat der Gesamtvorstand vom Bund deutscher Tierfreunde seine Transparenzbereitschaft deutlich zum Ausdruck gebracht: „Wie Sie sind wir der Meinung, dass Vereine die Verwendung ihrer Mittel offen kommunizieren sollten (...)“. Als es dann aber später konkret galt, das Versprechen einzulösen, wurden diesbezügliche Fragen nicht mehr beantwortet . Das könnte natürlich auch daran liegen, dass dann noch mehr Geldflüsse an verflochtene Organisationen aufgetaucht wären. Aber selbst wenn nicht, sollten die in der Mitgliederversammlung nicht stimmberechtigten Fördermitglieder ihre finanzielle Unterstützung lieber an effektivere und transparentere Tierschutzvereine geben. Schon allein aus steuerlichen Gründen, weil die Mitgliedsbeiträge und Spenden, durch die sich der BdT nach eigenen Aussagen ausschließlich finanziert, steuerlich nicht absetzbar sind. Zu Recht, angesichts der Satzungsänderungen vom Juli 2006.

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Auszug aus der nicht beantworteten Anfrage vom 25. Februar 2009.
2. Ihr Anspruch von "absoluter Transparenz" ist absolut lobenswert. Genau deshalb möchte ich auch meine Frage nach den Zuwendungen pro Kooperationspartner noch einmal wiederholen. Denn es ist richtig, dass die Namen im Jahresbericht genannt werden. Allerdings fehlt die Angabe, welchem Verein welcher Betrag zugeflossen ist. Um es zu vereinfachen, würde mir die Auflistung der zehn größten Kooperationspartner mit den jeweiligen Beträgen reichen.
3. Sie schreiben vom geplanten Erwerb eines Geländes in Kamp-Lintfort. Um welches handelt es sich hierbei. Wie hoch ist der geplante Kaufpreis dafür?
4. Verfügt der Bund deutscher Tierfreunde e.V. über die Anerkennung als gemeinnützige Organisation?
5. Welche Funktion übt Herr Harry Lermer beim Bund deutscher Tierfreunde e.V. aus beziehungsweise hat er ausgeübt?
6. Sie sprechen in Ihrer Antwort von einer missverständlichen Zuordnung der Portokosten für den Versand der Zeitschrift "Der Tierfreund". Heißt das, die Zuordnung ist falsch?
7. In Bezug auf die Prozentangabe von 29,3 Prozent bei Förderung/Projektbegleitung sprechen Sie von einer Rundungsdifferenz. 786.315,98 Euro zu 2.715.935,32 Euro Gesamteinnahmen sind aber 28,95 Prozent. Wie kann hier eine Rundung auf 29,3 Prozent erfolgen?
8. Die mit der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit beauftragte Dialog Direkt Marketing GmbH hat 2007 679.592 Euro erhalten. Welche Einnahmen von neuen Mitgliedern beziehungsweise Spenden stehen dem gegenüber? Was ist die Basis für das Honorar an DDM?
11. In Ihrer Mail vom 19.02.09 schreiben Sie, dass Sie mit dem Tierschutzförderverein nicht zusammen arbeiten: "Mit Ihren genannten Verein Tierschutzförderverein e.V. arbeiten wir nicht zusammen. Da auf der Homepage http://www.suedeuropaeische-tierhilfe.de/ mehrere Vereine zusammengefasst sind, baten wir den Verein dies eindeutig klar zu stellen." Wie ich zwischenzeitlich weiß ist aber sowohl beim Tierschutzförderverein als auch bei der Südeuropäischen Tierhilfe Herr Sigurt Tenbieg Vorsitzender des Vorstandes. Als Mitglied des Vorstandes BdT, der ja auch meine Antworten als Gesamtvorstand verfasste, kann ich diese Aussage, die einen fremden Dritten suggeriert, nicht ganz nachvollziehen. Was sagen Sie dazu?
12. In Ihrer Mail vom 15.02.09 haben Sie ein Urteil des Verwaltungsgerichts Trier erwähnt. Das laut VG Trier rechtskräftige Urteil habe ich mir besorgt. Darin wird geschrieben, dass Sie "Nachweise für eine klare Trennung zwischen Öffentlichkeitsarbeit auf der einen und unmittelbarer Mitgliederwerbung auf der anderen Seite bisher nicht erbracht" haben. Von Ihnen als Informationsveranstaltung deklarierte Veranstaltungen sollen reine Werbeveranstaltungen gewesen sein. Was sagen Sie dazu?

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