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Für eine bessere Spendenkultur
6/20/2008 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Seminarverein für die Tourismusbranche

Bundesrechnungshof kritisiert Verschwendung von Steuergeld

Ein Seminarveranstalter speziell für die Tourismuswirtschaft ist nicht ungewöhnlich. Dass sich ein solcher aber zu erheblichen Teilen durch Steuergelder finanziert, lässt allerdings aufhorchen. Wenn das Ganze dann schon seit 25 Jahren so stattfindet, wird es zweifelhaft. Das hat auch den Bundesrechnungshof auf den Plan gerufen, der dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie empfohlen hat, die Förderung des Vereins einzustellen.

Vorstellung. Seit über 40 Jahren bietet der Deutsche Seminar für Tourismus Berlin e.V. (DSFT) Weiterbildungsveranstaltungen für die deutsche Tourismuswirtschaft an. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der teilnehmenden Unternehmen zu stärken und den Tourismusstandort Deutschland zu fördern. Seit 1980 wird der Verein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und dem Senat von Berlin gefördert. Durch diese Unterstützung können preisgünstige Fortbildungskurse angeboten werden. In 2007 profitierten davon 2.111 Teilnehmer, die 122 verschiedene Seminare besuchten.

Bundesrechnungshof. In seinen Bemerkungen zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes für 2007 hat der Rechnungshof die seit Jahrzehnten vorgenommene Förderung an den DSFT kritisiert. „Die Förderung verfehlt ihre Ziele“, lautet die zentrale Beanstandung. Bemängelt wird auch die Höhe der staatlichen Zuwendungen. Mit vier Millionen Euro in den fünf Jahren vor der Prüfung wurden fast Dreiviertel aller Ausgaben bezahlt. Mehr als die Hälfte der Veranstaltungen soll laut Rechnungshof ganz oder teilweise durch regelmäßig anwesende Angestellte des Vereins besucht worden sein. Insgesamt ist die Liste der Beanstandung so lang, dass die Sinnhaftigkeit der Förderung glaubwürdig in Frage gestellt wurde.

Stellungnahme. Sehr von sich überzeugt hat Rolf Schrader, Geschäftsführer von DSFT, auf die Bitte um eine Stellungnahme geantwortet: „Das DSFT hat in den letzten Jahren einen Modernisierungsprozess durchgeführt und die Teilnehmeranzahl, die Anzahl der Seminare, die Qualität der Seminare, die Teilnehmergebühren und die Einnahmen deutlich gesteigert. Die Prüfung durch den BRH beziehungsweise das Prüfungsamt Koblenz im 1. Halbjahr 2006 konnte diesen Prozess nicht oder wenig berücksichtigen, da sich die Prüfung überwiegend auf das Haushaltsjahr 2005 bezog.“ Noch mehr von sich eingenommen ist die Stellungnahme von Armin Brysch, Vorsitzender der Trägerversammlung und Vorstand bei Deutsche Zentrale für Tourismus e.V.: „Vorab ist festzustellen, dass die Bemerkungen des BRH aus meiner Sicht größtenteils nicht nachvollziehbar sind.“ Darüber hinaus hat er nur noch wie Schrader den Reformprozess gelobt und die Arbeit des DSFT als großen Erfolg bezeichnet.

CW-Meinung. Wie der aktuelle Jahresbericht zeigt, wurden auch in 2007 70 Prozent der Ausgaben durch staatliche Förderungen erbracht. Somit ist das Argument der deutlich gesteigerten Einnahmen und Teilnehmergebühren zumindest relativ weitgehend widerlegt. Noch besser belegt den Unsinn der Förderung allerdings eine andere Zahl: Durch die Seminare sind in 2007 Gesamtkosten pro Teilnehmer in Höhe von 547 Euro angefallen. Staatlich gefördert wurde davon ein Betrag von 374 Euro. Da kann der Verein leicht mit einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis für seine Veranstaltungen werben.