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Für eine bessere Spendenkultur
5/27/2008 von Stefan Loipfinger
Archivtext

DZI-Spendensiegel

Verlust des Spendensiegels nicht immer transparent

Die Ende 2007 veröffentlichte Übersicht mit förderungswürdigen Organisationen enthält 233 Namen. Vier davon dürfen das Spenden-Siegel zwischenzeitlich nicht mehr führen. Bei zwei Vereinen hat das DZI Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen wegen Unregelmäßigkeiten eingegriffen und das Siegel aberkannt. Die beiden anderen Organisationen haben sich aus Kostengründen dafür entschieden, das Qualitätskriterium nicht mehr zu beantragen.

UNICEF. Sehr spät und erst nach massivem öffentlichem Druck hat das DZI dem Deutschen Komitee für UNICEF e.V. das Spenden-Siegel aberkannt. Die offizielle Begründung hatte dabei auch nur eingeschränkt mit den zahlreichen öffentlichen Vorwürfen gegen UNICEF zu tun. Außerdem sind die Argumente für den Entzug nur bedingt als Verstoß gegen die Leitlinien erkennbar. Das betrifft vor allem den Vorwurf „seit 2005 wahrheitswidrig behauptet zu haben, keine Provisionen für die Vermittlung von Spenden zu bezahlen“. Denn in den Leitlinien steht dazu, dass „grundsätzlich“ von Provisionen, Prämien oder vergleichbaren Erfolgsbeteiligungen abzusehen ist. Folglich lassen die Leitlinien in Ausnahmefällen sehr wohl Provisionen zu, was sogar in einem eigenen Absatz näher definiert ist.

Förderkreis Krebskranke Kinder. Im April wurde der zweite Fall in diesem Jahres bekannt, bei dem das DZI einem Verein das Spenden-Siegel aberkannte. Der im März 2008 verstorbene Vorstandsvorsitzende hat seit dem Jahr 2000 Mittel bei dem in Stuttgart ansässigen Förderkreis – Krebskranke Kinder e.V. veruntreut. Leider wird über die Höhe möglicher Unterschlagungen ebenso wie über die Hintergründe und Vorgehensweise nichts gesagt. Vor allem die daraus zu ziehenden Lehren wären wichtig. Haben die Wirtschaftsprüfer, die die jährlichen Berichte uneingeschränkt testiert haben, fahrlässig oder sogar schlimmer gehandelt? Welche Rolle spielten die Kassenprüfer, die vereinsintern Belege und Buchführung prüften und jahrelang offenbar nichts bemerkten? Und natürlich damit für das Spenden-Siegel: Müssen die Leitlinien im Punkt Mittelverwendungskontrolle verschärft werden?

PINA. Auf der Liste von Organisationen, die das Spenden-Siegel nicht mehr tragen dürfen, steht direkt unter UNICEF und dem Förderkreis der Verein PINA – Hilfe für Sri Lanka e.V.. Wer nicht aktiv beim DZI nach den Gründen fragt, könnte dadurch den Eindruck gewinnen, dass eventuell auch Unregelmäßigkeiten oder ähnliches dafür verantwortlich sind. Dem ist aber nicht so. Laut Burkhard Wilke, Geschäftsführer des DZI wurde auf eine Beantragung der Verlängerung der Gültigkeit verzichtet, wodurch das Siegel zum 31. Dezember 2007 seine Gültigkeit verloren hat. Klaus Biemann, Vorstandsvorsitzender von PINA hat auf Nachfrage Kostengründe dafür angeführt. Offensichtlich wegen Nachfragen dazu etwas genervt führte er außerdem aus: „Wir legen Wert auf die Feststellung, dass uns das Siegel daher nicht aberkannt worden ist, sondern von uns aus nicht mehr beantragt wurde!“

Universal-Stiftung. Auf eigenen Wunsch zukünftig ohne Spenden-Siegel auskommen will außerdem die Berliner Universal-Stiftung Helmut Ziegner. Laut Richard Bogner von der Stiftungsverwaltung wurde das dem DZI auch schon im August 2007 mitgeteilt. Trotzdem wurde die Organisation noch auf der DZI-Liste von Dezember 2007 aufgeführt, um sie dann ab Januar kommentarlos davon zu streichen. Übrigens auch hier aus Kostengründen, wie Bogner mitteilt: „Aufgrund einer Kosten-Nutzen-Abwägung hat die Geschäftsleitung beschlossen, sich vorerst nicht mehr um die Vergabe des Spenden-Siegels zu bemühen.“

CW-Meinung. Die Vergabe des Spenden-Siegels ist für das DZI ein gutes Geschäft. Laut Arbeitsbericht für 2006 wurden damit 342.729 Euro eingenommen und 261.435 Euro ausgegeben. Da es sich sogar um einen steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb handelt, mussten 21.448 Euro Steuern bezahlt werden. Doch wer weiß das? Bei Spendern, für deren unabhängige Beratung das DZI 2006 eine halbe Millionen Euro von verschiedenen Bundesministerien und vom Land Berlin erhielt, entsteht sogar der Eindruck, dass Organisationen ohne DZI-Spenden-Siegel etwas zu verbergen haben. Wenn dann auch noch rechtzeitig bekannt gewordene Nichtverlängerungen aus Kostengründen unkommentiert unter Entzügen wegen Unregelmäßigkeiten aufgeführt werden, entsteht fast der Eindruck von Sanktionen. Mehr Transparenz und Offenheit – wie sie zu Recht auch von den gemeinnützigen Vereinen und Stiftungen verlangt wird – wären deshalb angebracht!