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Für eine bessere Spendenkultur
5/27/2008 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Reiche Hertie-Stiftung

Förderung von Bildung, Erziehung und Wissenschaft in Deutschland

Mit einem Eigenkapital von 725 Millionen Euro zählt die Hertie-Stiftung zu den reichsten gemeinnützigen Organisationen in Deutschland. Trotzdem wird nicht geprasst. Der Verwaltungskostenanteil ist mit 7,1 Prozent der erwirtschafteten Mittel im Jahr 2007 moderat ausgefallen. Wer also die Stiftungsziele unterstützen will, kann durch eine Spende viel erreichen.

Vorstellung. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung zur Förderung von Wissenschaft, Erziehung, Volks- und Berufsbildung wurde 1994 gegründet. Durch die Einbringung von 97,5 Prozent der Anteile an der Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH, die allerdings zwischenzeitlich verkauft wurden, zählt sie zu den größten privaten Stiftungen Deutschlands. Gefördert werden vor allem drei Bereiche: In den Neurowissenschaften hat sie sich zukunftsweisenden Forschungsfeldern und –strukturen verschrieben. Die Europäische Integration soll durch die Förderung des mittel- und osteuropäischen Führungsnachwuchses in Wissenschaft und Verwaltung vorangebracht werden. Und die Bildungsarbeit steht unter dem Motto Erziehung zur Demokratie.

Vermögen. Das Eigenkapital der Stiftung belief sich Ende 2007 auf 725 Millionen Euro, was einem Anstieg um 0,6 Prozent zum Vorjahr entspricht. Die Bilanzsumme erhöhte sich um 20 auf 846,8 Millionen Euro. Angelegt sind die Mittel sehr konservativ. Fast die Hälfte des Geldes wurde überwiegend in kurz- und mittelfristige Rentenpapiere investiert. Ein Viertel entfällt auf Aktien und der Rest auf Immobilien, Geldmarkt und sonstige Anlagen. Die Erträge aus dem Vermögensmanagement stiegen gegenüber dem Vorjahr um 8,1 auf 43,5 Millionen Euro.

Mittelverwendung. Von den 28 Millionen Euro, die 2007 für Projekte ausbezahlt wurden, haben jeweils knapp zehn Millionen Euro die Bereiche „Erziehung zur Demokratie“ und „Europäische Integration“ erhalten. Die restlichen acht Millionen Euro flossen in die Unterstützung der Neurowissenschaft. Für die Verwaltung der Stiftung wurden im vergangenen Jahr 2,68 Millionen Euro (Vorjahr 2,2 Millionen Euro) ausgegeben. Das entspricht einem Anteil von 7,1 Prozent (Vorjahr 6,4 Prozent) gemessen an den erwirtschafteten Mitteln bereinigt um die Rücklagen aus Vermögensumschichtung.

Nachfragen. Zeitnah und ausführlich wurden von der Stiftung Nachfragen zum Jahresbericht beantwortet. Das betraf beispielsweise die Zusammensetzung der Position „Sonstige Erträge“, die dort nicht näher erläutert wurde und die starke Reduzierung von 2006 zu 2007. Hintergrund sind Spenden und finanzielle Beteiligungen Dritter an Projekten, die in 2006 durch eine Zuwendung für ein mehrjähriges Projekt besonders hoch ausfielen, gleichzeitig aber durch gebildete Projektrücklagen auch für mehrere Jahre zur Verfügung stehen. Ein anderer Aspekt ist die Ausgliederung einer Fördermaßnahme in eine eigenständige gemeinnützige GmbH. Der auffallende Anstieg der Verwaltungskosten von 2,2 auf 2,68 Millionen Euro wurde vor allem dadurch erklärt, dass 2006 einige Planstellen nicht besetzt waren, wodurch sich unterdurchschnittliche Verwaltungskosten ergaben.

CW-Meinung. Spenden an eine Stiftung können nur dann dem Kapital zugeführt werden, wenn dies vom Mittelgeber ausdrücklich erklärt wird. Ohne einen ausdrücklichen Hinweis – zum Beispiel in Form eines Vermerks „Zustiftung“ auf der Überweisung – unterliegen diese wie bei jedem Verein dem Gebot der zeitnahen Mittelverwendung. Wer also die Ziele der Hertie-Stiftung unterstützen will, kann sich einer entsprechenden Verwendung der Gelder sicher sein. Die dabei immer zu berücksichtigen Verwaltungskosten fallen für eine Organisation dieser Größe moderat aus.