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Für eine bessere Spendenkultur
3/27/2011 von Dr. Susanna Berndt
Archivtext

ProJapan der Stiftung ProGesellschaft

Kraft für die Zukunft

Logo für ProJapan der Stiftung ProGesellschaft

Seit nunmehr über zwei Wochen kämpft Japan mit den Folgen des Erdbebens vor seiner Küste. Mit jedem Tag steigt die radioaktive Verseuchung rund um das AKW Fukushima. Zweihunderttausend Menschen harren im Nordosten des Landes in Notunterkünften aus, vielfach ohne Strom, ohne sauberes Wasser und mit einer ungewissen Zukunft vor Augen. Die Aktion 1000Leben ProJapan der Stiftung ProGesellschaft ermöglicht Kindern aus den Krisenregionen Japans in Begleitung wenigstens eines Elternteils der Einladung eines deutschen Gastgebers zu folgen. Ziel ist es, so vielen Kindern wie möglich eine Zeit der Geborgenheit zu ermöglichen, während die Erwachsenen Kraft für die Zukunft sammeln.

Situation. „Drastischer Anstieg: Zehn Millionen Mal höher als normal ist die Strahlung im Reaktorblock 2 von Fukushima. Grund ist radioaktiv verseuchtes Wasser. Es gibt Hinweise auf einen Schaden am Reaktorkern“ (Quelle 27. März 2011: www.heute.de). Einige Stunden später heißt es: “Doch keine millionenfach erhöhte Strahlung im Wasser aus Reaktor 2 des AKW Fukushima. Es habe einen Messfehler gegeben, erklärte der Kraftwerksbetreiber, die Strahlung sei 100.000-fach erhöht.“ Unklar sind auch die Informationen über die Reaktorblöcke 1, 3 und 4. Während Greenpeace fordert, den AKW-Unfall auf die höchste Stufe 7 (katastrophaler Unfall mit schwerster Freisetzung) der internationalen Skala einzustufen, sprechen die japanischen Behörden bislang von Stufe 5 (ernster Unfall mit begrenzter Freisetzung). Bis heute weiß niemand genau, welches Ausmaß die Beschädigung des Atomkraftwerks von Fukushima tatsächlich annehmen wird. Hinzu kommen die Zerstörungen durch den Tsunami. Auch wenn Japan ein Land der sogenannten ersten Welt ist. In einer solchen Krise zählt jede Unterstützung.

Idee. Gesucht werden Gastgeber, die japanischen Familien aus den Krisengebieten für eine gewisse Zeit unentgeltlich Unterkünfte zur Verfügung stellen. Dabei kann es sich um Privatpersonen handeln, aber auch um Gemeinden, Städte oder Organisationen, Unternehmen und Appartementhotels. Außerdem wird eine Plattform zur Verfügung gestellt, auf der sich hilfsbereite Menschen vernetzen können. Benötigt werden nicht nur Spenden. Ebenso willkommen sind der japanischen Sprache kundige Menschen und Hilfe bei der Organisation.

Ausführung. Vor Ort in den Flüchtlingslagern der Krisengebiete engagiert sich ein lutherischer Bischof. Er hat direkten Zugang zu den Familien und leitet die Daten jener weiter, die sich vorstellen können, der Einladung eines deutschen Gastgebers zu folgen. Auf der Suche nach Gastfamilien sind zudem zwei Bekannte des Bischofs aus Osaka und Tokio. Eine Mutter mit einem Kind befindet sich bereits in Deutschland. Ihr Mann blieb in Japan, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Per Telefon informiert sie ihn über ihren Aufenthalt. Er weiß nun, dass es Frau und Kind gut geht. Diese Sicherheit beruhigt und so kann er eine Vermittlung über ProJapan weiterempfehlen. Vier weitere Mütter mit insgesamt fünf Kindern würden in den nächsten Tagen erwartet, sagt Dr. Reinhard Pregla, Mitbegründer der Stiftung. Für ihre Unterkunft sei bereits gesorgt.

Finanzzahlen. Mit Stand vom 24. März 2011 betragen die Einnahmen für die Aktion1000 Leben knapp 15.000 Euro. Bisher wurden davon knapp 4.600 Euro für sechs One-way-Flüge ausgegeben und 340 Euro für Reiseversicherungen. Alle Mitglieder und Partner arbeiten ehrenamtlich. Büroausstattung und Computer wurden von Sponsoren zur Verfügung gestellt. Auch die Telefone samt großzügigem Guthaben sind die Spende einer bekannten Telekommunikationsfirma. Künftige Spenden werden für Reisekosten, Versicherungen und möglicherweise notwendige Unterstützung der Gastgeber benötigt, etwa für Ernährung, Bekleidung, Telefon. Registriert haben sich bisher über 1.000 Personen. Sondierung fand jedoch noch keine statt. Dr. Pregla meint, noch gäbe es zu wenige japanische Familien, die Interesse an einem Aufenthalt in Deutschland haben. Die Aktion müsste sich in den betroffenen Gebieten erst herumsprechen. Sollte es zu einem stärkeren Andrang kommen, könnten die vielen erfolgten Registrierungen zum Einsatz kommen.

Stiftung ProGesellschaft. Errichtet wurde die Stiftung Mitte November 2010. Gemeinnützig anerkannt ist sie seit Ende Dezember desselben Jahres. Im Vorstand findet sich neben dem Herzchirurgen Dr. Reinhard Pregla auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG Dr. Rüdiger Grube. Ziel der Stiftung ist es, das Gemeinschaftsgefühl der Menschen zu wecken, in den lebensentscheidenden Dingen weg vom Individualismus hin zu einem bewussten Füreinandereinstehen, beispielsweise indem die Notwendigkeit von Organspenden im Bewusstsein der Menschen in Deutschland und Europa verankert und die Bereitschaft dafür erhöht wird. Erreicht werden soll dies durch die Förderung von Bildung und Erziehung sowie Kinder-, Jugend- und Altenhilfe. Der Verwirklichung dienen die Gewinnung gesellschaftlicher Vorbilder mit Leitfunktion in der Öffentlichkeit, Aufklärung, Information und Motivation der Öffentlichkeit vor allem mit Hilfe von PR-Kampagnen, Broschüren, Vorträgen und Seminaren sowie des Internets und anderer Formen elektronischer Kommunikation, Einbeziehen kultureller Bezüge sowie die Durchführung und Förderung besonderer Projekte und Aktivitäten. Das Stiftungskapital beträgt 102.000 Euro. Die Aktion 1000Leben von ProJapan entspricht der Verwirklichung des gemeinnützigen Zweckes „Förderung der Jugendhilfe“ in der Stiftungssatzung.

CW-Meinung. Zu den Zielen der Stiftung zählt neben der Erhöhung der Organspendebereitschaft die Förderung der Kinder-, Jugend- und Altenhilfe. Letzteres ermöglicht die spontane Hilfsaktion 1000Leben proJapan für japanische Kinder aus den Krisengebieten. Da die Stiftung erst Ende 2010 errichtet wurde, liegen noch keine aussagekräftigen Finanzzahlen vor. Empfehlenswert macht die Aktion zum einen, dass alle Mitglieder ehrenamtlich tätig sind, zum anderen, dass mit den Spendengeldern bisher sehr sorgsam umgegangen wurde, etwa indem statt auf teure Mailings und bezahlte Hilfspartner auf Mundpropaganda und unentgeltlich arbeitende Personen vor Ort gesetzt wird. Zudem hat Pregla verbindlich zugesagt, absolute Transparenz zu leben und über die Verwendung der Spendengelder genauestens Auskunft zu geben.