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Für eine bessere Spendenkultur
02.02.2011 von Stefan Loipfinger drucken | empfehlen
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Archivtext

VFK Krebsforschung gGmbH

Staatsanwaltschaft bereitet Anklageschrift vor

Wieviel fließt in Krebsforschung?
© Sven Hoppe - Fotolia.com

Es geht mal wieder um Millionen. Wie viele ganz genau ist nicht bekannt, weil die gemeinnützige GmbH VFK Krebsforschung aus Berlin Auskünfte über die Höhe der Spenden und deren Verwendung verweigert. Dafür ist aber bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Hannover schon seit Monaten wegen Betrugsverdacht ermittelt. VFK Krebsforschung ist einer der Fälle, die im vergangenen Jahr zu Hausdurchsuchungen führten.

Vorgeschichte. Im November 2006 untersagte die ADD Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier dem Verein zur Förderung der Krebsforschung das Sammeln von Spenden in Rheinland-Pfalz. Allein im Jahr 2005 wurden rund zwei Millionen Euro in erster Linie für die Spendenakquisition und Werbemaßnahmen und nicht für die beworbene Unterstützung krebskranker Menschen beziehungsweise Forschungszwecke verwendet. Der Verein war damals nicht als gemeinnützig anerkannt und führte darüber einen Rechtsstreit mit der zuständigen Finanzverwaltung. Schon in 2005 wurde die VFK Krebsforschung gGmbH mit gleichem Logo gegründet. Die heute 73-jährige US-Amerikanerin Regina English beauftragte dazu Dr. Guido Plassmeier von der Kanzlei Schmitz Knoth, die auch schon von anderen zweifelhaften Organisationen mit der Gründung beauftragt wurde. Zahlreiche Informationsfolder, die vorher der Verein zur Förderung der Krebsforschung heraus gegeben hat, werden nun von der gemeinnützigen GmbH veröffentlicht.

US-Wurzeln. Einziger Gesellschafter der VFK Krebsforschung gGmbH ist die ECR Holdings Inc. mit Sitz in New York. Bei der Gründung vertreten wurde sie von Regina English als Präsidentin und Aktionärin zu einem Drittel. Enge Kontakte bestehen zum National Cancer Center (NCC) in den USA. Die Verantwortlichen der 1953 gegründeten Organisation fassten den Entschluss, auch in Deutschland eine Organisation in Leben zu rufen, die den Kampf gegen den Krebs unterstützt. Da Organisationen in den USA – leider anders als in Deutschland – ihre Einnahmen und Ausgaben offen legen müssen, ist die Spendenunwürdigkeit der NCC in Zahlen belegbar. Im Geschäftsjahr 2009/2010 hat NCC 65 Prozent für Fundraising und weitere zwölf Prozent für Verwaltung ausgegeben. Magere 22 Prozent flossen in Projektausgaben.

Beiräte. Um die Glaubwürdigkeit der VFK Krebsforschung gGmbH zu untermauern, wurde ein wissenschaftlicher Beirat gegründet, der über die Vergabe von Fördergeldern entschied. Darin waren namhafte Personen zu finden, die allerdings zwischenzeitlich von der Homepage verschwunden sind. Dazu zählten Prof. Dr. Manfred Westphal und Prof. Dr. Klaus Pantel von der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Christine Jähn, Pressesprecherin von der Uniklinik teilte auf Anfrage mit: “Beide Herren haben sich kurz vor Weihnachten von Ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Berater zurückgezogen. Sie hatten bis dato eingegangene Anträge bewertet.“ Zum Grund ergänzte Jähn: „Der Rückzug von Prof. Westphal – und wenige Tage später auch von Prof. Pantel – erfolgte, als ihnen bekannt wurde, dass gegen den Verein wegen Adresshandel ermittelt wird.“

Finanzen. Aussagen über die Verwendung der Spenden werden von Regina English leider verweigert. Aufgrund der rechtlichen Gestaltung als gemeinnützige GmbH ist allerdings zumindest die Bilanz bekannt. Der vor wenigen Tagen veröffentlichte Abschluss 2009 weist eine freie Rücklage in Höhe von 1,23 Millionen Euro auf. Interessant wäre, weshalb die Bilanz Forderungen gegen verbundene Unternehmen in Höhe von fast 300.000 Euro enthält. Regina English ist nämlich von In-Sich-Geschäften (Paragraph 181 BGB) befreit. Die Guthaben bei Kreditinstituten lagen Ende 2009 bei 1,18 Millionen Euro.

Warnungen. Mitte Dezember 2010 hat das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) erneut eine Warnung vor der VFK Krebsforschung ausgesprochen. Die in Bettelbriefen verwendeten Texte und Bilder sind „unangemessen gefühlsbetont und in hohem Maße bedrängend“ gestaltet. Auch der Infokanal vom NDR hat kürzlich vor VFK Krebsforschung gewarnt. Es wurde von einem schwunghaften Handel mit Spenderadressen berichtet. Eine zwischenzeitlich nicht mehr angebotene Liste mit bis zu 750.000 Spenderadressen wurde laut NDR-Bericht von der Fundraisingfirma SAZ angeboten. Darunter offenbar auch Adressen von VFK-Spendern.

CW-Meinung. Ein Anruf bei VFK landete bei einem Büroservice. Die Dame am Telefon konnte konkrete Fragen nicht beantworten. Angeblich sollte Regina English im Januar nach Deutschland kommen, weshalb eine schriftliche Anfrage gestellt werden müsste. Bis heute liegt allerdings keine Antwort vor. Regina English, die sich auf der Homepage Regina Schneider-English nennt, wollte offenbar keine Stellungnahme abgeben. Vielleicht war sie auch deshalb nicht in Deutschland, um den vermutlich vorhandenen Fragen der Staatsanwaltschaft aus dem Weg zu gehen.

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