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Für eine bessere Spendenkultur
1/31/2011 von Karin Burger
Archivtext

Hundehilfe Hundeherzen e.V.

Tierseuchenrechtliche Verstöße

Ein verschlossenes Herz
Bild: Logo Hundehilfe Hundeherzen

Schon im August 2010 hat CharityWatch.de den Verein Hundehilfe Hundeherzen e.V. auf die Warnliste gesetzt. Damals weigerte sich dieser mit dem Import von Auslandshunden befasste Verein, seine Zahlen transparent zu machen. Wie sich jetzt herausstellt, beantworten die Verantwortlichen auch keine Sachfragen zu ihrer Tierschutzarbeit. Bei einer Kontrolle eines Auslandstransports aus Spanien am 16. Januar 2011 stellte das Veterinäramt des Main-Kinzig-Kreis in Maintal tiersuchenrechtliche Verstöße fest. Fragen zu diesem Vorgang und zu den Auslandseinfuhren von Hunden beantwortet der Verein Hundehilfe Hundeherzen nicht.

Veterinärkontrolle. Der aktuelle Transport startete nach den CharityWatch.de vorliegenden Informationen am 15. Januar 2011 morgens um acht Uhr an der spanischen Mittelmeerküste in der Nähe von Alicante. Nach einigen Zwischenstopps, an denen weitere Hunde zugeladen wurden, ging der Transport ohne Pause durch ganz Frankreich. Erst am folgenden Vormittag kam er im deutschen Maintal an. Die Veterinäre trafen dort erst verspätet ein. Nach Informationen der Pressestelle des Main-Kinzig-Kreis waren insgesamt 32 Hunde auf dem Transport, neun davon Welpen im Alter von zwölf Wochen. Nach Auskunft des Veterinäramtsleiters Friedrich-Wilhelm Jakob gab es tierschutzrechtlich keine Beanstandungen. Alle Hunde seien nach diesem rund 24 Stunden währenden Transport fit gewesen. Dagegen stellte die Fachbehörde Verstöße gegen tierseuchenrechtliche Bestimmungen fest.

Transportdienstleistung. Per Rundmail hatte der Verein Hundehilfe Hundeherzen anderen Tierschutzorganisationen angeboten, für sie Hunde nach Deutschland zu transportieren. Das ist deshalb irritierend, weil der Verein selbst mit Stand vom 17. Januar 2011 auf der Internetplattform tiervermittlung.de 99 Hunde anbietet, die sich aber überwiegend noch in Spanien aufhalten. Bei diesem Transport jedoch wurden die Plätze anderen Organisationen angedient. Die Frage, wie sich das Angebot einer solchen Transportdienstleistung mit der Gemeinnützigkeit des Vereins verträgt, wird von Hundehilfe Hundeherzen nicht beantwortet.

Kundenservice. Beauftragenden Tierschutzvereinen und potenziellen Abnehmern wird bei dieser Transportdienstleistung exzellenter Service geboten. Zum einen erhalten alle einen Link auf eine Google-Map, welche die Route und alle Stationen ausweist. Wie bei einem guten Paketservice wird den Kunden darüber hinaus angeboten, sich mit einer zugewiesenen Identifikationsnummer online über den laufenden Transport informieren zu können. Die Internetkommunikation zum Transport wird dann auch über eine E-Mail-Adresse abgewickelt, die vor dem Vereinsnamen die Kennung „transporte“ trägt.

Bezahlte Fahrer. Das Transportgeschäft soll zukünftig wohl ausgebaut werden, denn über die Homepage des Vereins werden weitere Fahrer gesucht. Diese sind dann auch nicht ehrenamtlich tätig, sondern werden über Tagespauschalen bezahlt, wie das „Stellenangebot“ des Vereins ausweist. Das abgebildete Transportfahrzeug ist mit einem komplett geschlossenen Anhänger versehen.

Saftige Preise. Für Hunde, welche Hundehilfe Hundeherzen selbst vermittelt, müssen sogenannte Schutzgebühren bezahlt werden, die deutlich über dem Üblichen liegen. Als billigste Variante gibt der Verein unkastrierte Hündinnen für 250 Euro ab. Danach sind die Preise gestaffelt und gehen bis 350 Euro für eine kastrierte Hündin. Multipliziert man den Durchschnittspreis von 295 Euro mit der Anzahl (Stand: August 2010) bisher vermittelter Hunde, nach Angaben der Vorsitzenden Margit Oeltze 2.500, ergibt das den stattlichen Betrag von 737.500 Euro. Aber auch mit der reinen Transportdienstleistung lässt sich noch Geld verdienen. Je nach Anbieter und Größe des Hundes müssen Tierschutzorganisationen pro transportierten Hund zwischen 65 und 95 Euro bezahlen. Bei 32 Hunden und einem Durchschnittspreis von 80 Euro kommen so 2.560 Euro in die Kasse, abzüglich Benzinkosten. Da manche Organisationen für die Hunde aber auch noch Transportpatenschaften einwerben, kann der Erlös durchaus noch höher liegen.

Keine Vororthilfe. Auslandstierschutz kann nur dann als seriös bewertet werden, wenn vor Ort effektive Hilfe zum Aufbau tiergerechter Strukturen geleistet wird. An erster Stelle stehen dabei Kastrationen und Strukturhilfe für Organisationen im Ausland. Zu all diesen wichtigen Aspekten seriösen Auslandstierschutzes sucht man auf der Homepage des Vereins Hundehilfe Hundeherzen vergeblich nach Informationen und Tätigkeitsberichten.

Unbeantwortete Fragen. Die Behördenkontrolle am 16. Januar hat ergeben, dass der Verein Hundehilfe Hundeherzen Tiere aus dem Ausland an den tierseuchenrechtlichen Bestimmungen vorbei nach Deutschland einführt. Die den Verantwortlichen durch CharityWatch.de gebotene Möglichkeit, über einer Reihe von Sachfragen zu diesem Vorgang Stellung zu nehmen, wurde ausgeschlagen. So bleibt unbeantwortet, wie viele illegale Transporte der Verein bisher schon durchgeführt hat. Nicht beantwortet wurde die Frage, warum Welpen, die von ihrem Alter her noch gar nicht über einen aktiven Impfschutz verfügen können, eingeführt werden. An wen zahlen die beauftragenden Tierschutzvereine: an den Verein Hundehilfe Hundeherzen selbst oder an die Transporteure? Wie werden diese Einnahmen verbucht? Müssen die Hunde 24 Stunden lang im Transportfahrzeug verbleiben? Wie vertragen sich solche Transportbedingungen mit dem Tierschutzgedanken?

CW-Meinung. Mit diesem Fall bestätigt sich erneut der Ansatz, dass Vereine, welche nicht transparent über die Verwendung von Spendengeldern informieren wollen, sich auch bei weiterer Betrachtung ihrer „Tierschutzarbeit“ vom seriösen Feld absetzen. Zumindest der Transport des Vereins Hundehilfe Hundeherzen vom 15. bis 16. Januar 2011 hat primär nichts mit Tierschutz zu tun. Hier wird anderen Vereinen eine Transportdienstleistung angeboten. Die Transportbedingungen werden nicht transparent gemacht und müssen aus den vorliegenden Daten heraus als tierschutzwidrig bewertet werden. Aus der Stellenanzeige des Vereins lässt sich schließen, dass es hier auch künftig hauptsächlich um Transporte gehen wird. Dass der Verein für die von ihm selbst zur Vermittlung angebotenen 99 Hunde aus Spanien gar keine Interessenten findet, belegt die Vermutung, dass der bundesdeutsche Markt diesbezüglich stark gesättigt ist.

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