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Für eine bessere Spendenkultur
2/16/2010 von Stefan Loipfinger
Archivtext

WMF Barmherzigkeit e.V.

Unseriöser Spendenaufruf für Haiti

Spendenaurfruf für Haiti im Internet
Homepage von WMF Barmherzigkeit

Schon vor einem Jahr hat CharityWatch.de vor World Mercy Fund International gewarnt. Neben dem in Deutschland Spenden sammelnden WMF Barmherzigkeit e.V. gibt es noch Organisationen in Irland, in Österreich, der Schweiz und den USA. Zentrale Figur ist Ute Harms, die in Deutschland vor einem Monat einen Spendenaufruf für Haiti startete. In diesem mit „Notruf aus Haiti“ überschriebenem Spendenmailing wird sehr bedrängend um Spendengeld geworben. Da WMF selbst keine Erfahrung mit Katastrophenhilfe vorweisen kann, wurden in den Bettelbriefen zwei Partnerorganisationen genannt, die bis heute keinen Geldeingang verbuchen konnten.

Bettelbrief. In den Schreiben wird von blutüberströmten Schwerverletzten, schmerzverzerrten Gesichtern und verwundeten Kindern, die vergeblich nach ihren Eltern suchen, berichtet. Von dringender Hilfe ist die Rede, weshalb der unterzeichnende Pater Michael Reynolds an die Nächstenliebe der Briefempfänger appelliert: „Jede Minute zählt – das Flugzeug steht bereit! Bitte handeln Sie am besten noch heute!“ Und wie die Hilfe schnell in Haiti ankommen soll, wird in den Briefen ebenfalls beschrieben: „Wir haben bereits mit unserem Partner ‚Demira e.V.‘ ein fünfköpfiges Team mit einem Unfallchirurgen und einem Kinderarzt nach Haiti geschickt. Mit Hilfe unseres Partners ‚Luftfahrt ohne Grenzen e.V.‘ wollen wir Medizin, Verbandszeug etc. sowie dringend benötigte Kindernahrung in das Krisengebiet bringen.“

Luftfahrt ohne Grenzen. Der in dem Schreiben sogar fett und unterstrichen hervorgehobene Partner Luftfahrt ohne Grenzen e.V. aus Frankfurt wusste nichts von dem sehr emotionalen Spendenaufruf. Der Geschäftsführer Frank Franke war absolut entsetzt darüber, als ihn CharityWatch.de damit konfrontierte. Weder eine Partnerschaft für diese Hilfe noch ein Mailing mit werblicher Nennung von Luftfahrt ohne Grenzen war abgesprochen. Franke hat deshalb sofort einen Rechtsanwalt damit beauftragt, WMF Barmherzigkeit zur Unterlassung aufzufordern. In Bezug auf die im Bettelbrief angesprochene Partnerschaft schrieb der Anwalt: „Dies ist eine völlig falsche, wider besseres wissen aufgestellte Behauptung. Einen solchen Spendenaufruf hat unser Verein weder autorisiert, noch wird es jemals hierzu irgendwelche Zustimmungen geben können. Unabhängig von dem Stil und Inhalt der uns jetzt bekannt gewordenen Papiere.“

Demira. Als zweiter Partnerverein wird von WMF Demira Deutsche Minenräumer e.V. genannt. Der Vorstand Martin Auracher bestätigte zwar die telefonisch abgesprochene Partnerschaft, wusste aber nichts von den Inhalten des Bettelbriefes, der für ihn „nicht in Ordnung“ ist. Was Demira vor der Entscheidung prüfe, bevor sie mit einem Förderverein zusammen arbeiten, erläuterte Auracher mit einem sehr naiven „nichts“. Für ihn gibt es einen ungeschriebenen Kodex, wonach Spendenorganisationen „redlich“ arbeiten. Aber wenigstens nach den Hinweisen von CharityWatch.de will er die Sache genauer prüfen. Zukünftig werden Partner sorgfältiger ausgewählt.

Stellungnahme. Fritz Harms ist Geschäftsführer der Instrumentum GmbH, die laut Handelsregister Unternehmensberatungen leistet, die „die Beschaffung von Sachspenden sowie die Organisation deren Verteilung und die unmittelbare oder mittelbare Beteiligung an Gesellschaften gleicher oder ähnlicher Art“ betreffen. Der Sohn von Ute Harms nahm den Anruf in der Vereinszentrale entgegen und hat zu den Vorwürfen telefonisch Auskunft gegeben. Er hat bestätigt, dass bisher noch kein Geld an die beiden Partnerorganisationen überwiesen wurde. Es würde aber auf alle Fälle Geld fließen und der Vorgang wird „formvollendet abgeschlossen“. Bei der fehlenden Absprache zu dem Mailing hat er einen Fehler eingeräumt, für den er sich bei den beiden Partnerorganisationen bereits entschuldigt hat. In der rechtlichen Auseinandersetzung mit Luftfahrt ohne Grenzen haben sich die Anwälte der beiden Parteien bereits geeinigt.

CW-Meinung. Skandalös ist nicht nur die extrem bedrängende Art des Spendenaufrufs. Einen Monat nach dessen Versand haben beide Partner noch keinen Cent aus den Einnahmen gesehen. Dabei hat Pater Michael Reynolds in dem Aufruf von startbereiten Flugzeugen gesprochen. Nahrung und medizinische Hilfe wären am dringendsten notwendig. „Voller Dankbarkeit“ wolle er die Spender in seine Gebete einschließen. Ob das stimmt, ist nicht klar. Dafür ist um so erschütternder, dass von den Spenden aus diesem Aufruf die „Partnerorganisationen“ in Haiti nicht die erforderliche Soforthilfe leisten konnten. Was für ein Gewissen müssen die Geschäftsführerin Ute Harms und der unterzeichnende Pater Michael Reynolds haben, wenn sie die Not von einem der ärmsten Länder der Welt schamlos ausnutzen, das durch die Erdbebenkatastrophe zusätzlich unglaubliches Leid ertragen muss? Aber auch Demira hat sich durch die unverantwortlich naive Zustimmung zu einem Spendenaufruf unverantwortlich verhalten, weil an WMF überwiesenes Geld anderen Vereinen fehlt und damit notwendige Soforthilfe nicht geleistet werden konnte.