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Für eine bessere Spendenkultur
15.12.2008 von Stefan Loipfinger drucken | empfehlen
Archivtext

St. Josefs Indianer Hilfswerk e.V.

Die Erben von Sitting Bull werben mit Geschenkpäckchen um Spenden

Lakota Indianerkind - Bild: stjo Hilfswerk

Schon die Urahnen der heutigen indianischen Bevölkerung von Süd Dakota, USA wussten, dass kleine Geschenke die Freundschaft erhalten. Doch wenn es um die Akquise von Spendengelder für das St. Josefs Indianer Hilfswerk geht, sollte doch etwas sparsamer gewirtschaftet werden. Einen Bettelbrief in einem Päckchen mit acht Weihnachtskarten inklusive Kuvert, einem Kugelschreiber, Verpackungsmaterial und Weihnachtspäckchenanhänger zu verschicken, ist dann doch etwas zu viel. Das zeigt sich auch in der Einnahmen- und Ausgabenrechnung des Vereins, der eindeutig eine zu geringe Quote für Projektkosten ausweist.

Vorstellung. Laut Tätigkeitsbericht 2007 will der Verein helfen, bedürftige Lakota-Indianerkinder auszubilden und zu unterstützen. Auch der indianische Kulturaustausch und öffentliche Ausbildungsprogramme in Deutschland zählen zu den Zielen der in Frankfurt ansässigen Organisation. Insgesamt soll ein besseres Verständnis der indianischen Kultur und für deren Bedürfnisse erreicht werden.

Bettelbrief. Anders als im Tätigkeitsbericht wird in dem Spendenaufruf mit dem „schönen Weihnachtsgeschenke-Set“ von akuter Not geschrieben. Von „Hoffnungslosigkeit“ in den Reservaten und Zuständen „wie in Ländern der Dritten Welt“ wird berichtet. Unter den Ureinwohnern der USA herrscht „unglaubliche Armut und Not, Krankheit und Arbeitslosigkeit (bis zu 80%)“. An anderer Stelle heißt es: „Viele Familien zerbrechen unter der erdrückenden Last ihrer hoffnungslosen Existenz in menschenunwürdigen Reservaten, geprägt vom Kampf ums tägliche Brot, von Arbeitslosikeit, Armut und Krankheit.“

Finanzzahlen. Der im Internet verfügbare Tätigkeitsbericht enthält leider keine konkreten Zahlen und Fakten. Zumindest auf Nachfrage wurde aber eine Gewinnermittlung für 2007 zur Verfügung gestellt. Danach betrugen die echten Projektkosten 1,9 Millionen Euro von 2,8 Millionen Euro Gesamtausgaben. Das entspricht einer mageren Quote von 67,8 Prozent. Im Vorjahr lag die Quote mit 58 Prozent sogar noch niedriger, was ebenfalls in erster Linie auf Ausgaben zur Spendenakquise beruhte. Erschwerend hinzu kommt dabei noch, dass Nachfragen über die Zusammensetzung der Projektkosten nicht ausreichend beantwortet wurden. Eine konkrete Frage nach darin enthaltenen Reisekosten wurde mit einem Hinweis auf eine andere Ausgabenposition abgetan, obwohl diese 2006 und 2007 quasi bei Null lag. Und das, obwohl im Tätigkeitsbericht für das Jahr 2007 nachzulesen ist: „Schließlich wurde es Lakota-Schülern im Sommer 2007 ermöglicht, Deutschland zu besuchen.“

CW-Meinung. Die Kritik an dem Verein ist nicht dahingehend zu verstehen, dass den Indianerkindern der Besuch in Deutschland missgönnt wird. Auch die Versuche, Lakota-Schüler mit anderen Ländern bekannt zu machen, stehen nicht in der Kritik. Allerdings sollte der Spender nicht durch eine Art von Nothilfeersuchen über die Verwendung der Gelder getäuscht werden. Außerdem ist es nicht hinnehmbar, dass die Projektkosten ungenügend erläutert werden und selbst bei vollständiger Annahme einer korrekten Zuordnung deutlich zu gering ausfallen. 67,8 Prozent und 58 Prozent in den letzten beiden Jahren sind geprägt durch zu hohe Spendenakquisekosten.

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Tags: st. josefs indianer hilfswerkspendengelderspendenspendenaufrufspendenaquisebeduerftige kinderhilfsorganisation

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