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Für eine bessere Spendenkultur
7/26/2011 von Karin Burger
Archivtext

Animalfriends worldwide e. V.

Katze musste 9.000 Kilometer mit offenem Bauch reisen

Flug mit offener Bauchwunde
Bild: © Jürgen Effner - Fotolia.com

Der Verein Animalfriends woldwide e. V. hat seinen Tätigkeitsschwerpunkt in Thailand. Dort unterstützt er die private Tierschützerin Elisabeth Feigl von „Elfesworld“. Eine zweifelhafte Rettungsaktion dieser Tierschützer endete jetzt für eine thailändische Katze am Düsseldorfer Flughafen tödlich. Deklariert als Einfuhr im Rahmen des privaten Personenreiseverkehrs wurde versucht, die Katze mit offenem Bauch in die Bundesrepublik einzuführen. Das Vorhaben scheiterte. Das Veterinäramt Düsseldorf beschlagnahmte das Tier. Gemäß den tierseuchenrechtlichen Bestimmungen und aufgrund der chronischen Erkrankung der Katze blieb den Amtstierärzten keine andere Wahl, als das Tier einzuschläfern. Daraufhin entbrannte im Internet eine üble Hetzkampagne gegen die verantwortliche Veterinärin.

Vereinsprofil. Der im hessischen Griesheim ansässige Verein Animalfriends worldwide e. V. unterstützt die von der Tierschützerin Elisabeth Feigl geleitete Auffangstation „Elfesworld“ in Thailand. Diese Förderung ist neben allgemeiner Tierschutzarbeit auch in der Satzung des Vereins festgeschrieben. Die Unstimmigkeiten bei diesem Verein beginnen schon damit, dass Feigl selbst ihr Thailand-Projekt als „privat“ bezeichnet. Ein Spendenfluss von einem gemeinnützigen Verein an Privatpersonen ist jedoch problematisch. Wenn der Verein dann wie Animalfriends worldwide e. V. noch dazu nicht bereit ist, seine Zahlen offenzulegen, überdies die praktische Tierschutzarbeit abseits zumutbarer Kontrollmöglichkeiten in Asien stattfindet, sollten Nachfragen erlaubt sein.

Kein Zusammenhang. Aber der Wechsel von „Verein“ zu „privat“ und zurück scheint eine durchgängige Strategie zu sein. Denn auch im aktuellen Fall der thailändischen Katze „Luilui“ wurde so agiert. Und nachdem das Projekt Mitte Juni 2011 tödlich endete, weil die Veterinärbehörde am Düsseldorfer Flughaften aufgrund der tierseuchenrechtlichen Bestimmungen gezwungen war, die Katze nach ihrer mehrtägigen Interkontinentalreise einzuschläfern, weist der Verein jede Verantwortung von sich. Der zweite Vorsitzende Kay Krzanowski erklärt gegenüber CharityWatch.de: „Die private Einfuhr der Katze durch ihre Besitzerin steht in keinerlei Zusammenhang mit unserem Verein.“

Tödliche Reise. Die in Thailand lebende Deutsche Elisabeth Feigl berichtet im Internet selbst über den Tierschutzfall „Luilui“: Mit einer von einem Hund stammenden Bisswunde im Bauch habe sie die Katze im Mai 2010 aufgenommen. Allerdings wollte die Wunde in über einem Jahr und trotz mehrerer in Thailand durchgeführter Operationen nicht zuheilen und wurde gemäß den Berichten Feigls sogar noch größer. Nun sollte das Tier nach Deutschland zur weiteren Behandlung verbracht werden. Und dies, obwohl die Katze nach Aussage des Veterinäramts Düsseldorf ein gut handtellergroßes Loch im Bauch hatte. Bilddokumente belegen das auch. So wurde die Samtpfoten-Patientin auf die gut 9.000 Kilometer lange Reise geschickt: Flug von Koh Samui nach Bangkok. Dort Übernahme durch eine Bekannte von Feigl, welche die Katze am nächsten Tag einer weiteren Person für den Langstreckenflug von Bangkok nach Düsseldorf aushändigte. Nach der ursprünglichen Planung sollte „Luilui“ in Düsseldorf von einer dritten Person übernommen werden. Auf dem Landwege sollte die Katze mit dem offenen Bauch dann von Düsseldorf bis hinter Hamburg transportiert werden. Doch dazu kam es nicht mehr. Die Katze wurde am Flughaften Düsseldorf vom Veterinäramt beschlagnahmt.

Kraft Gesetzes. Dr. Klaus Meyer, Leiter des Amts für Verbraucherschutz Düsseldorf, erklärt die unausweichliche und schwere Entscheidung der Behörde, die Katze einzuschläfern. Da es sich hierbei um eine Einfuhr aus einem so genannten Drittland handele, habe es aus tierseuchenrechtlichen Gründen und angesichts der chronischen Erkrankung der Katze keine andere Möglichkeit als die Euthanasie gegeben. Die beiden Alternativen, lebenslange Quarantäne oder Rückführung nach Thailand, seien aufgrund des Gesundheitszustandes der Katze nicht in Betracht gekommen. Überdies wären die verantwortlichen Tierschützer schon einen Monat vorher schriftlich davon informiert worden, dass diese Einfuhr tierseuchenrechtlich nicht möglich ist. Für Meyer steht auch fest, dass es sich eben nicht um eine Einfuhr im Rahmen des privaten Reiseverkehrs handele. Der Zusammenhang mit dem Verein ist für die Veterinärbehörde gegeben.

Weiterer Eigentümer. Zum Katzeneigentümer scheint auch noch größerer Abstimmungsbedarf zwischen den Vereinsfunktionären und deren privaten Spendenempfängern zu herrschen. Denn Elisabeth Feigl selbst, die sich den sphärischen Namen „Elfe“ gibt, erklärt in einem offenen Brief vom 11. Juni 2011: „Gestern erfuhr ich, dass sie [Veterinäre in Düsseldorf – Anm. d. Red.] meine Katze Luilui, die nach Deutschland in ein neues Zuhause und für medizinische Behandlung geschickt hatte, beschlagnahmt haben […]“. Bemerkenswert sind die Passagen „meine Katze“ und „in ein neues Zuhause […] geschickt“. Aber Feigl ist nicht die einzige, welche die Katze für sich reklamiert. Denn Claudia Schramm, Betreiberin einer privaten Hunde- und Katzenhilfe in Helvesiek, will ebenfalls Eigentümerin der Katze gewesen sein. Schramm behauptet auch, vorher schriftlich beim Veterinäramt Düsseldorf zu dieser Einfuhr aus einem Drittland angefragt zu haben. Das Amt habe ihr schriftlich die Erlaubnis dazu erteilt. Dieses Schreiben aber will oder kann Schramm nicht vorlegen. Ihre Angabe steht damit im Widerspruch zu den Auskünften des Veterinäramts Düsseldorf.

Grauzonen. Interpretationsspielraum ergibt sich genau aus der Grauzone heraus, für welche die Geldflüsse zwischen Verein und privat als problematisch angesehen werden. Der Verein unterstützt die Privatperson Elisabeth Feigl und ihre Tierschutzprojekte mit Geld. Wenn mit Hilfe dieses Geldes dann Tiere behandelt oder gar transportiert werden, fallen sie wieder unter Privatbesitz und der Verein will damit in „keinerlei Zusammenhang“ stehen? Und dann behaupten auch noch mehrere Personen, Eigentümers diese Katze zu sein.

Intransparenter Verein. Niemand in diesem Verein hat überhaupt einen Sachkundenachweis, den der zweite Vorsitzende Kay Krzanowski auch für „nicht erforderlich“ hält. Spendenaufrufe des Vereins für diese Katze habe es nicht gegeben, jedoch sei sie mit einer Patenschaft von 150 Euro unterstützt worden. Einen Geschäftsbericht oder Jahreszahlen gibt der Verein nicht heraus. Angeblich soll dieser mit dem nächsten gültigen Steuerbescheid auf der Website des Vereins veröffentlicht werden. Da aber die Geschäftsberichte und Jahreszahlen der Vergangenheit nirgends auf der Homepage zu finden sind, ist diese Ankündigung wenig glaubwürdig.

Preisgekrönte Tierschützerin. Die für den Fall „Luilui“ verantwortliche Elisabeth Feigl hat 2008 und dabei ausdrücklich als Repräsentantin des Vereins Animalfriends worldwide e. V. von Tasso e. V. den Tierschutzpreis „Goldene Pfote“ erhalten. Die Verleihung erfolgte im Tierschutzzentrum des Bunds gegen Missbrauch der Tiere in Pfullingen. In der Bewertungsjury saß unter anderem die bekannte Fernsehjournalistin Dr. Claudia Ludwig, welche auch die Preisverleihung moderierte.

Überraschender Begünstigter. Aufrichtige Dankbarkeit hat der mit 5.000 Euro dotierte Tierschutzpreis bei dem Verein aber nicht induziert. Denn die Vereinssatzung nennt für den Fall der Vereinsauflösung weder Tasso e. V. noch den BMT als Begünstigten. Stattdessen erscheint dort der Verein Tierfreunde Niederbayern e. V., der sich hauptsächlich um in Not geratene Deutsche Doggen kümmert. Was hat ein Tierschutzverein in Hessen, der den Tierschutz in Thailand unterstützt, mit einer bayerischen Notdoggenorganisation zu tun? Weder Animalfriends worldwide noch die Tierfreunde Niederbayern e. V. sind bereit, diese spannende Frage zu klären. Die CW-Presseanfrage, warum Letztere als Begünstigte im Fall der Vereinsauflösung benannt werden, beantwortet Gabi Hesel von den Tierfreunden Niederbayern mit der Gegenfrage: „Warum nicht?“

CW-Meinung. Sowohl für Spender wie für die Katze „Luilui“ spielt es keine Rolle, ob die geplante Einfuhr von Thailand nach Deutschland formaljuristisch privat oder eben wie vom Veterinäramt Düsseldorf eingeschätzt als Einfuhr durch eine Tierschutzorganisation bewertet wird. Eine Katze mit einem handtellergroßen Loch im Bauch auf eine derart lange Reise zu schicken, hat in keinem Fall mehr etwas mit Tierschutz zu tun. Überdies scheint das Changieren zwischen Verein und privat ein durchgehendes Strukturmerkmal dieser intransparenten Organisation zu sein. Unter dem Label der Gemeinnützigkeit werden Spenden gesammelt, die dann einer Privatperson in Asien zufließen. Die wenigstens Spender werden sich persönlich von der Verwendung der Gelder dort überzeugen können. Dass der Verein Animalfriends worldwide seine Zahlen nicht offen legen will, gliedert ihn aus dem Kreis seriöser Vereine aus. Und warum weder die Vereinsverantwortlichen noch die Tierfreunde Niederbayern eine verständliche Auskunft zu der Frage erteilen, wo die Verbindungen zwischen diesen beiden Organisationen liegen, die eine satzungsgemäße Begünstigung nachvollziehbar machen, verdichtet die Intransparenz. Aufgrund all dieser genannten Kriterien rät CharityWatch.de von Spenden an den Verein Animalfriends worldwide e. V. ab.