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Für eine bessere Spendenkultur
7/20/2010 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Mutter Teresa Kinderhilfswerk e.V.

Mogelpackung mit päpstlichem Segen

Sogar das Logo enthält ein Bild der echten Mutter Teresa
Bild: Logo MTK e.V.

Große Sprüche gehören zum Programm: „Das Mutter Teresa Kinderhilfswerk e.V. ist in der ganzen Welt für seine Fürsorge und Nächstenliebe im Dienste der Armen bekannt und geschätzt.“ Dabei hat dieser höchst zweifelhafte Verein keinerlei Verbindung zu den gemeinnützigen Missionen in Kalkutta, in denen die echte Mutter Teresa zu Lebzeiten wirkte. Trotzdem hat Dr. Sajan George Kavinkalath, Vorstandsvorsitzender vom Mutter Teresa Kinderhilfswerk e.V. (MTK) sogar eine Audienz bei Papst Benedikt XVI erhalten: „Im Oktober 2005 wurde ich im Vatikan zu einem Treffen mit Papst Benedict XVI eingeladen, um den Segen des Papstes für die Arbeit der MTK im Dienste hilfsbedürftiger und notleidender Kinder zu erhalten.“ Damit der seriöse Anstrich auch wirkt, wird gerne ein Foto von der Übergabe eines Mutter-Teresa-Posters von Kavinkalath an den Papst gezeigt.

Gründung. Angeblich waren es ein Gebet und ein Traum, die für die Gründung des Mutter Teresa Kinderhilfswerkes verantwortlich waren. In die Tat umgesetzt haben es dann allerdings teure Anwälte, die mit der Gründung des Vereins beauftragt wurden. Per Vollmacht beauftragten die drei Vorstände im Sommer 2007 aus San Francisco die Sozietät Schmitz Knoth Wüllrich Marquardt mit der Gründung in Deutschland. Die Adresse des Vereins ist zufällig ebenfalls die Anschrift der Kanzlei in Berlin – die noble Friedrichstraße 200. Umgesetzt hat die Gründungsformalitäten der Rechtsanwalt Dr. Carsten Veenker.

Formalien. Die zur Gründung eines Vereins notwendigen sieben Personen haben sich am 2. August und erneut am 20. Dezember 2007 in Kalifornien getroffen, obwohl der Vorstandsvorsitzende Kalvinkalath eigentlich in Indien gemeldet ist. Neben Kalvinkalath waren dies der stellvertretende Vorsitzende Nathan Barnes und Erica Barnes sowie die Schatzmeisterin Crystal Chen mit Helen Chen und Ping Jong Chen. Letzter im Bunde ist Tzong Ting Wu, der zusammen mit Crystal Chen auch bei der ebenfalls sehr zweifelhaften WC Weltpflegehilfe gGmbH auftaucht. Ein Vergleich der beiden Registerauszüge zeigt allerdings einen Unterschied beim Geburtsdatum von Crystal Chen. Laut WC Weltpflegehilfe ist sie am 20. Juli 1982 geboren und beim Mutter Teresa Kinderhilfswerk am 8. September 1982. Neben der Namensgleichheit wäre es schon ein merkwürdiger Zufall, wenn es sich wirklich um zwei verschiedene Personen handelt, da die Unterschriften sich extrem ähnlich sehen.

Zweifel. Die Wahl des Vereinsnamens sollte bei seriösen Absichten keine Irreführung beinhalten. Beim Mutter Teresa Kinderhilfswerk ergeben sich deshalb massive Zweifel, da der Verein in keiner Weise mit den gemeinnützigen Missionen der Mutter Teresa in Kalkutta verbunden ist. Trotzdem wird bei jeder Gelegenheit mit dem Bild der echten Mutter Teresa geworben, das sich auch noch im Vereinslogo wiederfindet. Kavinkalath begründet dies mit dem Andenken an die barmherzige Missionarin, die 1979 den Friedensnobelpreis erhielt und 1999 vom damaligen Papst Johannes Paul II selig gesprochen wurde. Papst Benedikt XVI hat dem Vorstandsvorsitzenden im Oktober 2005 eine Audienz gewährt. Ein bei der Gelegenheit geschossenes Foto mit der Überreichung eines Posters von der echten Mutter Teresa wird ebenfalls vertrauensbildend genutzt. Laut Kavinkalath hat er damals vom Papst schon zwei Jahre vor Gründung des Vereins den Segen „für die Arbeit der MTK im Dienste hilfsbedürftiger und notleidender Kinder erhalten“.

Gemeinnützigkeit. Klar irreführend äußert sich der Verein auch ständig in Fragen der Gemeinnützigkeit. Immer wieder schreibt das Mutter Teresa Kinderhilfswerk, dass es sich um eine unabhängige, gemeinnützige Organisation handeln würde. Es wird um Spenden geworben und Quittungen für Spenden werden ab 15 Euro ausgestellt. Doch weit gefehlt, wenn jemand an die Abzugsfähigkeit von Spenden glaubt. Denn der Verein ist vom zuständigen Finanzamt Berlin nicht von der Körperschaft- und Gewerbesteuer befreit worden. Etwaige Zuwendungen sind deshalb steuerlich nicht abzugsfähig.

Datenschutz. Bisher ist leider nicht bekannt, wer das Fundraising für den zweifelhaften Verein durchführt. Doch es muss jemand sein, der es mit dem Datenschutz nicht so genau nimmt. Denn bei den häufig gestellten Fragen hat MTK die Musterfrage aufgenommen: „Woher haben Sie meinen Namen?“ In der Musterantwort wird nur allgemein geschwafelt, dass es viele Wege gibt, „um Namen von Menschen zu finden, von denen wir glauben, dass sie sich für die Hilfe für Menschen interessieren, denen das Glück nicht beschieden ist“. Weiter heißt es dann: „Einer unserer Mitarbeiter hat möglicherweise bei der Suche nach Unterstützern das Gefühl gehabt, dass Sie nicht wegsehen möchten und eventuell helfen wollen. Ein Grund dafür könnte sein, dass Sie schon einmal einer ähnlichen gemeinnützigen Organisation gespendet haben.“

Transparenz. Erstmals im Januar diesen Jahres hat CharityWatch.de beim Mutter Teresa Kinderhilfswerk einen Jahresbericht mit Finanzzahlen angefordert. Damals teilte Anne Loeffler, Managerin vom Office Berlin mit: „Wir sind noch eine junge Organisation und haben deshalb noch keinen Jahresbericht erstellt. Wir arbeiten daran und werden Ihnen nach Fertigstellung ein Exemplar zukommen lassen.“ Nachdem das Versprechen nicht eingelöst wurde, erfolgten weitere Nachfragen. Bis heute allerdings vergeblich, weshalb die Verwendung der Spenden nicht überprüft werden kann. Das ist auch deshalb besonders problematisch, weil das deutsche MTK nur eine von vielen internationalen Organisationen ist, die als Mother Teresa Children’s Foundation in diversen Ländern Geld sammelt. Außerdem wird der Spender ein weiteres Mal getäuscht, in dem einer von sechs Grundsätzen des MTK missachtet wird: „Hohe Transparenz unserer Programme und Projekte sowie Nachverfolgbarkeit der Spenden.“

CW-Meinung. Ein weiterer Fall von zweifelhafter Spendenakquise mit Unterstützung der Sozietät Schmitz Knoth. Auch die Postbank Köln, die das Spendenkonto des Vereins führt, schaut munter zu, wie Spenden gesammelt werden, obwohl der Verein nicht gemeinnützig ist. Der angebliche Segen des Papstes ist zwei Jahre vor Gründung des Vereins ausgesprochen worden. Vermutlich ein weiterer Trick, um Spendern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Auf einer Vergrößerung des Fotos der Posterübergabe an den Papst ist nämlich das Logo der Global Council of Indian Christians zu sehen. Dort ist Dr. Sajan George Kavinkalath ebenfalls als Präsident tätig.