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Für eine bessere Spendenkultur
1/25/2010 von Dr. Susanna Berndt
Archivtext

Ebersberger Förderverein Interplast e.V.

Effizient, transparent und voller Tatendrang

Leben am Mekong
Bild: Hajo Schneck

Gerade einmal zwei Wochen nach dem Beginn des neuen Jahres stand er in der Redaktion von CharityWatch.de: Prof. Dr. Hajo Schneck, Gründer und Vorstandsvorsitzender des eingetragenen Ebersberger Fördervereins Interplast (EFI). Beladen mit einer schweren Tasche voller Ordner und Belege gewährte der Anästhesist Einblick in die Abrechnungen eines ganzen Jahres. So zeitnah und vor allem transparent schaffte es bisher keine Hilfsorganisation. Und das Beste daran: So viel Freude bei der Durchsicht finanzieller Unterlagen hatte CharityWatch.de selten. Nur 2,4 Prozent kostete die Verwaltung plus 600 Euro Miete für die Lagerung von Materialspenden, während 64.900 Euro direkt hilfsbedürftigen Menschen zu Gute kamen.

Finanzzahlen.84.400 Euro nahm der Verein um den hilfsbereiten Professor 2009 ein, beinahe doppelt so viel wie in den vorangegangenen Jahren. 67.100 Euro wurden im selben Jahr ausgegeben. Der absolute Löwenanteil floss direkt in einen der insgesamt elf vollständig oder teilweise von EFI finanzierten medizinischen Einsätze. 1600 Euro oder knapp 2.4 Prozent benötigte Schneck für die Verwaltung und weitere 600 Euro für die Miete einer großen Garage zur Lagerung des medizinischen Materials – von der Klammer über den Schlauch bis hin zum portablen Kapnometriegerätes.

Historie. Als aktives Mitglied von interplast-germany setzt sich Prof. Dr. Hajo Schneck seit nunmehr zwanzig Jahren weltweit für die medizinische Versorgung der untersten Bevölkerungsschichten ein. Zahlreiche Einsätze hat er dabei geleitet und begleitet. Seit dem Jahr 2000 ist er nicht nur Anästhesie-Fachbeirat, sondern stellt zusätzlich seine eigenen Projekte auf die Beine, finanziert durch die Spendeneinnahmen des Ebersberger Fördervereines Interplast. Schneck gründete den eingetragenen und als gemeinnützig anerkannten Verein, um zusätzliche Spenden für interplast-germany zu generieren, seien es Gelder aus dem Bekanntenkreis oder Materialspenden. Mit den Geldern werden Teile der Einsatzkosten, etwa für Material oder Flüge finanziert, aber auch eigene Projekte durchgeführt. Seit 2007 widmet sich Schneck sozusagen hauptberuflich der medizinischen Versorgung Bedürftiger. Er hängte seinen Posten als Chefarzt der Anästhesie-Abteilung in der Kreisklinik Ebersberg an den Nagel und beschloss, sich an noch mehr Einsätzen zu beteiligen und mindestens ebenso viele eigene auf die Beine zu stellen. Zudem baute er zusammen mit Spezialisten aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens DoooX.de auf, eine internet-Plattform, die dem Erfahrungsaustausch von Ärzten aller Fachrichtungen dient, sozusagen ein Netzwerk für Mediziner. Ein nur für interplast-Mitglieder zugängliches Sub-Portal dient der Nutzung von Synergien, beispielsweise bei der Planung von Material, Geräten, Instrumenten, Medikamenten, aber auch zur Koordination vereinsinterner Dinge wie Einladungen, Ankündigungen, gemeinsame Ablaufplanungen.

Eigenprojekte. Ausschließlich oder weitestgehend mit EFI-Mitteln gefördert wurden im vergangenen Jahr zwei Projekte. Teamleiter war in beiden Fällen Vereinsgründer Schneck. Im April ging die Reise nach Haridwar in Indien. Dort führte ein achtköpfiges Team während eines zwei Wochen langen Aufenthaltes 90 Eingriffe durch. Im November ging es nach Lunsar in Sierra Leone. Dort zeichnet ein achtköpfiges Team für 70 Eingriffe während eines dreiwöchigen Aufenthaltes verantwortlich. Prof. Schneck freute sich, dass er für diesen Einsatz den angesehenen Chirurgen und Vorstandsvorsitzenden von interplast-germany André Borsche gewinnen konnte.

Weitere Einsätze. Mit Material oder Geldern aus EFI-Mitteln gefördert wurden 2009 insgesamt neun Einsätze. Im Februar brach ein siebenköpfiges Team für zwei Wochen nach Puma in Tanzania auf. EFI spendete die Flugtickets. Ungefähr 300 Operationen war die Bilanz in Sankhu/Nepal bei Kathmandu. Von Mai bis August, insgesamt zehn Wochen lang wechselten sich mehrere weibliche und männliche interplast-Anästhesisten, darunter Prof. Schneck, am Operationstisch ab. Chirurgen, Schwestern und Pfleger befanden sich bereits vor Ort. Im Juni/Juli flog Schneck mit einem Team um Dr. Tilkorn für zwei Wochen nach Coroata in Brasilien. Es war ein Einsatz der Sektion Münster von interplast-germany. EFI stellte Material und mit Schneck den Anästhesisten zur Verfügung. 150 Eingriffe konnten durchgeführt werden. Reisekosten und Material für eine Anästhesistin wurden im August bei einem Einsatz in Bangalore in Indien finanziert. Bei dem zweiwöchigen Einsatz der Sektion Bad Kreuznach von interplast-germany kam es zu 60 Operationen. EFI übernahm die Kosten für die Flugtickets und spendete Material. Während des Einsatzes der Sektion Rastatt/Baden von interplast-germany in Muheza/Tanzania kam es zu 60 Eingriffen. Ein Einsatz der Sektion Münster führte Schneck im September/Oktober für zwei Wochen nach Tosamaganga in Tanzania. 120 Patienten wurden operiert. Im Oktober finanzierte EFI einem deutschen Anästhesisten das Flugticket nach Bangkok. Ab dort wurde er von interplast-USA für einen zweiwöchigen Einsatz in Bhutan übernommen. Ebenfalls im Oktober flog ein Team der Sektion Bad Kreuznach von interplast-germany nach Ghodegaon in Indien. EFI spendete Material. In zwei Wochen wurden 90 Eingriffe vorgenommen. Zuletzt stellte EFI noch die Reisekosten von drei weiblichen und männlichen Anästhesisten für drei Einsätze mit insgesamt acht Wochen Aufenthaltsdauer in Guadalupe Ecuador zur Verfügung. 150 Operationen lautete die Bilanz. Zwar handelte es sich bei diesem Einsatz um kein Interplast-Projekt – die sonstigen Kosten werden von der Stiftung „Clinica de Nuestra Senora e Guadalupe e.V.“ getragen. Doch ist eine solche Förderung laut Satzung von EFI, in der „überwiegend“ interplast-Projekte steht, erlaubt. Zudem soll eben dort im April 2010 ein richtiger interplast-Einsatz folgen.

Sonstige Aufgaben. In den Monaten zwischen den Einsätzen schickte EFI, vorzugsweise sein Vorstandsvorsitzender Hajo Schneck die Anästhesie-Geräte quer durch die Welt, sprach bei Firmen wegen Materialspenden vor, packte eben diese in gut ausgerechneten Mengen ab und verschickte sie, darunter beispielsweise 16.000 Ampullen Opiate und Benzodiazepine, brachte Geräte zum „TÜV“, warb persönlich Geldspenden ein, schrieb Spendenquittungen und füllte damit Briefkästen, um nur einige der vielen weniger Ruhm bringenden Tätigkeiten, die zu dem Betrieb einer Hilfsorganisation gehören, aufzuzählen.

CW-Meinung. Es gehört viel dazu, lange vor dem Pensionsalter die Sicherheit und ehrenvolle Position des Chefarztes einer renommierten Klinik aufzugeben, um sich fortan der medizinischen Versorgung von Menschen aus den Elendsvierteln in Asien, Afrika oder Südamerika zu widmen. Auch ist es nicht jedermanns Sache, die vielen Vorzüge unserer im Überfluss lebenden Zivilisation gegen eine einfache Unterkunft einzutauschen, die jeden gemeinnützigen Mediziner an den Einsatzorten erwartet. Hajo Schneck hat damit kein Problem. Er freut sich über jeden Erfolg, den seine Hilfsorganisation verbuchen kann. Eben deshalb gibt es keinen EFI-Einsatz, den er nicht selbst als Gruppenleiter begleitet. Und eben deshalb vergeudet er keinen Cent für unnötige Ausgaben. Für die Zukunft wünscht er sich, dass noch wesentlich mehr bedürftige Menschen rund um den Globus ausreichend medizinisch versorgt werden. Dazu bedarf es jedoch vieler weiterer ehrenamtlich tätiger Ärzteteams, Materialspenden und finanzieller Unterstützung.

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