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Für eine bessere Spendenkultur
1/14/2010 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Erdbebenkatastrophe in Haiti

Eine Liste mit empfehlenswerten Haitihelfern

Schon vor dem Erdbeben war Haiti sehr arm
Bild: www.achim-pohl.de

Am 12. Januar erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7 den Inselstaat Haiti. In der Hauptsstadt stürzten reihenweise Häuser ein, darunter sogar das Regierungsgebäude, eines der wenigen solideren Bauten. Die Lehmhütten in den Slums sind dem Erdboden gleichgemacht. Von 100.000 Toten ist die Rede. Damit wäre es die schlimmste Naturkatastrophe seit dem Tsunami vor fünf Jahren. Entsprechend groß ist das Interesse, zu helfen. Doch welche Organisation leitet das Geld in Form von sinnvoller Unterstützung wirklich an die bedürftige Bevölkerung weiter? Gerade bei einem von Korruption durchsetzten Land gibt es zahlreiche Hindernisse, die vor allem vor Ort unerfahrenen Vereinen die Arbeit schwer machen. Deshalb ist es besonders wichtig darauf zu achten, ob die Hilfsorganisation schon vor der Katastrophe im Land tätig war. Denn ohne Strukturen und Kontakte vor Ort verpufft das meiste Geld.

Welthungerhilfe. 2,85 Millionen Euro hat die Welthungerhilfe im Jahr 2008 für zehn Projekte in Haiti ausgegeben. Seit 1974 ist sie schon auf der Insel aktiv. Dadurch verfügt sie bereits über eine Infrastruktur mit 120 Mitarbeitern und einem Büro vor Ort. Eine gute Basis, um Spenden sinnvoll verwenden zu können. Den Mitarbeitern geht es nach dem Erdbeben den Umständen entsprechend gut. Laut Stefanie Koop versucht die Welthungerhilfe derzeit Nahungsmittel, Wasser, Decken und Planen zu organisieren, um möglichst schnell die notwendigste Grundversorgung sicher zu stellen. Die Welthungerhilfe trägt das DZI-Spenden-Siegel und hat niedrige Verwaltungskosten (niedrig laut DZI: unter zehn Prozent).

Plan. Haiti ist einer der Länderschwerpunkte von Plan International Deutschland. Aktuell laufen für 7.400 Kinder Patenschaften. 2008 gab die weltweite Gesamtorganisation von Plan in Haiti 6,4 Millionen Euro aus und ist für 47.000 Patenschaften verantwortlich. Die Zahl der Mitarbeiter in Haiti beläuft sich inzwischen auf 143. Das Büro von Plan in Port-au-Prince wurde laut Marianne Raven stark beschädigt. Auch Mitarbeiter sind verletzt. Unterstützt wird das Team in Haiti zusätzlich von Kollegen aus der Dominikanischen Republik. Außerdem wird am 14. Januar noch ein Katastrophenteam mit Medikamenten und Hilfsgütern im Erdbebengebiet eintreffen. Plan Deutschland führt das DZI-Spenden-Siegel und hat angemessene Verwaltungskosten (angemessen laut DZI: zehn bis unter 20 Prozent).

Misereor. Das bischöfliche Hilfswerk ist aktuell bei 54 Projekten mit einem Gesamtvolumen von 7,2 Millionen Euro engagiert. Dazu zählen im ländlichen Raum Programme zur Ernährungssicherung und Landwirtschaft und in Gonaives ein kirchliches Krankenhaus, das nach ersten Informationen unbeschädigt blieb. In der Hauptstadt selbst werden zwei Straßenkinderprojekte und ein Ausbildungsprogramm für Jugendliche unterstützt. Anläßlich der aktuellen Katastrophe stellte das katholische Hilfswerk bereits 300.000 Euro für Sofortmaßnahmen zur Verfügung. Misereor trägt das DZI-Spenden-Siegel und hat niedrige Verwaltungskosten (niedrig laut DZI: unter zehn Prozent).

HDZ. Gemeinsam mit den Salesianern Don Bosco führte das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete (HDZ) schon früher Projekte in Haiti durch. Aktuell stellte der Vorstand Dr. Klaus Winter 50.000 Euro Soforthilfe für Medikamente, Wasser, Nahrung und Decken zur Verfügung. Auch Satellitentelefone wird ein in Kürze von der Dominikanischen Republik aus startender Hubschrauber ins Erdbebengebiet bringen, um die Koordination der Hilfsmaßnahmen zu verbessern. Dies ist dringend notwendig, weil drei Don Bosco-Einrichtungen in Port-au-Prince fast völlig zerstört und 200 Kinder unter Trümmern verschüttet sind. Genaueres zum HDZ, der Verwaltungskosten von unter zehn Prozent aufweist, sind in dem Beitrag von CharityWatch.de vom 30. Juli 2009 nachlesbar.

Eine Welt. Schon seit vielen Jahren ist der eher kleine Verein Arbeitskreis Eine Welt St. Georg Köln-Weiß e.V auf Haiti tätig. Mit rund 50.000 Euro Jahresbudget unterstützt er zwei Projekte auf der Insel. Ein vom Erdbeben betroffenes Straßenkinderheim befindet sich direkt in der Hauptstadt Port-au-Prince. Genaueres über die Lage vor Ort konnte Genevieve Reuffurth vom Vorstand des Vereins aufgrund der fehlenden telefonischen Erreichbarkeit nicht sagen. In Deutschland arbeitet der Verein ausschließlich mit ehrenamtlichen Mitarbeitern. Der Verein trägt das DZI-Spenden-Siegel und hat niedrige Verwaltungskosten (niedrig laut DZI: unter zehn Prozent).

LESPWA. Mit 45.000 Euro Jahresbudget ebenfalls eher klein ist LESPWA – Hoffnung für Kinder in Haiti e.V., deren Arbeit sich ausschließlich auf Port-au-Prince konzentriert. Seit Jahren fährt eine pensionierte Ärztin mit einer mobilen Praxis durch die Stadt, um kostenlos medizinische Hilfe für Straßenkinder anzubieten. In einem sehr kurzen Telefonat konnte sie bestätigen, dass sie das Beben gut überstanden hat. Darüber hinaus fördert der Verein eine Schule in den Slums der Hauptstadt. LESPWA trägt das DZI-Spenden-Siegel und hat niedrige Verwaltungskosten (niedrig laut DZI: unter zehn Prozent). Laut Birgit Bubenzer fließt bis auf die Gebühr für das Siegel und unbedeutende andere Kosten fast das gesamte Geld nach Haiti.

HaitiCare. Die früher als Patenkind unterstützte und zwischenzeitlich adoptierte Natascha Marseille-Kaasch leitet die Projekte von HaitiCare e.V. vor Ort. Dabei handelt es sich um ein Waisenhaus, eine Kindergrippe, einen Kindergarten, eine Montessorischule und eine Computer- sowie Nähschule. Der Vorstandsvorsitzende Michael Kaasch und seine Frau haben wenige Stunden nach dem Erdbeben die gute Nachricht erhalten, dass es Natascha gut geht. Über den Zustand der Einrichtungen können sie derzeit noch nichts sagen. Hinsichtlich der Verwendung von Spendengeldern wurde spontan und sehr transparent Auskunft erteilt. Von 215.000 Euro in 2009 wurde bis auf Kontoführungsgebühren und sonstige kleinere Kostenpositionen das gesamte Geld nach Haiti überwiesen.

Haiti-Not-Hilfe. Der kleinste in dieser Liste aufgeführte Verein ist Haiti-Not-Hilfe e.V.. Er überweist jährlich 30.000 Euro auf die Insel, um mit dem Geld zwei Kinderheime zu unterstützen, wovon eines im Erdbebengebiet liegt. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Diehl konnte über den Zustand des Heimes noch keine Auskünfte geben. Falls keine größeren Schäden entstanden sein sollten, würde er aktuell Spenden für den Bau eines weiteren bereits geplanten Kinderheimes verwenden. Verwaltungskosten fallen bis auf Kleinstbeträge für Porto und anderes so gut wie nicht an.

CW-Meinung. Das ärmste Land der westlichen Hemisphäre wurde schon 2004 und 2005 von schweren tropischen Wirbelstürmen heimgesucht. Große Schäden und tausende Todesopfer waren die Folge. Hinzu kommt die instabile politische Lage. Korruption, Straffreiheit, Wahlbetrug, Drogenhandel und Gewalt stehen auf der Tagesordnung. Von den geschätzten neun Millionen Einwohnern leben über 65 Prozent unter der absoluten Armutsgrenze. Die Hälfte der Bevölkerung ist unterernährt. Kein Wunder also, dass schon vor dem Erdbeben verschiedene Vereine auf Haiti tätig waren. Gerade bei Spenden aufgrund von Naturkatastrophen ist es wichtig, dass die Hilfsorganisation bereits über entsprechende Strukturen im Land verfügt und die Gegebenheiten vor Ort kennt. Wer sich nur während des anfänglichen „Pressehypes“ mit ein paar Pressereferenten und Alibihelfern im hilfsbedürftigen Land wichtig macht, sollte nicht mit Spenden bedacht werden. So hatte etwa die Tsunami-Katastrophe vor fünf Jahren viele unsinnige Hilfsmaßnahmen zur Folge. Für drei Schulen nebeneinander oder mehr Fischerboote als es Fischer gibt, würde wohl niemand Geld geben, der den Bedarf vor Ort wirklich kennt. Die Liste der hier genannten Organisationen enthält nur Positivbeispiele, die zum einen in Deutschland kostengünstige Strukturen unterhalten und zum anderen in Haiti auch nach dem Abzug der internationalen Reporterschar aktiv sein werden.

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