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Für eine bessere Spendenkultur
12/9/2009 von Stefan Loipfinger
Archivtext

IFAW Internationaler Tierschutz-Fonds gGmbH

Irreführung der Spender

Schutz von Elefanten ist eines der IFAW-Themen
Foto: Dr. Susanna Berndt

2007 sammelte der IFAW weltweit 111 Millionen US-Dollar ein. Die deutsche Sektion brachte es im Geschäftsjahr 2007/2008 auf 11,6 Millionen Euro. Laut internationalem Bericht entstanden bei der Spendenbeschaffung in Deutschland Kosten von gerade einmal 6,5 Prozent. Im Vergleich zu den anderen Niederlassungen, wie etwa in Großbritannien, Kanada oder USA, der mit Abstand günstigste Wert. Vermeintlich. Denn eine genaue Betrachtung der Zahlen zeigt die Irreführung. Von den deutschen Spenden fließen keine 93,5 Prozent in Projekte, sondern vielleicht ein mageres Drittel! Genau lässt sich das mit den gelieferten Unterlagen nicht ermitteln. Um eine Falschinformation der Spender handelt es sich jedoch allemal.

Struktur. Der Internationale Tierschutz-Fonds ist seit 40 Jahren aktiv und unterhält Niederlassungen in 13 Ländern. Über eine Millionen Menschen unterstützen die Arbeit pro Jahr. Die deutsche Organisation wird als gemeinnützige GmbH mit einem Stammkapital von 25.800 Euro geführt. Die Gesellschaftsanteile wurden in den letzten Jahren mehrfach umgeschichtet. Von verschiedenen Einzelpersonen auf die niederländische IFAW und nun fünf weitere IFAW-Organisationen in den Niederlanden, USA, Kanada, Australien, Südafrika und Großbritannien. Als Geschäftsführer in Deutschland fungieren Azzedine Downes und Melanie Powers.

Fundraising. Ein Spendenaufruf mit unglaublichen 116 Gramm Gewicht durch zehn beigelegte Postkarten mit Umschlägen war nur eine der schon fast verschwenderischen Briefaktionen. Immerhin 3,3 Millionen Direktmailing-Aufrufe wurden 2008 durchgeführt. Im Vorjahr waren es 3,8 Millionen Postsendungen. Die Einsparung belief sich auf 1,1 Millionen Euro. Über fünf Millionen Euro kosteten die Aufrufe im vergangen Jahr trotzdem. Gemessen an den Spendeneinnahmen waren das 43,4 Prozent (Vorjahr: 51,9 Prozent)! Deutlich zeigt sich allein daraus die irreführende Aussage aus dem Jahresbericht mit 6,5 beziehungsweise für das Vorjahr 4,8 Prozent Aufwand für Spendenbeschaffung.

Verwaltungskosten. Klare Aussagen, wie viel Geld der Spender nun tatsächlich in Projekte fließt, sind mit der verwirrenden Kostenabgrenzung des IFAW nicht möglich. Auf Nachfrage erklärte der Geschäftsführer Azzedine Downes, dass sie eine Aufstellung der Kosten nach DZI-Schema nicht vornehmen, weil sie nicht zum Kundenkreis des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen zählen. Allerdings wäre es im Sinne einer transparenten Spenderinformation für den IFAW angebracht, eine aussagekräftige Abgrenzung zwischen Verwaltung, Spendenakquise und Projekten vorzunehmen. Auch die für Rheinland-Pfalz zuständige ADD Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier kritisierte die Qualität der Finanzberichterstattung. Speziell ging es um Inhalt und Kosten der Direktmailings. Konkret dazu befragt schrieb Dowes ausweichend, dass zukünftig „eine spezifischere Zuordnung und Abgrenzung spezieller Einzelkosten“ vorgenommen werden soll. Statt auf den Nutzen für den Spender einzugehen, betonte er in dem auch bei anderen Punkten ausweichendem Antwortschreiben die damit verbundenen zusätzlichen Kosten. Eine Absicht, die Spender ehrlich zu informieren, ist nicht erkennbar.

Projektquote. Werden die „Spenden an Dritte“, „Gesellschaftsumlagen und Projektkosten“ sowie die „Zuschüsse an verbundene Unternehmen“ aufsummiert und in Relation zu den Gesamtausgaben gesetzt, ergeben sich näherungsweise magere 33,6 Prozent für das Geschäftsjahr 2007/2008 beziehungsweise 30,9 Prozent für das Vorjahr. Allerdings sind in den Gesellschaftsumlagen nicht näher bezifferte Kosten für Spendenwerbung, Rechnungslegung und Verwaltung enthalten, die nicht zu den Projektausgaben zählen. Umgekehrt sind in dieser Rechnung allerdings andere Kosten nicht eingerechnet, die vielleicht zum Teil dem Projektaufwand zuzuordnen wären. Die geringe Projektquote von einem Drittel der Ausgaben ist deshalb nur als Näherungswert zu sehen, der aber bei Berechnung mit genauen Zahlen keinesfalls auf ein akzeptables Niveau kommen würde.

CW-Meinung. Der International Fund for Animal Welfare (IFAW) zählt mit über 100 Millionen US-Dollar Jahreseinnahmen zu den ganz großen Tierschutzorganisationen. Trotzdem schreckt er nicht davor zurück, im internationalen Jahresbericht zumindest für die hier untersuchte deutsche Sektion falsche Zahlen über die Mittelverwendung zu veröffentlichen. Die Beantwortung der CharityWatch.de-Anfrage vom 19. Oktober wurde lange hinaus gezögert und erfolgte am 2. Dezember zum Teil sehr ausweichend. Beispielsweise wurde nicht erklärt, wer die Millionen für die Direktmailings kassiert. Auch die Frage nach den angeblichen Projektausgaben von 93,5 Prozent wurde nicht beantwortet, obwohl es sich hierbei um eine massive Irreführung der Spender handelt.

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