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Für eine bessere Spendenkultur
3/17/2011 von Karin Burger
Archivtext

Hundepfoten in Not. e.V.

Wo sind die Hunde aus Italien?

Homepage des Vereins
Hundepfoten in Not e.V.

Immer lauter wird die Kritik der Tierfreunde und Tierschützer im Ausland gegen das dortige Treiben deutscher Tierschutzorganisationen. Die Zahl der Ermittlungsverfahren und Anzeigen gegen deutsche Tierschützer steigt. Teilweise greifen die Behörden in ihrer Not schon zu regionalen Regelungen, um den ungebremsten Export der Hunde zu verhindern. Ganz besonderes Augenmerk gilt derzeit dem massenhaften Abtransport von Hunden aus dem italienischen Tierheim Rieti. Eine zweifelhafte Rolle spielt dabei der Verein Hundepfoten in Not e.V.

Schwere Vorwürfe. Die Atmosphäre in Italien zwischen den dortigen Tierfreunden und deutschen Tierschützern ist mehr als angespannt. Es gibt heftige Auseinandersetzungen mit massiver Kritik durch die italienischen Tierfreunde. Sie werfen den Deutschen vor, massenhaft und vor allen Dingen illegal Hunde aus Italien nach Deutschland zu bringen, die in dieser Menge gar nicht mehr vermittelbar wären. Überdies befänden sich auch häufig Hunde darunter, die aufgrund ihrer schlimmen Geschichte nicht für die Vermittlung in normale Familien geeignet seien. Ein weiterer Vorwurf zielt darauf, dass die Transporte sogar schwer kranke Hunde umfassen. Überdies würden die deutschen Tierschutzorganisationen Handel betreiben. Immer wieder wird der Verdacht geäußert, Hunde aus Italien landeten in Tierversuchslabors. Zeitgleich konzentrieren die italienischen Behörden ihre Aufmerksamkeit auf die Umtriebe deutsche Tierschützer im Land. Neben den Kontrollen durch Veterinärbehörden finden jetzt auch polizeiliche und staatsanwaltliche Ermittlungen statt. Letzte Woche sorgte der Strafantrag italienischer Tierärzte gegen eine große deutsche Tierschutzorganisation für Furore.

Alma Galli. Besondere Prominenz wie auch besonders herbe Kritik wird in diesen Diskussionen der italienischen Tierfreundin Alma Galli zuteil, die dem Thema des massenhaften Exports von italienischen Hunden nach Deutschland einen von ihr betriebenen Blog im Internet widmet. Insbesondere spitzt sich die Auseinandersetzung zwischen der Italienerin und dem deutschen Verein Hundepfoten in Not zu.

Einladung. Der Verein Hundepfoten in Not hatte in einer ausführlichen Gegendarstellung zu den Vorwürfen der Italiener Alma Galli nach Deutschland eingeladen. Unter der Überschrift „Hunde und Adoptionen“ heißt es dort: „[...], auch Fr. Galli ist – wie alle anderen vor ihr – eingeladen, die Hunde in Deutschland zu besuchen und sich hier, vor Ort, gründlich zu informieren.“ Mehr noch, wird das Nichteingehen auf diese Einladung in einer früheren Textpassage als Misstrauensvotum gewertet: „Unser Verein hat schon vielen Personen, die solche Hetzkampagnen betreiben, angeboten nach Deutschland zu kommen und dort Hunde zu besuchen, die in einer Pflegestelle sind, oder aber schon in ihrem endgültigen Zuhause. Hunde, die diese Personen nach Belieben hätten aussuchen können.“

Hundeliste. Alma Galli hatte sich daraufhin an CharityWatch.de mit der Bitte gewandt, diese Besuche für sie zu übernehmen, da es ihr aus persönlichen Gründen nicht ohne Weiteres möglich ist, nach Deutschland zu reisen. Da diese Besuche eine hervorragende Möglichkeit sind, im Raum stehende Vorwürfe rund um das Thema Auslandstierschutz auszuräumen, hatte CharityWatch.de gern zugesagt. Daraufhin hatte Alma Galli eine Liste mit aktuell 34 verschiedenen Hunden zusammengestellt, die in den letzten Jahren durch Hundepfoten in Not aus Italien, vorwiegend aus dem Tierheim Rieti, nach Deutschland gebracht worden sein sollen. Die Liste weist Geschlecht, Rasse, Farbe und Name (in einigen Fällen vorheriger und neuer Name des Hundes) aus. Über die italienischen Behörden sollten bis zum Besuchstermin noch die Microchipnummern nachgeliefert werden, damit eine einwandfreie Identifizierung der Hunde möglich ist.

Korrespondenz. Nachdem die Beauftragung durch Alma Galli auch schriftlich bestätigt war, wandte sich CharityWatch.de in einem den Auftrag und das Anliegen freundlich erklärendem Schreiben an die erste Vorsitzende von Hundepfoten in Not, Dr. Gabriele Kunowski. Darin wurde explizit auf das eventuell auftauchende Datenschutzproblem Bezug genommen: „Datenschutzrechtlich dürfte der Besuch bei den neuen Besitzern ja auch kein Problem sein, da das schriftliche Einverständnis zu sogenannten Nachkontrollen ja ohnehin Bestandteil aller professionellen Tierabgabeverträge ist. Und selbstverständlich können wir diese Besuche in Begleitung Bevollmächtigter Ihres Vereins Hundepfoten in Not e.V. durchführen, um hier den rechtlichen Rahmen nicht zu verletzen.“

Unfreundliche Antwort. Das Antwortschreiben der ersten Vorsitzenden von Hundepfoten in Not wenige Tage später korrespondiert in keiner Weise auf den verbindlichen Ton des Initiativschreibens. Darin ist von „Handlangern“ einer Frau Alma Galli die Rede, von „Lügen, Verleumdungen und Hetzkampagnen“. CharityWatch.de sei „lediglich ein Internetportal“, dem der Verein „ganz sicher keine Auskünfte oder gar Daten geben“ wird. Hundepfoten in Not bekennt ausdrücklich, sich dem Transparenzgebot gemeinnütziger Vereine zu verschließen. Der italienischen Tierschützerin wird vorgehalten: „Wer aber ist Frau Alma Galli, dass sie denkt, irgendwelchen Personen oder gar irgendwelchen Internetportalen den Auftrag erteilen zu können, wie Sie ihn nun mitteilen?“ Der Verein Hundepfoten in Not wiederholt in dem genannten Antwortschreiben dann die Einladung an Alma Galli, obwohl im Initiativschreiben schon erwähnt worden war, dass der Italienerin ein solcher Besuch in Deutschland nicht möglich ist.

Vorwand Datenschutz. Alle Versuche von Kritikern des Auslandstierschutzes sind bisher immer am Argument Datenschutz gescheitert. Dass dieses Argument von den deutschen Tierschützern jedoch nur vorgeschoben wird, liegt auf der Hand. Zum einen bestünde natürlich die Möglichkeit, sich von den aktuellen Besitzern der Hunde unter Erklärung der Situation das schriftliche Einverständnis zur Weitergabe der Adressdaten geben zu lassen. Diese würden im Gegenzug eine entsprechende Datenschutzerklärung erhalten. Zum Zweiten stehen abgestufte Lösungsmöglichkeiten zur Verfügung. So könnte man zunächst nur den Wohnort als Treffpunkt mit Bevollmächtigten des Vereins angeben, um von dort aus dann gemeinsam und ohne vorherige Preisgabe der Adresse zu einer ganz normalen Nachkontrolle zu starten. Zum Dritten bliebe das Datenschutzproblem exakt dasselbe, ob nun Alma Galli die Besuche durchführt oder von ihr beauftragte Journalisten.

Rechtsanspruch. Die italienischen Tierschützer überrascht diese abweisende Reaktion nicht. Die Strategie dahinter scheint ihnen offensichtlich, um italienisches Recht zu umgehen. Alma Galli schreibt in ihrer Stellungnahme auf die Absage durch Hundepfoten in Not: „Ich bin Italienerin und habe somit alle Rechte, welche die italienische Republik ihren Bürgern garantiert. Und dabei sind die Fragen, welche ich zu dem Verbleib der Hunde stelle, rechtmäßig.“ Galli weist ausdrücklich darauf hin, dass „jeder italienische Staatsangehörige das Recht hat zu erfahren, was mit den Rieti-Hunden geschehen ist.“ Auch die italienische Polizei ist inzwischen an diesem Vorgang interessiert und hat von Alma Galli eine Kopie des Antwortschreibens vom Verein Hundepfoten in Not für ihre Ermittlungen erbeten.

Hundesuche. Die dem Verein Hundepfoten in Not zugesandte Liste ist hier als pdf-Dokument verfügbar. Die italienischen Tierschützer hoffen, auf diesem Weg etwas über den Verbleib dieser Hunde zu erfahren.

CW-Meinung. Die italienischen Tierfreunde und Tierschützer hatten keine andere Reaktion erwartet. Die Möglichkeit, eine Anzahl definierter italienische Hunde in Deutschland zu besuchen, wäre die Gelegenheit gewesen, die nachhaltig und jetzt umso drängender im Raum stehenden Vorwürfe gegen die deutschen Tierschützer und ihren Umgang mit den Hunden auszuräumen. Das Argument mit dem Datenschutz ist ganz offensichtlich vorgeschoben. Denn worin besteht – zumal in datenschutzrechtlicher Hinsicht - der Unterschied, ob eine von Kunowski ausdrücklich als Privatperson deklarierte italienische Tierfreundin oder von dieser beauftragte Journalisten die Besuche durchführen?
Im Übrigen dokumentiert das Schreiben der ersten Vorsitzenden von Hundepfoten in Not, dass sich dieser dem für eingetragene Vereine völlig normalem Transparenzgebot vollständig verschließt. Daten und Auskünfte, so heißt es, werden CharityWatch.de nicht erteilt. Auch die erbetenen Kopien der TRACES-Meldungen, welche den Vorwurf des illegalen Exports der Hunde widerlegen würden, legt der Verein nicht vor. Von Spenden kann deshalb nur abgeraten werden.

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