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Für eine bessere Spendenkultur
11/20/2010 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Allgemeiner Tierhilfsdienst e.V.

Bettelbriefe an Yves Rocher-Kunden

Verschiedene Bettelbriefe 2010
Bild: Stefan Loipfinger

Mittlerweile häufen sich die Beschwerden über Bettelbriefe vom Allgemeinen Tierhilfsdienst. Markige Aussagen sollen zum Spenden anregen: „Misshandelt und gequält! Ausgestoßene Tiere brauchen uns jetzt!“ Kürzlich angeschrieben wurden auch Kunden der auf „Pflanzen-Kosmetik“ spezialisierten Yves Rocher. Laut der Fundraisingagentur Marketwing aus Garbsen hat der Kosmetikkonzern Adressdaten zur Gewinnung neuer Spender zur Verfügung gestellt. Was mit den Spenden passiert und wie viel die Fundraisingaktionen kosten, werden die Unterstützer aber wohl nie erfahren. Nach Rücksprache mit einem Rechtsanwalt und Steuerberater hat die Vorstandsvorsitzende Ursula Lohse mitgeteilt, dass sie keinen Jahresbericht mit Finanzzahlen veröffentlicht. Dabei wäre das angesichts der Nähe zur unseriösen Tierschutzliga besonders angebracht.

Mailings. Den CharityWatch.de vorliegenden Bettelbriefen sind kleine Geschenke wie ein „hochwertiges Grußkarten-Set“ und eine Anstecknadel beigefügt. In drängenden Worten wird zu Spenden aufgerufen. Mit Hinweisen auf eine sofort notwendige Operation, für die der Verein das Geld angeblich nicht alleine aufbringen kann, wird beispielsweise eine entsprechende Dringlichkeit vermittelt. Um sich näher über den Verein zu informieren, wird in den Bettelbriefen die Homepage der Tierschutzliga angegeben. Als E-Mail-Adresse wird horb(at)tierschutzliga.org genannt.

Tierschutzliga. Vor der Tierschutzliga in Deutschland warnt CharityWatch.de schon seit über zwei Jahren. In Rheinland-Pfalz liegen von der ADD Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion ausgesprochene Sammlungsverbote vor. Auch der zum Verbund gehörenden Mobilen Tierrettung ist das sammeln in Rheinland-Pfalz verboten, wie das zuständige Oberverwaltungsgericht bestätigte. Darüber hinaus dürfen Tiere in Not e.V. und Abandonner Tierschutzverein e.V. nicht mehr in Rheinland-Pfalz sammeln. Beide gehören ebenfalls dem zweifelhaften Tierschutzkonglomerat an.

Adressenhandel. Häufig sehr zweifelhaft sind die Erfolge von Spendenmailings mit fremden Adressen. Es kommt vor, dass die Spendeneinnahmen geringer sind als die Kosten für die Bettelbriefe selbst. Wie viel von einer Spende im Falle der Kunden von Yves Rocher wirklich bei den Tieren ankommt, bleibt wohl ein gut gehütetes Geheimnis. Denn der Allgemeine Tierhilfsdienst ist nicht bereit, über die Verwendung seiner Einnahmen aufzuklären. Sabine Fesenmayr von der Pressestelle von Yves Rocher verwies auf die Einhaltung des Bundesdatenschutzgesetzes und antwortet auf konkrete Fragen nur sehr nichtssagend: „Es ist üblich, im Direktmarketing mit entgeltlicher Adressvermietung zum Zwecke der Werbung zu arbeiten.“ Das klingt allerdings ganz anders als die Formulierungen auf der Homepage: „Die für die Geschäftsabwicklung nötigen Daten werden unter Einhaltung der geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen gespeichert und im Rahmen der Bestellabwicklung ggf. an verbundene Unternehmen weitergegeben.“ An anderer Stelle steht: „Wir bei Yves Rocher haben uns verpflichtet, den Schutz Ihrer Kundendaten zu garantieren.“ Wie das Beispiel Allgemeiner Tierhilfsdienst zeigt, darf das ein Kunde nicht zu wörtlich nehmen.

CW-Meinung. Wer sich auf der Homepage, die in den Bettelbriefen angegeben ist, über die Verwendung der Gelder informieren will, bekommt einen symbolischen Baum gezeigt. Den Stamm und damit die symbolische Geldzufuhr bilden sechs Vereine. Neben dem Allgemeinen Tierhilfsdienst sind das die vier mit Sammlungsverbot belegten Organisationen und die Aktionsgemeinschaft Katzenhilfe. Die Baumkrone bilden nichtssagende Beschreibungen über die Geldverwendung. Bezeichnender Weise fehlt dabei die Verwaltung und vor allem die Werbeausgaben. Teure Fundraisingagenturen verschlingen nicht selten sehr erhebliche Teile der Einnahmen. Das Schaubild verschweigt sogar völlig, dass dafür Geld ausgegeben wird. Das kann nur als unseriös bezeichnet werden. Weshalb Yves Rocher als Unternehmen mit Ökotouch ihre Kundenadressen an einen solchen Verein weiter gibt, ist absolut unverständlich.

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