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Für eine bessere Spendenkultur
7/30/2009 von Dr. Susanna Berndt
Archivtext

Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra und Notgebiete (HDZ)

Packt das Übel bei der Wurzel

Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra und Notgebiete (HDZ)

Vorbildliche 91 Prozent der Einnahmen der Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra und Notgebiete (HDZ) flossen im vergangenen Jahr in Projekte, etwa in die Errichtung eines Kinderheimes in Moldawien, einer Grundschule in Brasilien oder eines Kinder- und Jugendzentrums in Rumänien. Es gab Soforthilfen für Birma und Haiti, aber auch Zahnstationen, Ausbildungszentren, eine Produktionswerkstatt sowie zahlreiche andere praktische Maßnahmen in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern dieser Erde. Treibende Kraft ist der Vorsitzende Dr. Klaus Winter. Ein Zahnarzt, zu dem wir gerne hochsehen.

Finanzzahlen. 2008 betrugen die Einnahmen 1,15 Millionen Euro. Die Ausgaben beliefen sich auf 1,16 Millionen Euro. Davon flossen 91 Prozent in Projekte gemäß dem Stiftungszweck. 28.700 Euro oder knapp 2,5 Prozent wurden für Löhne und Gehälter verwendet. Weitere 3,1 Prozent betrugen die Werbekosen und nachvollziehbare 1,5 Prozent die Kosten für Porto. Alle übrigen Ausgaben einschließlich der Reisekosten von wenig mehr als 2.100 Euro schlugen mit nicht einmal zwei Prozent zu Buche.

Historie. 1981 reiste der Zahnarzt Dr. Carl Heinz Bartels nach Thailand und bekam etwas zu sehen, das er noch nie zuvor gesehen hatte: eine Leprainsel. Ko Klan liegt im River Ping Nahe Chiang Mai. Damals lebten dort über 1.000 Leprakranke, betreut von einem amerikanischen Missionar. Es mangelte an allem und eine zahnärztliche Versorgung war für die von der Gesellschaft ausgestoßenen Menschen nicht einmal vorstellbar. Wieder zurück in Deutschland beschloss Dr. Bartels sein Bestes zu tun, um den Leprakranken zu helfen. Die erste komplette Zahnstation der Insel war ein Ausstellungsstück, das ein Freund dem neu gegründeten Hilfswerk nach langem Bitten zur Verfügung stellte. 1987 wurde das Hilfswerk in eine Stiftung umgewandelt.

Stiftungszweck. Das HDZ fördert Projekte, die zu einer Verbesserung der zahnmedizinischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Lebensbedingungen in Entwicklungsländern führen. Die Stiftung übernimmt dabei die Mittlerfunktion zwischen Spendern und staatlichen sowie privaten Organisationen. Zu den satzungsgemäßen Aufgaben zählen Errichtung, Betreibung und Unterstützung von zahnklinischen einschließlich zahntechnischen Einrichtungen, ärztlichen und zahnärztlichen Ambulatorien, Krankenhäusern, Rehabilitationsdörfern für ehemalige Leprakranke, vornehmlich für Kinder, Schulen sowie Ausbildungsstätten für Lepra-. Flüchtlings- und Waisenkinder. Hinzu kommen die Vermittlung von „Paten“, Betreuung von Lepra-, Flüchtlings- und Waisenkindern, Ausbildung von ärztlichen Helfern sowie deren Ausstattung mit vornehmlich zahnärztlichen Instrumenten und Medikamenten. Leprakranke und besonders Bedürftige werden mit Sachspenden, in Ausnahmefällen die verantwortlichen Institutionen auch mit Geldmitteln unterstützt.

Altgold. Über 90 Prozent des Spendenaufkommens stammt aus Altgolderlösen. Dr. Winter berichtet über die damit verbundenen Schwierigkeiten und Kosten: „Um kein steuerpflichtiges Gewerbe anmelden zu müssen, darf das Altgold nicht einfach nur abgegeben werden. Der Spender muss es in eine Tüte packen und zusammen mit einem Formular an uns schicken, das besagt, bei dem Erlös des Altgoldes handelt es sich um eine Spende. Dies erfordert die Ausgabe der Tüten samt Formular an zahlreiche Praxen und oft genug werden die Briefe mit dem Vermerk verschickt: Porto bezahlt Empfänger.“ Dr. Winter und seine Frau packen jedes Jahr bis zu 25.000 Tüten händisch aus. Jedes Formular wird geprüft, etwa ob eine Spendenquittung erwünscht ist. Solche Aktionen kosten viel Zeit, aber auch Geld für Briefumschläge, Formulare, Porto. Deshalb die relativ gesehen hohen Werbekosten. Doch die Zeiten ändern sich. Durch neue Versorgungsformen wie Keramik, aber auch sinkende Einkommen nimmt der Goldverbrauch beim Zahnersatz stetig ab. Die „goldenen“ Zeiten schwinden dahin. Für die Zukunft wünscht sich Dr. Winter deswegen eine kontinuierliche Erhöhung des Stiftungskapitals, um aus der Rendite weiterhin weltweite, nachhaltige Hilfsmaßnahmen zu erbringen.

Sachspenden. In Göttingen wurde eine leerstehende Poststation gekauft, um Sachspenden entgegenzunehmen, etwa Geräte aus aufgelassenen Praxen, Instrumente und Materialien. Damit können in Entwicklungsländern Zahnstationen gegründet werden. Wichtigste Voraussetzung sind Raum, Wasser, Luft und Personal. Jahrelang halfen Speditionen, Reedereien und Fluggesellschaften die Kosten für den Transport im Rahmen zu halten. Heute ist das leider nicht mehr so und die sperrigen zahnmedizinischen Geräte werden meist vor Ort eingekauft. Sie sind dort nicht nur preiswerter, sondern haben auch Garantie und Wartungsverträge. Die Sachspenden im Lager werden zur Vervollständigung verwendet.

CW-Meinung. Die Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra und Notgebiete (HDZ) packt Missstände bei der Wurzel. Dabei legt sie großen Wert auf Transparenz und Wirtschaftlichkeit. Der Jahresabschluss kann sich auch sehen lassen: Wer hundert Euro spendet, darf sicher sein, dass den Bedürftigen dieser Welt 91 Euro direkt zukommen werden. Auch die übrigen neun Euro werden nicht verschwendet. Sie dienen nachvollziehbar dazu, die Stiftung aktionsfähig zu halten.

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