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Für eine bessere Spendenkultur
2/3/2010 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Die kleine Pyramide e.V.

Armut im Tal der Könige

Kinderspielplatz im Hinterhof
Bild: Stefan Loipfinger

Luxor kennen viele, schon alleine wegen der traumhaften Bauwerke aus der Zeit der Pharaonen. Wer in der „Stadt der Paläste“ (Übersetzung von Luxor) jedoch die Westseite des Nils besucht, wird dort schnell von der Gegenwart eingeholt. Die vorherrschende Armut ist erdrückend. Deshalb hat der 1998 in Trier gegründete Verein „Die kleine Pyramide“ viel zu tun. Er setzt sich für Kinder in Not ein. CharityWatch.de recherchierte vor Ort und kommt zusammen mit den geprüften Finanzzahlen zu einem guten Ergebnis.

Struktur. Der 1998 gegründete Verein kümmert sich um die Unterstützung von kranken, behinderten, verwaisten und Not leidenden Kindern in Ägypten. Erreicht werden soll dies unter anderem durch Patenschaften, die den Lebensunterhalt der Familien, den Schulbesuch der Kinder sowie deren medizinische Versorgung sicherstellen. Alle Vorstände arbeiten ehrenamtlich und erhalten keine Aufwandsentschädigungen. Lediglich die ehrenamtlich über Monate in Luxor arbeitende Ingrid Wecker bekommt zwei Eco-Flüge Deutschland-Ägypten pro Jahr bezahlt. Die Arbeit vor Ort wird seit 2005 durch die Tochterorganisation „The small pyramid organization Luxor“ umgesetzt, bei der auch einheimische Mitarbeiter beschäftigt sind. Anfang 2007 wurde ein lange geplantes Therapie- und Ausbildungszentrum auf der Westbank von Luxor eröffnet.

Finanzen. 2008 verbuchte der Verein Einnahmen in Höhe von 67.700 Euro. Fast zwei Drittel davon kamen aus Patenschaften. Die Ausgaben lagen mit 76.500 Euro über den Einnahmen. Zum Teil lag dies an einmaligen Sonderaufwendungen für Hard- und Software sowie angeschafften Artikeln für Fundraisingaktivitäten. Zusammen mit den laufenden Verwaltungskosten von 5.000 Euro beliefen sich die Administrationskosten in diesem Jahr auf überdurchschnittliche 12.300 Euro oder 16,1 Prozent der Gesamtausgaben. Allerdings wurde ein Großteil der Sonderausgaben durch die Einzelspende einer Verwandten von Ingrid Wecker in Höhe von 5.000 Euro gedeckt. Typischerweise liegen die Verwaltungs- und Werbekosten des Vereins bei unter zehn Prozent. In Ägypten fallen keine nennenswerten Administrationskosten an.

Vor Ort. Ende des Sommers 2009 besuchte Stefan Loipfinger die Räumlichkeiten der Tochterorganisation unangekündigt vor Ort. Die besichtigten Zimmer waren sauber und zweckdienlich. Eine Mitarbeiterin führte gerade einen Englischunterricht für Frauen und Kinder durch. Die Schülerinnen wirkten motiviert und wissbegierig. Erfreulicherweise war Ingrid Wecker persönlich anwesend. Zusammen mit dem ägyptischen Leiter der Einrichtung erklärte sie die vielfältigen Aktivitäten. Auf Fragen wurde klar und offen geantwortet. Die Buchhaltung vor Ort machte einen geordneten und professionell geführten Eindruck.

CW-Meinung. Absolute Transparenz war das Versprechen von Ingrid Wecker. Mit Übersendung eines ausführlichen Jahresberichts und einer Offenlegung sogar von Buchungsbelegen erfüllte sie es mehr als ausreichend. Auch die Verwendung der Gelder laut Jahresabschluss stimmt positiv. Durch vernünftige Verwaltungs- und Werbekosten kommt der Großteil des Geldes wirklich in Ägypten an. Der Besuch vor Ort zeigt außerdem, dass mit einem jährlichen Budget von rund 60.000 Euro doch einiges bewegt werden kann.