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Für eine bessere Spendenkultur
1/9/2010 von Stefan Loipfinger
Archivtext

DZI Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen

DZI bestätigt CharityWatch.de-Warnungen

Jährlich wird der DZI-Spenden-Almanach vorgestellt
Bild: DZI, Cover Almanach

Allein im vergangenen Jahr warnte CharityWatch.de vor mehr als 30 zum Teil sehr großen Spendenorganisationen. Nun hat das DZI Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen einige der Warnungen bestätigt. Im Rahmen der Vorstellung des DZI-Spenden-Almanachs, der Portraits von über 250 Organisationen mit dem DZI-Spenden-Siegel enthält, wurde auch vor einigen sehr zweifelhaften Organisationen gewarnt, die sich ebenfalls auf der schwarzen Liste von CharityWatch.de befinden. Dazu zählen die Cleft-Kinder-Hilfe Professsor Hermann Sailer Stiftung (Nachtrag von 2012: Das DZI hat diese Warnung zwischenzeitlich aufgehoben.), Hilfe Weltweit, das St. Josefs Indianer Hilfswerk oder HELP. Vorsicht gilt bei diesen Namen zum Teil auch schon aufgrund der Verwechslungsgefahr mit renommierten Organisationen.

Professor Sailer. Schon seit April 2008 befindet sich die Cleft-Kinder-Hilfe Professor Hermann Sailer Stiftung GmbH aus Hannover auf der Warnliste von CharityWatch.de. Das DZI rät nun ebenfalls klar von Spenden ab (siehe hierzu auch den Nachtrag am Ende des Beitrages). Die Gründe: Texte und Bilder der Werbebriefe sind unangemessen gefühlsbetont und in hohem Maße bedrängend gestaltet. Außerdem wurden Unterlagen trotz mehrfacher Bitten verweigert. Nicht explizit vom DZI genannt, von CharityWatch.de jedoch auch auf die Liste zweifelhafter Organisationen gesetzt, sind die verflochtene Cleft-Kinder-Hilfe Professor Hermann Sailer Stiftung aus Bielefeld und die in der Schweiz ansässige CCI Cleft-Children International. Nicht zu verwechseln mit den Sailer-Organisationen ist die ebenfalls auf Lippen-Kiefer-Gaumenspalten spezialisierte Deutsche Cleft-Kinder-Hilfe e.V. aus Freiburg.

Hilfe Weltweit. Es geht um die Unterstützung von hilfsbedürftigen Personen in Armuts- und Entwicklungsländern. Geführt wird der Verein vom bekannten Ethiker Prof. Dr. Thomas Schirrmacher. Er ist zudem nicht nur Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz, sondern auch noch deren Sprecher für Menschenrechte. Leider stellen diese Positionen keinen Hinderungsgrund für zweifelhaftes Verhalten bei der Hilfsorganisation Hilfe Weltweit e.V. dar. Deshalb warnt das DZI vor dem Verein.

Indianer Hilfswerk. Ein Jahr nach der Warnung von CharityWatch.de taucht das St. Josefs Indianer Hilfswerk jetzt auf der DZI-Warnliste auf. Den Erben von Sitting Bull wird vorgeworfen, die Spender durch zu emotionale Mailings in ihrer unabhängigen und sachbezogenen Entscheidung zu behindern. Auch blieb die Zusendung der vom DZI angeforderten Unterlagen aus.

Children’s Network. Nur Tage nach der DZI-Warnung vor der Children’s Network International Deutschland GmbH aus Berlin, erging nun ein Sammlungsverbot für Rheinland-Pfalz durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). Laut der Behörde aus Trier bestehen erhebliche Zweifel an der zweckentsprechenden Verwendung der Spendengelder. Vorgeblich sollen sie für die Unterstützung bedürftiger, insbesondere krebskranker, Kinder und ihrer Familien in der ganzen Welt eingesetzt werden. Tatsächlich kassiert die Mittel vor allem eine Werbeagentur. Dabei dürfte es um erhebliche Beträge gehen, wie ein Blick in den elektronischen Bundesanzeiger zeigt. Vom Geschäftsführer Roger Presgrove wurden per Ende 2007 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von über 200.000 Euro gemeldet.

Children’s Fund. Ebenfalls in Berlin ansässig ist die International Children’s Fund GmbH. Ihr geht es um die Unterstützung hilfsbedürftiger Kinder und Jugendlicher in der ganzen Welt. Das Stammkapital beträgt 25.000 Euro. Der Geschäftsführer Dr. David Bruenning sitzt in Wisconsin/USA. Laut Handelsregister werden die Anteile an der GmbH von ihm alleine gehalten. Das DZI wirft ihm und seiner Organisation unangemessen gefühlsbetonte und in hohem Maße bedrängende Spendenwerbung vor. Der namensgleiche Verein International Children’s Fund e.V. aus Frankfurt befindet sich schon seit 2005 auf der Warnliste des DZI.

Iranhilfe. Laut Verfassungsschutzbericht 2008 des Bundesministeriums des Inneren gehören drei zweifelhafte Organisationen zum Einflussbereich des „Nationalen Widerstandsrat Iran“, dem politischen Arm der „Volksmodjahedin Iran-Organisation“. Dabei handelt es sich um den Verein für Menschen und Freiheit e.V. aus Troisdorf, dem Verein für Hoffnung der Zukunft e.V. aus Berlin und dem Menschenrechtsverein für Migranten e.V. aus Aachen. Laut DZI setzen sie bei Straßensammlungen oft stark emotionalisierende, weil unangemessen grausame Bilder von gefolterten und getöteten Menschen ein.

HELP. Über den Verein Human Environment Life Protection HELP e.V. berichtete CharityWatch.de schon vor über einem Jahr negativ. In einem im Dezember 2009 mit dem Vorstand Heiko Schwarzfeld geführten Gespräch erklärte dieser, von zwei Millionen Euro Einnahmen würden nur rund 400.000 Euro für Projekte ausgegeben. Der größte Teil der Einnahmen flösse in Mitgliederwerbung, einer Dienstleistung der Firma Service94 von Frank Kroll. Eine von ihm angeregte Kündigung des teuren Werbevertrages scheitert laut Schwarzfeld aber am Vorstandsvorsitzenden Otto Wegmann. Nun setzte auch das DZI den Verein auf seine Warnliste. Grund ist die sehr bedrängende Fördermitgliederwerbung auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Außerdem enthalten die Beitrittsformulare laut DZI kein ausdrückliches Rücktrittsrecht und es werden keine Unterlagen über die Mittelverwendung zur Verfügung gestellt. Wichtig: Dieser Verein HELP ist nicht zu verwechseln mit Help – Hilfe zur Selbsthilfe aus Bonn.

CW-Meinung. Wie jedes Jahr sprach das DZI mit Veröffentlichung des Spenden-Almanachs auch diesmal eine Reihe von Warnungen aus. Allerdings ist die Aufzählung leider nur die kleine Spitze eines riesigen Eisberges und keinesfalls repräsentativ für den Gesamtmarkt. Das bestätigt ansatzweise eine andere Zahl: Von insgesamt 350 Organisationen ohne Spenden-Siegel, zu denen das DZI auf Nachfrage von Spendern eine Wertung abgibt, wird vor jeder Zehnten gewarnt. Bisher gibt es allerdings keine Veröffentlichung der Liste. DZI-Chef Burkhard Wilke will das 2010 ändern. Demnächst sollen nicht nur die Organisationen mit Spenden-Siegel, sondern auch die 350 anderen samt ihrer jeweiligen Bewertung öffentlich gemacht werden. Ein richtiger Schritt, der dazu beiträgt, das Geld von zweifelhaften zu den wirklich unterstützenswerten Organisationen umzulenken.

Nachtrag vom 7. September 2012. Die vom DZI ausgesprochene Warnung vor der Cleft-Kinder-Hilfe Professor Hermann Sailer Stiftung GmbH aus Hannover ist zwischenzeitlich nicht mehr aktuell, wie uns die Gesellschaft über ihren Rechtsbeistand mitteilen lies.

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