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Für eine bessere Spendenkultur
2/10/2009 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Bund deutscher Tierfreunde e.V.

Übertriebener Tierschutz ist längst nicht das einzig Zweifelhafte

Bund deutscher Tierfreunde e.V.

Über 30.000 Förderer und 40 feste Bündnisse mit anderen Vereinen kann der Bund deutscher Tierfreunde e.V. (BDT) aufweisen. In 2007 konnte er Einnahmen in Höhe von 2,7 Millionen Euro verbuchen. Offensichtlich haben die knackigen Sprüche vom Vorstand einige überzeugt. Im Tätigkeitsbericht 2007 vergleicht er sich auch mit dem Deutschen Tierschutzbund, Europas größter Dachorganisation für Tier- und Naturschutz: „So erhielten unsere 40 Partner in Summe mehr Zuschüsse und direkte Unterstützung als der DTB ihren 550 angeschlossenen Tierheimen gewährte.“ Und damit auch jeder denkt, das würde an einem ausgeprägten Kostenbewusstsein liegen, wird einige Zeilen weiter nachgelegt: “Der Bund deutscher Tierfreunde e.V. arbeitet mit keiner Organisation zusammen, deren Vorstand mehr verdient als der/die Bundeskanzler/in.“

Satzung. Ein Blick in die Satzung eines Vereines ist einem Spender grundsätzlich immer zu empfehlen. Denn dort sind die Ziele verankert, die er durch seine Spende unterstützt. Beim Bund deutscher Tierfreunde ist das zum Beispiel die „Abschaffung der industriellen Tierhaltung zum Zweck des Nahrungsmittelgewinns und/oder Bekleidung“. Auch Zoos, Tierparks, Zirkusse oder Safariparks dürften nach dem BDT ausschließlich heimische Tiere halten, was sie natürlich unattraktiv machen würde. Leider beziehen sich diese Ziele nicht auf eine sinnvolle Forderung nach artgerechter Haltung.

Jahresbericht. Für einen Verein mit 2,7 Millionen Euro Einnahmen fällt der Jahresbericht 2007 sehr dürftig aus. Vor allem stimmen Erfolgsmeldungen unter der Überschrift „große Herausforderungen“ skeptisch, wenn es beispielsweise um ein durch einen Sturm abgedecktes Blockhaus geht. Bei einem Verein dieser Dimension sollte es schon wichtigeres zu berichten geben. Zum Beispiel, warum für 80 Hunde, 30 Katzen, 30 Pferde/Esel und Kleintiere rund 174.000 Euro (Näherungswert aus prozentualen Angaben und den Gesamteinnahmen) Personalkosten anfallen. Oder noch krasser: Die Gesamtkosten für die eigenen Projekte/Tierheime werden mit umgerechnet etwa 448.000 Euro angegeben. Ohne die Kleintiere sind das bei 140 Hunden/Katzen/Pferden unglaubliche 3.200 Euro pro Tier!

Kostenquote. Schwer abgrenzbar ist anhand des Jahresberichts die Zuordnung der administrativen Kosten. Laut Satzung zählt auch Meinungsbildung für den Tier-, Natur- und Artenschutz zu den Vereinszwecken. Ob allerdings die Position „Kampagnen/Publikationen“ mit 18,6 Prozent oder „Werbung/Öffentlichkeitsarbeit“ mit 26,0 Prozent diesen Zweck erfüllt, ist widersprüchlich beschrieben. An einer Stelle wird das eigene Magazin „Der Tierfreund“ dazu gezählt, das aber auch zu Spenden aufruft und deshalb nicht nur „neutral meinungsbildend“ ist. In der Zusammenfassung wird dann die Öffentlichkeitsarbeit als Bestandteil der Satzung bezeichnet. Insgesamt also sehr verwirrend. Deshalb hilft am ehesten die Betrachtung der reinen Projektförderung und Projektbegleitung. Diese beiden Positionen kommen allerdings gerade mal auf 45,8 Prozent. Und selbst hier gibt es Abgrenzungsfragen. Zum Beispiel: Warum wird bei den eigenen Projekten/Tierheime von den 448.000 Euro fast ein Achtel für Porto ausgegeben? Das ist immerhin das Doppelte der in der Position Werbung/Öffentlichkeitsarbeit dargestellten Portoausgaben.

CW-Meinung. Ungenaue Formulierungen, schwammige Floskeln und übertriebene Beweihräucherung sind immer kritische einzustufende Signale. Und all das ist ausreichend im Jahresbericht zu finden. Noch ein Beispiel für fragwürdige Suggestion: „Da befinden wir uns ja in bester Gesellschaft“, heißt es in Zusammenhang mit Werbung für Spenden. Konkret aufgezählt werden als „beste Gesellschaft“ neben Greenpeace, WWF, Care auch beispielsweise Amnesty International. Passen würde in diese Rubrik auch der Hinweis auf eine beanstandungsfreie regelmäßige, sehr intensive Prüfung durch das Finanzamt. All das ist nicht geeignet, um dem Vorstand eine wirklich effektive Verwendung der Spenden und damit eine gute Arbeit zu attestieren.

Nachtrag vom 16. Februar 2009. Im Nachgang an die Berichterstattung in CharityWatch.de hat sich der BDT-Vorstand gemeldet. Konkrete Fehler in dem Beitrag wurden nicht gerügt. Trotzdem wurde CharityWatch.de aufgefordert, zum Beispiel klar zu stellen, dass laut einem Urteil des Verwaltungsgerichts Trier die Vereinszeitschrift „Der Tierfreund“ als qualifizierte Informationsbroschüre anzusehen ist. Die Kosten von 5,6 Prozent und die Portogebühren von 2,0 Prozent seien damit dem ideellen Bereich zuzuordnen. Außerdem soll klar gestellt werden, dass die Rücklage für den Erwerb des bisher angemieteten Tierheimes gebildet wurde und deshalb ebenfalls dem ideellen Bereich zuzuordnen ist. Ohne jegliche Anerkennung einer Rechtsschuld weist CharityWatch.de freiwillig auf die Anmerkungen hin. Interessierte können die wesentlichen Inhalte der Stellungnahme als Leserbrief durch einen Klick auf den nachfolgenden Link aufrufen.

CW-Meinung zur BDT-Stellungnahme. Die Stellungnahme ändert nichts an der kritischen Haltung von CharityWatch.de gegenüber dem BDT. Im Gegenteil: Wieso wird die Produktion der Vereinsbroschüre unter „Kampagnen/Publikationen“ verbucht, während das Porto unter „Eigene Projekte/Tierheime“ auftaucht. Und noch schlimmer: Weshalb wird auf solche Details eingegangen, während die krassen Vorwürfe von fragwürdigen Kosten in Höhe von jährlich 3.200 Euro pro Tier (ohne Kleintiere) unkommentiert bleiben?

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