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Für eine bessere Spendenkultur
10/7/2008 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Falsche Kostenquote bei UNICEF

Vorwürfe an das DZI zum Prüfprozess bei Spendensiegelvergabe

Im Frühjahr 2008 hat das DZI Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen durch die Aberkennung des Spendensiegels von UNICEF Schlagzeilen produziert. Bis auf die Begründung absolut nachvollziehbar. Doch was war bis dahin? Im DZI Spenden-Almanach 2007/2008 wird die Hilfsorganisation vor allem hinsichtlich ihrer geringen Kostenquote gelobt: „Der Anteil der Werbe- und Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben ist nach DZI-Maßstab niedrig (niedrig = unter 10 Prozent).“ Laut CharityWatch.de eine falsche Einstufung, wie auch der deutlich umfangreichere Geschäftsbericht 2007 zeigt.

Definition. Das DZI hat erstmals 1996 eine Abgrenzung von Werbe- und Verwaltungsausgaben für Spenden sammelnde Organisationen vorgelegt. Die aktuelle Version wurde letztmalig 2004/2005 überarbeitet. Als Grundsatz wird hierbei definiert, dass die Werbe- und Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben gemessen werden. Entscheidend für die richtige Abgrenzung einzelner Ausgaben ist ein sehr umfangreicher Katalog mit der laut DZI richtigen Zuordnung zu Projektausgaben inklusive satzungsgemäßer Kampagnen-, Bildungs- und Aufklärungsarbeit sowie den Werbe- und Verwaltungsausgaben. Auch wenn bei einzelnen Abgrenzungsdefinitionen durchaus strengere Maßstäbe angelegt werden könnten, so ist der Katalog insgesamt die umfangreichste und anerkannteste Definition in der Branche.

UNICEF-Stellungnahme. Rudi Tarneden hat in Vertretung für den Sprecher von UNICEF Deutschland auf eine Presseanfrage von CharityWatch.de geantwortet: „Die Gesamtkostenquote war auch in den Vorjahren stets im Geschäftsbericht ausgewiesen. Zusätzlich hat UNICEF in den vergangenen Jahren die Kostenanteile für die Bereiche Grußkarten (2006: 4,5 Millionen Euro = 21 Prozent) und Spenden (6,6 Millionen Euro = 8,8 Prozent) getrennt ausgewiesen, auch um den Besonderheiten des Grußkartengeschäfts Rechnung zu tragen. Das DZI bezog sich auf diese getrennt ausgewiesene Angabe der Kostenquote im Spendenbereich von 8,8 Prozent.“

Verweigerung. Das DZI hat auf mehrere Anfragen von CharityWatch.de zur Berechnung der Kostenquote bei UNICEF nicht geantwortet! Auch wenn das natürlich nicht als Schuldeingeständnis gewertet werden kann, so wirft es zumindest kein gutes Licht auf das führende Prüfinstitut der Branche, das sich neben den Gebühren für die Spendensiegel-Vergabe auch durch staatliche Fördergelder finanziert. Der stets an die geprüften Organisationen gerichtete Transparenzanspruch wird durch die eigene Verweigerungshaltung unglaubwürdig.

GuV 2006. Nachdem in den Vorjahren die UNICEF-Jahresberichte zu den wenig informativen zählten, hat sich dies erstmals mit dem Bericht für 2007 geändert. Aufschlussreich für die Vergangenheit ist dies auch, weil darin die Vergleichzahlen für 2006 auftauchen. Somit kann erstmals auch die Zusammensetzung der Gesamtaufwendungen 2006 in Höhe von 98,7 Millionen Euro nachvollzogen werden. Allein der Personalaufwand betrug demnach 5,5 Millionen Euro oder 5,6 Prozent der Gesamtausgaben. Mit 10,9 Millionen Euro oder 11,0 Prozent schlugen die bezogenen Leistungen zu Buche. Die Verwaltungskosten im engeren Sinne beliefen sich auf 2,3 Millionen Euro oder 2,4 Prozent. In Summe betrugen die Werbe- und Verwaltungskosten also 19,1 Prozent. Die DZI-Angabe von unter zehn Prozent ist demnach nicht korrekt.

Satzungsgemäße Kampagnenarbeit. Noch nicht ausreichend aufgeschlüsselt sind im neuen Geschäftsbericht die satzungsgemäßen Aufwendungen für Kampagnen-, Bildungs- und Aufklärungsarbeit. Aber selbst wenn die im alten Geschäftsbericht für Informations- und Öffentlichkeitsarbeit ausgewiesenen 6,3 Millionen Euro vollständig den Projektaufwendungen zuzurechnen wären, blieben 12,6 Millionen Euro oder 12,8 Prozent Werbe- und Verwaltungsausgaben übrig. Angesichts der im neuen Geschäftsbericht aufgeführten Aufgliederung der Kostenpositionen erscheint es aber eher unwahrscheinlich, dass der komplette von UNICEF angegebene Betrag den DZI-Abgrenzungskriterien genau so entspricht.

Internationale Kosten. Ein bei internationalen Organisationen häufig auftretendes Problem von Kosten auf mehreren Ebenen hat das DZI so geregelt: „Sofern eine Organisation mehr als die Hälfte ihrer Projektausgaben an eine einzige andere Organisation zur weiteren Disposition weiterleitet, werden bei der Berechnung des Anteils der Werbe- und Verwaltungsausgaben zusätzlich die anteiligen Werbe- und Verwaltungsausgaben der zentralen Geschäftsstelle dieser Organisation berücksichtigt.“ Genau das trifft auf des Deutsche Komitee zu. Laut Geschäftsbericht fielen 2007 auf internationaler Ebene weitere Kosten für allgemeine Verwaltung in Höhe von 2,7 Prozent der Gesamteinnahmen und zusätzliche 2,6 Prozent für Fundraising-Aktivitäten der Nationalen Komitees an. Obwohl der DZI-Katalog die Berücksichtigung dieser Kosten ausdrücklich vorsieht, wurden diese offenbar nicht eingerechnet, was auch schon ausreicht, um die angegebene „niedrige“ Kostenquote ad absurdum zu führen.

CW-Meinung. Die Zahlen aus den UNICEF-Geschäftsberichten sowie auch die Stellungnahme von Rudi Tarneden legen den Verdacht nahe, dass das DZI bei der Berechnung der Kostenquote die eigenen Kriterien nicht beachtet hat. Wenn die Aussage von Tarneden stimmt, dass das DZI die geschönte UNICEF-Angabe von 8,8 Prozent einfach übernommen hat, dann würde das massive Fragen hinsichtlich der Qualität der Prüfprozesse aufwerfen. Leider bleibt dieser Verdacht so im Raum stehen, weil das DZI mehrere Anfragen dazu nicht beantwortete.