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Für eine bessere Spendenkultur
2/14/2012 von Karin Burger
Archivtext

Ein Kommentar von Karin Burger

Website angeblicher Tierschützer geschlossen

Zweifelhafte Tierschützer
Bild: www.gesuchte-tierquaeler.com

Es ist ein relativ neues Phänomen, dass sich blutige Laien ohne jede Tierschutzerfahrung und ohne jede Organisationsform massiv in den virtuellen Tierschutz einmischen. Virtuell bedeutet: Unter gekonntem Einsatz moderner Kommunikationsmedien und permanenter Präsenz in sozialen Netzwerken werden rasch große Massen von Unterstützern mobilisiert, in dem über Tierschutz ausschließlich kommuniziert wird. Praktische Tierschutzarbeit leisten diese virtuellen Agitatoren meist nicht. Weder verfügen sie über Tierheime noch Pflegeplätze noch eine sonstige Infrastruktur, die für konkrete Tierschutzarbeit notwendig ist. Und häufig haben sie leider weder Sachkunde noch praktische Erfahrungen im Tierschutz. Und das macht diese Initiativen so gefährlich. Vielmehr geben sie häufig vor, bestehende Tierschutzorganisationen zu unterstützen. Und selbstverständlich sammeln auch diese „Tierfreunde“ gerne Spenden. Dem Treiben einer zweifelhaften Plattform wurde letzte Woche durch die Ermittlungen des Bundeskriminalamts erst einmal ein Ende gesetzt.

Gefährliche Tendenzen. Konkrete, effiziente und professionelle Tierschutzarbeit ist mühsam und unspektakulär. Wer bei garstigem Wetter stundenlang gespannte Katzenfallen beobachten, erfolgreiche Fänge zum Tierarzt hinfahren, frisch operierte Tiere vom Tierarzt abholen muss, hat keine Zeit, stündlich neue Postings bei Facebook abzusetzen. Auf diese Art der Tierschutzarbeit haben solche modernen Tierfreunde aber keine Lust. Lieber besetzen sie den Teil des Tierschutzes, bei dem mit ausgestrecktem Finger auf andere gezeigt werden darf. Die Hitliste der präferierten Zielobjekte führen aktuell Zoophile und ziemlich gleichauf die osteuropäischen Länder an, in denen nachweislich Hunde getötet werden. Zu diesen Themen entfalten die virtuellen Tierschützer einen nahezu beängstigenden Aktionismus mit Videos, vollkommen sinnlosen Petitionen, Protestbriefen und seltener Demonstrationen. Die Grundstimmung solcher Seiten ist nicht selten eine brodelnde Bereitschaft zur Lynchjustiz.

Nicht verfassungstreu. Bekennend setzen sich diese Gruppen oft über geltendes Recht hinweg, veröffentlichen zum Beispiel alle persönlichen Daten von ihnen ausgemachter, jedoch vom keinem Gericht rechtskräftig verurteilter Tierquäler oder solcher Menschen, die sie dafür halten. Deutlich und ausdrücklich grenzen sich Internet-Pseudo-Tierschutzaktivisten gerne von diesem Staat ab. Ein Mittel, um radikale Tierschutzthemen mit extremen Parolen zu verbinden, ist die Produktion von Videos. Diese werden dann beispielsweise über YouTube verbreitet. „Mit Vollgas an die Wand“ ist so ein Fall, in dem ein Akteur ein T-Shirt mit der Aufschrift „Der Staat muss weg“ trägt.

Aufgepeitschter Mob. Es ist beunruhigend zu beobachten, wie rasch solche Gruppen Zulauf generieren können und wie unkritisch ihnen ihre jeweilige Fangemeinde folgt. Einzelnen Akteuren dieser Szene gelingt es dabei sogar, der Anhängerschaft glauben zu machen, hier werde Tierschutz neu erfunden und jetzt endlich würden die großen Tierschutzprobleme der Gegenwart tatkräftig angegangen. Dieser Eindruck entsteht rein durch hochtourigen Aktionismus. Die Tatsache, dass etablierte Tierschutzorganisationen seit Jahren beharrlich und aus Sachzwang kleinschrittig gegen Tierleid aller Art kämpfen, gerät vollständig aus dem Blickfeld. Sogar ihre schiere Existenz verschwindet im künstlich produzierten Nebel virtueller Betriebsamkeit und den subversiven Versprechungen zunehmender Gewaltbereitschaft. Offen bekennen sich viele solcher Gruppen zu aggressivem Vorgehen, latente Gewaltandrohungen gegen alle, die nicht ihrer Meinung sind, stehen auf der Tagesordnung. Geschickt platzierte Fotos grobschlächtiger Akteure mit entblößtem, dafür häufig aber reichlich tätowiertem Oberkörper tragen die unausgesprochene Botschaft ganz natürlicher physischer Durchsetzungskraft.

Gesperrte Website. Aktionismus hat nicht umsonst einen schlechten Ruf. Und wenn an allen Ecken fehlende Sachkunde beim Thema sowie die Unkenntnis banalster Rechtsgrundsätze dieses Staats den hassgetrübten Blick verstellen, ist beherztes Einschreiten notwendig. So geschehen jetzt bei der Gruppierung Gesuchte-Tierquaeler.com. Wegen zweifelhaften Botschaften wird wegen des Verdachts auf Anstiftung zu Straftaten ermittelt. Die Akteure hatten den zweifelhaften Einfall, im Zuge der Strafverfolgung eines Zoophilen auf der Website, die ihnen über andere zugespielten Beweise zu veröffentlichen: tierpornografisches Material. Wie die Gruppierung nun auf Facebook postete, wurde deshalb auch eine Anzeige wegen Verbreitung tierpornographischen Materials erstattet. Aufgrund des eingeleiteten Ermittlungsverfahrens musste die Homepage vorerst stillgelegt werden. Schon allein das Logo der Gruppierung lässt das sehr berechtigt erscheinen: Auf einem fast polizeilich erscheinenden Siegel wird unter Überschrift „Site of Animal Justice“ verkündet: „Wir finden Dich“.

Burgers-Meinung. Bertold Brechts „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch“ sei insbesondere Tierfreunden auf die Tastatur gemalt. Was sich da jüngst im Internet und insbesondere den sozialen Netzwerken als Tierfreunde, Sucher und Neinsager tummelt, verdient den zweiten kritischen Blick. Deutschland verfügt über ganze Kohorten etablierter Tierschutzorganisationen mit entsprechenden Arbeitsschwerpunkten. Wenn ausschließlich virtuell agierende No-Names der tierliebenden Bevölkerung auf einmal weismachen wollen, den Tierschutz neu erfunden zu haben und dabei unverhüllt in Gegenposition zu diesem Staat und seinen Werten treten, offene Auslandshetze und Hetze gegen Journalisten betreiben und dabei in vielen Fällen auch noch Spenden sammeln, ist mehr als Vorsicht angebracht. Oder Brecht und Co. zu lesen!