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Für eine bessere Spendenkultur
1/9/2012 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Deutscher Fundraising Verband

Die Kritik der Geldsammler

Wer kassiert wie viel?
Bild:©M&S Fotodesign-Fotolia.com

Angeblich hat die Kultur des Gebens Ende letzten Jahres einen riesigen Schaden genommen. Das hat zumindest der Deutsche Fundraising Verband kurz vor Weihnachten per Pressemitteilung verbreitet. Hintergrund für den Aufschrei der Szene ist das Buch „Die Spendenmafia“, das eine „einseitig negative Berichterstattung“ ausgelöst haben soll. Nach Auffassung des Verbandes wäre die Kritik am Fundraising völlig unbegründet. Doch wenn ohnehin jeder um die hohen Honorare der Fundraiser weiß, warum regt sich dann überhaupt jemand auf?

Grundregeln. Zentraler Baustein in der Argumentation des Deutschen Fundraising Verbandes ist ein 19 Punkte umfassendes Papier, das die “Grundregeln für eine gute, ethische Fundraising-Praxis” definiert. Angeblich sollen sie für alle Verbandsmitglieder verbindlich sein und sich zu einer branchenweit anerkannten Selbstverständlichkeit entwickelt haben. Doch Branchenkenner bezweifeln dies. Sogar die Ende 2011 ausgestrahlten Fernsehbeiträge haben einige Verstöße dokumentiert. Zum Beispiel wird gerne Druck dahingehend ausgeübt, die Spenderin oder den Spender zu einer sofortigen Unterschrift zu bewegen. Dabei verbieten das die Grundregeln: „Wir unterlassen jeden Druck und jeden Anschein eines Druckes auf ihre Entscheidungen.“

Transparenz. Ein anderer Punkt, bei dem schon Verstöße aufgefallen sind, betrifft die Vergütung der circa 3.000 hauptamtlich arbeitenden Fundraiserinnen und Fundraiser. In welchen der in Millionenauflage Ende 2011 verschickten Bettelbriefe wurde das Vergütungsmodell transparent beschrieben? Wie ehrlich wird auf die Frage nach dem Honorar an Infoständen oder der Haustüre geantwortet? Es dürfte wohl eher die Ausnahme sein, dass eine Werberin, wie bei Mona Lisa im ZDF gezeigt, eine Provision von 60 Prozent des ersten Jahresbeitrages offen einräumt. Und selbst hier blieb dann unbeantwortet, wie hoch die Provision inklusive der Marge für die Fundraisingfirma ist und wie hoch die Folgeprovisionen sind.

Unseriös. Am eklatantesten Klaffen Schein und Wirklichkeit bei einem anderen Thema auseinander: der Transparenz bei der Spendenverwendung. Angeblich setzt sich der Verband für eine nachvollziehbare Rechnungslegung ein. In Hintergrundinformationen heißt es dazu: „Seriöse Organisationen machen ihre Kostenstruktur im Jahresbericht transparent und geben auch auf Anfrage selbstverständlich Auskunft.“ Soll das also heißen, dass jede Organisation, die nicht transparent über die Verwendung ihrer Spenden Auskunft gibt, unseriös ist? CharityWatch.de erlebt dies täglich. Trotzdem sind viele dieser zweifelhaften Organisationen Kunden von Fundraisingagenturen, die auch dem Verband angeschlossen sind.

CW-Meinung. Wenn die vom Fundraising Verband dargestellte Sicht der Realität entspräche, dann gäbe es keinen Grund, sich zum Beispiel über mangelnde Transparenz zu beschweren oder über hohe Fundraisingkosten zu berichten. Kein Fernsehsender, keine Radiostation und kein Printmedium würde eine Nachricht verbreiten, die jeder kennt. Leider gibt es aber sehr viele von Verbandsmitgliedern betreute Organisationen, die die Verwendung der Spendengelder nicht ausreichend dokumentieren. Auch Punkt elf der Grundregeln wird immer wieder missachtet: „Wir setzen uns ein für die ordnungsgemäße, effiziente und effektive Verwendung der im Rahmen unserer Tätigkeit eingeworbenen Mittel.“ Bei Verwaltungs- und Werbekosten von teilweise 50 Prozent und mehr ist das schon längst nicht mehr gegeben. Wie glaubwürdig ist auch dieser Punkt, wenn dies vor allem zu Lasten der eigenen Fundraisinggebühren erreicht werden kann?
Bleibt noch der nicht selten aufgebaute Druck, um sofort eine Unterschrift unter einen Mitgliedsantrag oder einen Dauerspendenauftrag zu erhalten. Das wird immer wieder von CharityWatch.de bemängelt und das haben auch die kritischen Berichte Ende letzten Jahres bestätigt. Insofern gibt es keine unsachliche Diskussion, die eine „für Spender wie NGO’s verstörende Dimension“ erreicht habe. Wenn die Kultur des Gebens derzeit wirklichen einen „riesigen Schaden“ nimmt, dann liegt das nicht an der Kritik, sondern an den Gründen, die zu dieser Kritik berechtigen.