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Für eine bessere Spendenkultur
12/21/2011 von Karin Burger
Archivtext

Sabro hilft helfen e. V.

Geflecht von Tierschutzverein und Wirtschaftsunternehmen

Screenshot der Vereinshomepage
Bild: Sabro hilft helfen e. V.

Will man die Dynamiken im Tierschutz-Spendensektor verstehen, hilft manchmal der Blick auf die engen Verknüpfungen zwischen der guten Tat und von dieser profitierenden Wirtschaftsunternehmen. Wenn die marktführenden Tierfutterhersteller teilweise sechsstellige Beträge an große Tierschutzorganisationen spenden, tun sie dies meist nicht aus purer Tierliebe. Die Marketingeffekte der aufwendig inszenierten Scheckübergaben sind exakt kalkuliert. Und die Verflechtungen zwischen der Industrie und dem Tierschutz werden zunehmend enger. Das fängt im Kleinen an. Denn immer häufiger werden von Mitarbeitern in Wirtschaftsunternehmen, die Tierfutter und/oder Tierzubehör vermarkten, entsprechende Tierschutzorganisationen gegründet. CharityWatch.de hatte schon über die Stiftung Menschen für Tiere gUG berichtet. Ein weiteres Beispiel ist der Verein Sabro hilft helfen e. V.

Wirtschaftsunternehmen. Das Unternehmen Sabro GmbH, welches Zubehör-Artikel und Futter für Hund, Katze und Pferd produziert und vertreibt, wirbt für sich mit „Artgerecht, natürlich … und ein bisschen schwedisch“. Die Produkte, so die Eigenwerbung der Firma weiter, seien keine billige Handelsware, sondern überwiegend Eigenproduktionen, „die in unserer eigenen Sattlerei in Schweden hergestellt werden“. Das bekannteste Produkt aus diesem Sortiment dürfte die berühmte Sabro-Kudde sein, ein Hundeschlafplatz in Lederoptik. Aber auch Halsbänder, Leinen, Näpfe, Schalen, Knabber- und Pflegeartikel stehen allein in der Sparte Hunde im Angebot. Das Sortiment für Katzenhalter und Pferdebesitzer ist ebenfalls umfangreich. Der Firmensitz der 2004 gegründeten GmbH mit 25.000 Euro Kapital liegt im niedersächsischen Handeloh, Landkreis Harburg. Laut elektronischem Bundesanzeiger wurde 2008 ein Jahresüberschuss von 157.000 Euro und 2009 von 95.000 Euro erzielt.

Identische Kontaktdaten. Schon über die Homepage des Wirtschaftsunternehmens Sabro GmbH kommt man direkt auf die Website des Vereins Sabro hilft helfen e. V. Dort fällt zunächst einmal auf, dass alle Kontaktdaten von Verein und Wirtschaftsunternehmen identisch sind: Straße, Ort, Telefon- und Faxnummer. Wer etwa in der Mittagszeit den Verein Sabro hilft helfen anrufen möchte, landet beim Anrufbeantworter des Wirtschaftsunternehmens Sabro GmbH. „Vertreten“ wird die GmbH durch Sandra Brockmann, die in Personalunion auch die erste Vorsitzende des Vereins Sabro hilft helfen ist. Der 2. Vorsitzende des Vereins, Arne Knuth, unterzeichnete auch den im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss 2009 für die GmbH als Geschäftsführer.

Fehlende Infos. Von der Homepage des Vereins Sabro hilft helfen finden Kaufwillige schnell wieder zurück zum Wirtschaftsunternehmen: „Hier geht’s zum Sabro-Shop“. Dafür aber finden sie keine konkreten Informationen über den Verein selbst. Weder ist eine Satzung zu finden noch ein konkreter Hinweis darauf, ob dieser Verein als gemeinnützig anerkannt ist. Auch das Impressum des Vereins gibt keinerlei Hinweise, weder auf die Vereinsregisternummer noch auf die Gemeinnützigkeit. Lediglich die beiden Vorsitzenden, Kassenwart und Schriftführerin werden genannt. Auch bei den Spendenaufrufen und der angegebenen Bankverbindung erfolgt kein Hinweis auf die Gemeinnützigkeit. Dort wird stattdessen angeboten: „Wir stellen Ihnen aber auch gern eine Zuwendungsbescheinigung aus.“ Eine „Zuwendungsbescheinigung“ ist aber nicht gleichzusetzen mit einer steuerlich abzugsfähigen Spendenquittung.

Auskunftsverweigerung. Der hauteng an das Wirtschaftsunternehmen Sabro GmbH genähte Verein provoziert jede Menge Fragen. Nur: Solche werden von den Verantwortlichen nicht beantwortet. Eine CW-Presseanfrage mit 14 Punkten blieb unbeantwortet. Dafür ist die Ansage der Schriftführerin des Vereins, Heike Schmelich, bei der telefonischen Nachfrage durch CW aufschlussreich. Sie kündigte an, der Verein werde die Fragen nicht beantworten. Außerdem bemerkte sie: „Die Zeit, die Sie dafür aufgewendet haben, hätte man auch für etwas Nützliches verwenden können.“

Werbung für Privatperson. Auch im Winter-2011-Katalog des Wirtschaftsunternehmens Sabro GmbH wird das Engagement für den Tierschutz werbend eingesetzt. Zwei ganze Seiten sind dem Thema gewidmet. In dem von Sandra Brockmann unterzeichnetem Text rühmt sie sich, „für die Organisation Patras Hunde“ als Flugpate vier Hunde aus Griechenland ausgeflogen zu haben. Der Leser hat keine Möglichkeit, hier zu erkennen, dass es sich bei „Patras Hunde“ um eine Privatperson handelt und nicht um einen eingetragenen Verein. Übrigens steht Patrashunde auf der CW-Warnliste.

Legal oder illegal? Die Flugpatenschaft der ersten Vorsitzenden von Sabro hilft helfen e. V. für vier Hunde der Privatperson hinter „Patrashunde“ interessiert besonders und war unter anderem Gegenstand der Presseanfrage. Bei den seinerzeitigen Recherchen nämlich war es nicht gelungen, zu den aus Griechenland eingeführten Hunden auch nur eine einzige Traces-Meldung zu dokumentieren. Aber ob Sabro hilft helfen e. V. und Sandra Brockmann diese vier Hunde gemäß den geltenden tierschutz- und tierseuchenrechtlichen Bestimmungen von Griechenland nach Deutschland begleitet hat, ist nicht festzustellen, da auch diese Fragen nicht beantwortet wurden.

Enthüllende Bilder. Die Zusicherung Brockmanns im Sabro-Katalog, dass „jeder Cent der durch unsere Hände geht wirklich bei den Hunden ankommt“ bleibt unbelegt, wenn der Verein seine Zahlen nicht offenlegt und Presseanfrage in Gänze nicht beantwortet. Wie soll sich ein potenzieller Spender dann davon überzeugen können, dass jeder Cent tatsächlich bei den Hunden ankommt? Wer dazu auf der Vereinswebsite weiteren Aufschluss sucht, stößt auf die Bilder der umgebauten „Krankenstation“ im polnischen Tierheim Gaj. Dem Spender wird gedankt: „Ohne Ihre Mithilfe liebe Tierfreunde und liebe Sabro-Kunden, hätten wir das erste große Projekt in Gaj nicht in dieser kurzen Zeit verwirklichen können.“ Was dort jedoch als Hundeinnenzwinger abgelichtet wird, ist jenseits dessen, was als Mindestanforderungen an tiergerechte Unterbringung in Deutschland formuliert wird. Die Zwinger sind extrem klein und oben offen, so dass sich benachbarte Hunde ohne Probleme über die noch nicht einmal hüfthohe Mauer hinweg beißen könnten.

Werbung Markus-Mühle. Auch der Futtermittelhersteller Markusmühle wird in die enge Verflechtung zwischen Tierschutz und Wirtschaft im Sabro-Katalog eingebunden. Der Verein versorge weiterhin das Tierheim in Dluzyna Goma in Polen mit monatlich 600 Kilo Hundefutter von Markusmühle, erklärt Brockmann auf den zwei Tierschutzseiten im Sabro-Katalog. Dass aber der Export von Hilfsgütern ins Ausland kontraproduktiv ist, das wissen Entwicklungshilfeexperten schon lange. In Polen selbst ist Hundefutter in guter Qualität ausreichend verfügbar. Tonnenweise in Deutschland produziertes Hundefutter nach Polen zu fahren, ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Dies umso weniger, als die Firmenphilosophie von Markus-Mühle angibt: „Im Einklang mit der Natur.“ Zwar wurde eine Presseanfrage vom Unternehmen beantwortet, doch auf die exakte Frage nach der Verträglichkeit solcher Futtermitteltransporte mit diesem ökologischen Anspruch hieß es unpräzise: „Das polnische Tierheim Dluzyna Goma bekommt von uns regelmäßig Futterspenden und die Verteilung unseres kaltgepressten, artgerechten Produkts übernimmt – wie bei allen Projekten, die wir betreuen – immer die jeweilige Niederlassung bzw. der Partner vor Ort.“ Auf telefonische Nachfrage erklärt Markus-Mühle dazu dann aber, dass die Niederlassung in Polen gerade erst im Aufbau sei und es sich lediglich um Vertrieb handele, nicht um Produktion. Produziert wird ausschließlich im Westerwald.

CW-Meinung.Es ist nicht verwerflich, wenn sich Wirtschaftsunternehmen im karitativen Bereich engagieren; ganz im Gegenteil. Dann jedoch muss dieses Engagement zum einen organisatorisch und personell vom Unternehmen getrennt und vor allem muss es transparent sein. Ein Verein jedoch, der schon im Vereinsnamen das Wirtschaftsunternehmen trägt, der dieselbe Adresse und Telefonnummer wie jenes hat und auch noch personell Verflechtungen aufweist, ist unglaubwürdig. Wenn sich dieser Verein dann noch allen Fragen entzieht, rundet das die Intransparenz ab. Selbst die Berichte über die geleistete Tierschutzarbeit überzeugen nicht. Neben der Werbung für weitere Wirtschaftsunternehmen und kontraproduktiven Futtermitteltransporten nach Polen werden durchgeführte Baumaßnahmen abgelichtet, die schlicht keinen Sinn ergeben.