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Für eine bessere Spendenkultur
12/13/2011 von Karin Burger
Archivtext

Ein Kommentar von Karin Burger

Das geschmacklose PETA-Videospiel

Mit Woff-Roar-Zoom Tierfreunde manipulieren?
© UltraPop - Fotolia.com

Die ARD-Dokumentation „Das System Wiesenhof“, ausgestrahlt im Sommer 2011, über die Lebensbedingungen der Hühner von Hähnchenproduzent und Wiesenhof-Chef Paul-Heinz Wesjohann sorgte bundesweit für Aufregung. Die Tierschutzorganisation PETA Deutschland e. V. greift das Thema nun in Form eines Online-Videospiels erneut auf. Das Ergebnis kann aber nur als geschmackloser Marketing-Gag bezeichnet werden. Denn in dem von PETA entwickelten und unter dem Titel „Wiesenhof-Revenge“ vermarkteten Online-Videospiel können die Nutzer Wesjohann mit Hilfe digitaler Hühner ins Gesicht koten.

Hühner-Rache? In einer Pressemitteilung vom 5. Dezember 2011 behauptet die Tierschutzorganisation: „Jetzt rächen sich die Hühner an Wiesenhof-Chef Paul-Heinz Wesjohann“. Doch das Geflügel selbst wird von diesem menschenverachtenden Flashspiel herzlich wenig profitieren. Die geschmackliche Totalentgleisung ist wohl eher dem hohen Wettbewerbsdruck im Kampf um die Aufmerksamkeit und den Geldbeutel von Tierfreunden und potenziellen Spendern geschuldet.

Beleidigung für Tierfreunde. Das PETA-Wiesenhof-Videospiel ist kurz und knapp als roh, primitiv und fäkal zu bewerten. Hier werden primitivste Instinkte angesprochen. In einer Pressemitteilung skizziert PETA selbst, wie sich die Organisation seine Zielgruppe vorstellt: „[…] können tierfreundliche Menschen ihrer Wut auf den Verantwortlichen […] nun Luft machen.“ Sind Tierfreunde wirklich Menschen, die auf dem Woff-Roar-Zomm-Level angesprochen über so wenig Impulskontrolle verfügen, dass sie mit per Mausklick aktivierten Hühnern virtuelle Kotflatschen auf das Konterfei von Wesjohann abschießen müssen?

Bedenklicher Trend. Das primitive und menschenverachtende PETA-Videospiel „Wiesenhof-Revenge“ ist nur ein Puzzleteil einer insbesondere im Tierschutz insgesamt zu beobachtenden Entwicklung. Unter Einsatz moderner Medien und Möglichkeiten werden große Massen an Tierfreunden auf rein emotionaler Ebene mit für sie kaum überprüfbaren Informationen und Horrormeldungen angesprochen und unter der festgesetzten Überschrift Protest zu definierten Handlungen aufgefordert. Dabei verstärkt sich eine bedenkliche Tendenz zu menschenverachtenden Aktionen, die stereotyp durch den Abgleich mit dem jeweiligen Tierleid gerechtfertigt sein sollen. Vor einem absolut gesetzten Wert ist dann alles möglich. Politik und Gesellschaft sollten ein waches Auge auf diese Entwicklungen richten.

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