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Für eine bessere Spendenkultur
10/6/2011 von Stefan Loipfinger
Archivtext

IFAW Internationaler Tierschutz-Fonds gGmbH

Allein das Porto kostet Millionen

Urlauberaufklärung am Flughafen
Bild: Stefan Loipfinger

Mit 92 Millionen US-Dollar Einnahmen in 2010 und zwei Millionen Unterstützern gehört der IFAW weltweit zu den größten Tierschutzeinrichtungen. Die deutsche Sektion IFAW Internationaler Tierschutz-Fonds gGmbH steuerte mit 10,2 Millionen Euro Spendeneinnahmen rund ein Siebtel dazu bei. Die Methoden, mit denen die Tierschützer das Geld in Deutschland akquirieren, wurden von CharityWatch.de bereits 2009 kritisiert. Eine aktuelle Recherche ergab nun leider, dass Spender weiterhin in die Irre geführt werden. Viel zu viel Geld fließt in Millionenfach verschickte Bettelbriefe. Das sieht übrigens auch die ADD Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion aus Trier so. Bereits vor einigen Jahren wurde eine sammlungsrechtliche Prüfung von der Behörde vorgenommen, die als einzige in Deutschland im Spendersinne agiert. Das Ergebnis, das fast niemand kennt: Die Rheinland-Pfälzer sind vor dem IFAW geschützt, da dieser dort nicht sammelt. Der Rest von Deutschland darf aber weiter mit fragwürdigen Versprechen um Millionen erleichtert werden.

ADD. Auch wenn die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier nur für Rheinland-Pfalz zuständig ist, so ist sie doch bei zahlreichen Spendenorganisationen gefürchtet. Schließlich verbreitet die Behörde ihre ausgesprochenen Sammlungsverbote per Pressemitteilung, was auch Spender außerhalb der Landesgrenze warnt. Beim IFAW kam es allerdings nicht dazu. Das sammlungsrechtliche Verfahren im Jahre 2007 wurde von der Behörde eingestellt, weil der Internationale Tierschutz-Fonds am 14. November 2007 verzichtete, Spendenaufrufe und Mails an Pfälzer zu versenden. Ferner wurde sogar erklärt, sämtliche Lastschrifteneinzüge von Dauerspendern aus diesem Bundesland einzustellen. Bis heute hat sich daran laut ADD nichts geändert. Ob der Verzicht nur deshalb erklärt wurde, um die Veröffentlichung eines möglicherweise zu erwartenden Sammlungsverbots zu verhindern? Dazu befragt erklärte der IFAW, dass bei der intensiven Untersuchung Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Zuordnung von Mailingkosten vorlagen. Der Pressesprecher Andreas Dinkelmeyer spricht von einer „offenbaren Auslegungssache“ bei der man sich nicht einigen konnte. Der Verzicht wurde auch damit begründet, dass ansonsten ein langwieriger und kostspieliger Gerichtsprozess geführt werden hätte müssen.

Streitpunkt. Ob es in seinem Sinne ist, dass erhebliche Teile der Einnahmen gleich in neue Massenmailings fließen, muss letztendlich jeder Geldgeber selbst entscheiden. Doch dazu muss er ehrlich darüber informiert werden. Beim IFAW findet sich ein Jahresbericht 1. Juli 2009 bis 30. Juni 2010 auf der Homepage, der folgendes aussagt: 86,4 Prozent der Ausgaben flossen in Programme und Programmunterstützung. Für Fundraising hätte der deutsche Ableger nur 13,6 Prozent aufgewendet. CharityWatch.de hält das für eine klare Täuschung, da der IFAW die Kosten für 2,8 Millionen Schreiben den Programmausgaben zuordnet: „Nach deutschen Richtlinien kann ein Mailing zu 100% zu den Programmkosten zugeordnet werden, wenn der überwiegende Anteil des Inhalts satzungsgemäß ist, also programmrelevante Informationen sind, der öffentlichen Aufklärung dient oder einen Aktionsaufruf wie beispielsweise eine Petition, enthält.“ Dies wäre international so üblich: „Wir veröffentlichen die tatsächliche Zuordnung zu Fundraising und Programmkosten gemäß der international am weitest verbreiteten Methodik. Anhand dieser werden nur die Anteile den Programmkosten zugeordnet, die programmatische Inhalte haben.“

Zahlen. Was diese Allgemeinplätze nun konkret bedeuten, führte der IFAW nicht aus. Doch ein Blick in den Bericht von PWC über die Prüfung des Jahresabschlusses zeigt eine klare Tendenz: Über vier Millionen Euro oder 41 Prozent der Gesamtausgaben betrugen die Kosten für Rundschreiben und Kommunikation. Da der IFAW seine Briefe selbst erstellt, kommen zu diesen Drittkosten noch Personalaufwendungen hinzu. Und damit immer noch nicht genug: An den weltweiten Verbund von IFAW-Gesellschaften wurden 2,3 Millionen Euro „Gesellschaftsumlagen und Projektkosten“ überwiesen. Nur die Hälfte davon waren Programmkosten. Über eine Million Euro aus diesem Topf gingen also in Spendenwerbung, Rechnungslegung, IT-Systeme und andere Verwaltungskosten. In Summe lagen die Verwaltungs- und Werbeausgaben bei deutlich über 50 Prozent!

Projektquote. Wie wenig Geld wirklich in den direkten Tierschutz floss, zeigt eine andere Betrachtung. Gerade mal 538.000 Euro betrugen die „Zuschüsse für Projekte an Schwestergesellschaften“. Hinzu kommen dann noch 314.000 Euro „Spenden an Dritte“ sowie 50 Prozent der „Gesellschaftsumlagen und Projektkosten“, also rund 1,16 Millionen Euro. In Summe sind das zwei Millionen Euro. Selbst wenn dann noch ein Teil der Personalaufwendungen von 1,5 Millionen Euro der Projektarbeit zugeordnet wird, so kommt näherungsweise gerade mal ein mageres Viertel der Gesamtausgaben den Projekten direkt zu Gute.

Randnotiz. Die Gesinnung von Menschen und Unternehmen ist oft an Kleinigkeiten zu erkennen. Ein Beispiel in Bezug auf den IFAW könnte ein vor Jahren zugewendetes Wohnhaus sein. Dazu steht im PWC-Bericht: „Um eine beabsichtigte erneute Veräußerung des Wohnhauses zu ermöglichen, hat die Gesellschaft zudem Räumungsklage gegen den aktuellen Bewohner des Grundstückes eingereicht und in 1. sowie 2. Instanz obsiegt.“ Unabhängig von der rechtlichen Beurteilung dieses Falles darf aber bei einer Tierschutzorganisation durchaus die Frage gestellt werden, warum ein Mensch mit einer Räumungsklage angegangen wird? Was würde der IFAW wohl dazu sagen, wenn ein Unternehmen Tiere vertreibt, nur um kommerzielle Interessen voranzutreiben? Dazu Andreas Dinkelmeyer: „Um Schaden vom IFAW abzuwenden und die Mittel gemäß des Willen des Erblassers dem Tierschutz zugute kommen zu lassen, sah sich der IFAW nach mehreren erfolglosen Versuchen der gütlichen Einigung gezwungen, den Bewohner über eine Räumungsklage zur Freigabe des Grundstücks zu zwingen.“

CW-Meinung. Beim IFAW hat sich leider keine nennenswerte Verbesserung ergeben. Weiterhin wird zu wenig Geld in echte Tierschutzprojekte gesteckt und der Spender im Jahresbericht über die Verwaltungs- und Werbekosten getäuscht. Einem Streit mit der ADD und einem eventuell in diesem Rahmen ausgesprochenen öffentlichen Sammlungsverbot ist der IFAW zuvorgekommen, in dem er auf die Spendenakquise in Rheinland-Pfalz verzichtet. Die Rechtfertigung, dass die Abgrenzung der echten Projektausgaben von den Fundraising- und Verwaltungskosten internationalen Gepflogenheiten entspricht, ist wenig befriedigend. Denn letztendlich muss der Spender die Verwendung seiner Gelder klar und ehrlich offengelegt bekommen, damit er die Entscheidung bezüglich einer Unterstützung korrekt treffen kann.

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