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Für eine bessere Spendenkultur
9/26/2011 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Berliner Kinderhilfswerk e. V.

Gut gebrüllt

Streit schon vor der Premiere
Bild: Berliner Kinderhilfswerk

Über 300 Kinder- und Jugendliche im Alter von 8 bis 21 Jahren sollten an der Aufführung des Musicals „Simba – König der Löwen“ mitwirken. Dann kam es zum Streit zwischen den Organisatoren und dem Berliner Kinderhilfswerk e. V. als Veranstalter. Zwei geplante Vorstellungen fielen aus. Über die Verwendung der Spenden allgemein hat der Vorstand keine Auskünfte erteilt. Im Rahmen von Recherchen kamen dann noch Verbindungen zum Johanneshilfswerk International zu Tage, das Anfragen nicht beantwortete.

Berliner Kinderhilfswerk. Im Jahr 2005 wurde der Verein Fathers House gegründet, der dann später in Berliner Kinderhilfswerk umbenannt wurde. In der Anfangsphase kümmerte der Verein sich nach eigenen Angaben vor allem um die Versorgung von Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien mit Kleidern, Nahrungsmitteln und Spielsachen. Zwischenzeitlich hat sich deren Bemühen um die Bereiche Bildung und Kultur erweitert, weshalb auch die Aufführung eines Musicals als eine „Bildungsinitiative“ organisiert wurde.

Vorstand. Vorsitzender des Vorstands beim Berliner Kinderhilfswerk ist Bernd Benn. Der Rechtsanwalt Manfred von Beinen fungiert als Beirat und Ansprechpartner für das Musical. Manfred von Beinen war auch langjähriger stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Johanneshilfswerk International, bei dem er 2008 als Berater des Vorstandes gewählt wurde. In der gleichen Mitgliederversammlung wurde ein Peter Benn als Mitglied aufgenommen und sofort in den Vorstand des Johanneshilfswerks gewählt.

Johanneshilfswerk. Eine bereits vor längerer Zeit an den Verein gerichtete Anfrage wird seit Monaten nicht beantwortet. Dabei ging es unter anderem um die Abgrenzung zu dem höchst zweifelhaftem Johanneshilfswerk aus Köln (später umbenannt in Johanneshilfe Deutschland und zwischenzeitlich aufgelöst), das angeblich nichts mit dem Johanneshilfswerk International aus Berlin zu tun hatte. Gefragt wurde aber auch nach der Verwendung von Spendengeldern, was bis heute unbeantwortet blieb. Dabei wäre diese Frage schon allein deshalb wichtig, weil die Finanzen jahrelang angespannt waren. So berichtete der Vorstandsvorsitzende Rüdiger Glauch auf der Mitgliederversammlung im Mai 2005 von finanziellen Engpässen, die damals in den Wintermonaten eingetreten sind. Drei Jahre später auf der Mitgliederversammlung war immer noch von einer notwendigen Haushaltssanierung die Rede. Verbindlichkeiten des Vereins sollten vorrangig abgebaut werden, damit „die dann noch freien Mittel gerechter auf die Förderprojekte des Vereins verteilt“ werden konnten. Diskutiert wurde auch die Zusammenarbeit mit dem heutigen Berliner Kinderhilfswerk: „Eine Handhabung wie bisher mit dem Father’s House OSW wo nahezu täglich Barmittel zur Bestreitung von Lebensmittel und anderen Einkäufen bereit gestellt werden soll es künftig nicht mehr geben.“

Prominente. Auch wenn es höchstens B-Promis sind, so werden vom Berliner Kinderhilfswerk doch einige bekanntere Namen als Schirmherr beziehungsweise Botschafter benannt. Der Produzent und Musikmanager Andy Moor wird als Schirmherr zitiert: „Helfen Sie mit, den Kindern unseres Landes eine Zukunft zu geben. Unterstützen können Sie unser Projekt mit einer Spende oder durch Ihre tatkräftige Mitarbeit.“ Als Botschafter des Vereins werden Helmut Bohlen, Conny Fröhlich, Rolf Eden und Uli Wegener aufgeführt.

CW-Meinung. Die hartnäckige Verweigerung einfache Fragen zu beantworten sowie Auskunft über die Verwendung der Spenden zu geben, ist nicht gerade Vertrauen erweckend. Geldgeber sollten vor einer Überweisung genau hinterfragen, was mit ihren Mitteln geschieht. Sollten auch sie keine plausiblen Auskünfte erhalten, ist Vorsicht angebracht.