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Für eine bessere Spendenkultur
6/29/2011 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Deutscher Spendenrat e.V.

Ist der Spendenrat nur ein Marketinggag?

Eigentlich ist die Grundidee hinter dem Deutschen Spendenrat sehr gut. Die Mitglieder unterzeichnen eine Erklärung, mit der sie sich zu Transparenz verpflichten. Einem Spender soll damit die Möglichkeit gegeben werden, sich ein eigenes Bild von den Mitgliedsorganisationen zu machen. Auch wenn man natürlich über die Tiefe der Informationen diskutieren kann, so wäre doch grundsätzlich ein sehr wichtiger Schritt getan. Doch wie sieht die Realität aus? CharityWatch.de hat in den letzten Monaten systematisch Mitglieder angeschrieben. Es wurden die Unterlagen erbeten, die eigentlich an „jedermann“ auf Anforderung zu senden wären. Das Ergebnis ist bisher erschütternd. Und das Schlimmste ist, dass der Spendenrat anscheinend nichts dagegen unternimmt.

Selbstverpflichtung. Derzeit weist der Deutsche Spendenrat rund 70 Mitglieder aus. Diese zahlen einen Jahresbeitrag an den „Dachverband spendensammelnder gemeinnütziger Organisationen“ und unterzeichnen eine Selbstverpflichtungserklärung: „Inhalt dieser Erklärung ist u. a. die Vermeidung von Werbung, die gegen die guten Sitten verstößt und der Verkauf von Spendenadressen. Ferner ist festgelegt, dass ein standardisierter Jahresbericht vorzulegen ist. Diesen Bericht kann jeder Interessierte bei dem jeweiligen Mitglied erhalten.“ Falls diese Verpflichtungen nicht eingehalten werden, kann der Verstoß einem Schiedsausschuss vorgelegt werden, der über Sanktionen entscheidet.

Praxis. Die schöne Theorie weicht leider deutlich von der Praxis ab. Zum Teil wissen die Mitgliedsorganisationen nicht einmal, was sie da unterzeichnet haben. Häufiger Punkt für Diskussionen ist eine so genannte Vier-Spartenrechnung, die dem Spender auf einen Blick zeigen soll, wie viel Geld in die einzelnen Satzungszwecke geflossen ist und wie hoch die Kosten für Werbung und Verwaltung waren. Dieses Herzstück der vorzulegenden Unterlagen können oder wollen zahlreiche Mitglieder nicht vorweisen. Einige haben die Darstellung erst wegen der CharityWatch.de-Anfrage angefertigt, obwohl sie seit 30. September 2010 für das Jahr 2009 vorliegen müsste.

Spendenrat. Konsequent wurden Verstöße gegen die Selbstverpflichtungserklärung dem Spendenrat vorgetragen. Antworten erfolgten verschleppt, ausweichend oder zum Teil überhaupt nicht. Am 6. April wurde deshalb der heutige Vorstandsvorsitzende Wolfgang Stückemann mit einer zusammenfassenden Anfrage zu 14 Organisationen konfrontiert. Obwohl nun schon fast ein Vierteljahr vergangen ist, erfolgte bis heute keine Antwort. Es ist auch nicht zu erkennen, dass die zum Teil eklatanten Verstöße beseitigt worden wären und im Hintergrund auf eine Einhaltung der Transparenzverpflichtungen gedrängt wurde. Im Gegenteil: Zwischenzeitlich sind neue Fälle aufgetreten, bei denen die angefragten Organisationen überhaupt nicht reagierten oder nicht bereit waren, korrekte Informationen zu liefern.

CW-Meinung. Der Spendenrat wirbt damit, dass der Spender durch den Nachweis einer Mitgliedschaft bei dem Dachverband „die gewünschte Sicherheit über die Seriosität der Organisation“ erhält. Es wird von Vertrauen gesprochen, das tendenziell das Spendenaufkommen für die Mitglieder erhöhe. Man könne sich durch eine Mitgliedschaft im Spendenrat auch deutlich von schwarzen Schafen abgrenzen. Sind das alles leere Worte? CharityWatch.de wird noch einige Wochen abwarten, ob sich durch die Neuwahlen beim Spendenrat am 22. Juni 2011 Verbesserungen ergeben. Wenn nicht, werden die einzelnen Kandidaten Stück für Stück öffentlich gemacht. Es darf schließlich nicht sein, dass mit falschen Versprechungen Geld gesammelt wird.