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Für eine bessere Spendenkultur
6/16/2011 von Karin Burger
Archivtext

Notdogge e. V.

Vorbildliche Transparenz und Kompetenz

Das Logo des Vereins
Notdogge e. V.

Vielen Tierfreunden nicht geläufig ist die Tatsache, dass aufgrund eines extrem hohen Outputs der offiziellen und inoffiziellen Zucht, Hunde der Rasse Deutsche Dogge sehr häufig als Tierschutzfälle auftreten. Das führt zu dem seltenen Phänomen, dass es bundesweit etwa fünf Tierschutz-Organisationen gibt, die sich ausschließlich um Deutsche Doggen kümmern. Ein Teil der Doggen-Schutz-Szene ist dabei weitgehend intransparent, teilweise von Spenden sammelnden Privatpersonen beherrscht. Aus dem Konglomerat dieser Akteure sticht der vergleichsweise junge Verein NotDogge e. V. deutlich positiv heraus: eine klar strukturierte Organisation mit nachweisbar demokratischen Abläufen, die sich explizit zur Transparenz bekennt. Nüchtern, sachlich und kompetent widmet sich NotDogge seinen Aufgaben und verzichtet dabei auf blinkende Spendenwerbung und bedrängende Leidensschilderungen.

Vereinschronologie. Der Verein NotDogge e. V. wurde 2005 von Peter Wiesseckel initiiert und gegründet. Nachdem der bekannte Doggenfreund im Februar 2010 ganz unerwartet verstarb, stellte sich für den jungen und von der engagierten Persönlichkeit des früheren Vorstandsmitglieds deutlich geprägten Verein die schwierige Aufgabe der Fortführung ohne den engagierten Frontmann. Mit klarem Blick auf das professionelle Ziel hat der Vereinsvorsitzende Dominik Daul den Verein durch diese schwere Zeit geführt und zusammen mit dem NotDogge-Team, zu dem auch die Witwe des Vereinsgründers Christine Wiesseckel in der Position der zweiten Vorsitzenden gehört, eine ganze Reihe Neuerungen eingeführt. Dazu gehört auch ein neuer Internetauftritt, der demnächst online gehen wird. Überdies arbeitet der Verein nach selbst gesetzten und transparent gemachten Qualitätsmaßstäben.

Uneingeschränkte Transparenz. Daul versteht es als Ausdruck selbstverständlicher Professionalität von Tierschutzvereinen, gemäß den Grundsätzen der Initiative Transparente Zivilgesellschaft die entscheidenden Vereinsabläufe für jedermann durchschaubar zu machen. Deshalb hat der Verein auch die Selbstverpflichtungserklärung der Initiative zur Offenlegung der entsprechenden Informationen unterzeichnet. Darüber hinaus kam NotDogge initiativ auf CharityWatch.de zu und hat alle erbetenen Unterlagen zur Verfügung gestellt.

Aufnahmekapazitäten. Der Verein betreibt kein Tierheim. Stattdessen verfügt er derzeit über 37 Pflegestellen und zwei Auffangstationen. Wie professionell und akribisch das „Zulassungsverfahren“ für Pflegestellen durchgeführt wird, zeigt sich in der Tatsache, dass von den aktuellen Pflegestellen noch neun „in Bearbeitung“ sind. Weit ab von den Gepflogenheiten der Szene werden bei NotDogge Pflegestellen gründlich und von kompetenter Seite auf ihre Eignung für diese nicht einfache Aufgabe hin geprüft. Dafür hat der Verein in demokratischen Verfahren Listen mit Kriterien und Kontrollmechanismen erstellt. Jeder Pflegeplatz wird maximal mit einem einzigen Hund belegt. Auf gar keinen Fall werden auf „normalen“ Pflegeplätzen Hunde mit Verhaltensauffälligkeiten untergebracht. Dafür stehen die beiden Auffangstationen in Ebersbach und Holtrop zur Verfügung. Auch hier hat sich der Verein aus Qualitätsgründen begrenzt und das frühere Volumen von vier Auffangstationen zurückgefahren.

Sachkunde. Selbstverständlicher Qualifikationsnachweis der Aufnahmestationen ist der Sachkundenachweis nach Paragraph 11 Tierschutzgesetz. Unter fachmännischer Begleitung von Hundetrainern werden verhaltensauffällige Doggen dort zunächst gründlich analysiert, bevor ein entsprechendes Trainingskonzept erarbeitet wird und das Fachteam die Entscheidung über die Vermittlungsfähigkeit des Hundes bespricht. Wie verantwortungsbewusst diese Entscheidung gefällt wird, lässt sich an der Tatsache belegen, dass NotDogge konsequent unsichere Hunde als nicht vermittlungsfähig ausweist und in seiner Obhut behält. Gerade für diese Hunde werden immer Paten gesucht, muss der Verein doch für diese lebenslang die Unterhaltskosten bestreiten.

Qualitätsvermittlungen. Ein NotDogge von anderen Doggen-Schutz-Organisationen abhebendes Kriterium ist zum Beispiel die Begrenzung der Vermittlungszahlen auf rund 30 bis 50 Hunde pro Jahr. Diese Selbstbeschränkung resultiert aus der Rücksichtnahme auf die finanziellen und personellen Ressourcen des Vereins und wird von Daul auch mit der geringen Anzahl der Interessenten begründet: „Selbst bei dieser geringen Anzahl Anfragen fallen etwa 50 Prozent aus qualitativen Gründen von vornherein weg. NotDogge vermittelt strikt unter der Prämisse Qualität geht vor Quantität.“ 2009 wurden 39 Hunde, im Vorjahr 42 Hunde vermittelt. Dazu gehören auch Vermittlungen über Tierheime und andere Tierschutzorganisationen, die in der Regel etwa 15 bis 20 Prozent der gesamten Vermittlungen ausmachen. Ein wesentliches Qualitätsmerkmal der NotDogge-Vermittlungen ist es des Weiteren, dass keine Abgabe ohne Informationsgespräch vor Ort erfolgt. Und diese Vorgespräche werden von kompetenten Doggenleuten durchgeführt, die sich dafür an einen Gesprächsleitfaden halten und über ihren Besuch einen schriftlichen Bericht verfassen. Das ist vorbildlich und bisher leider noch nicht Standard, auch nicht in der Doggen-Szene. Und beim Abgabevertrag zeigt sich ebenfalls die Professionalität des Vereins: Zwar werden die Hunde durch dezidierte Regelungen weit reichend geschützt, aber der Übernehmer wird nicht durch einen leider häufig üblichen Eigentumsvorbehalt in seinen Rechten verletzt.

Beratungsservice. Schon der Internetauftritt des Vereins überzeugt: Eine klar strukturierte Seite benennt vielseitige Hilfsangebote für Doggenbesitzer und –interessenten. Längliche Selbstdarstellungen einzelner Akteure sucht man dort ebenso vergeblich wie die tränenreiche Darstellung von Leidensgeschichten. Die in der Vermittlung stehenden Hunde werden mit informativen Sachtexten und unter Benennung des jeweiligen Ansprechpartners vorgestellt. Verschiedene Videos machen Interessenten die Eindrücklichkeit und den Raumbedarf der hier zur Disposition stehenden Rasse anschaulich. Doggenfreunde können sich umfassend über die Rasse informieren, verschiedene Anträge, Fragebogen und Flyer können downgeloaded werden. Unter „Links“ findet sich eine Liste bundesweiter Gutachter, Sachverständiger und Trainer. Überdies bietet NotDogge unter einer 0700-Hotline-Nummer Beratungsservice an, der nach Angabe Dauls sehr gut in Anspruch genommen werde. Hier gehen regelmäßig Anfragen zur Doggenhaltung, Erziehung, Gesundheit und Ausbildung ein.

Finanzen. NotDogge ist ein Verein (rund 200 Mitglieder) mit Zukunft; das belegen auch die Zahlen. Trotz Wirtschaftskrise ist es dem gut organisierten Team gelungen, seine Einnahmen von 26.469 Euro 2009 auf 33.802 Euro im Vorjahr zu steigern. Knapp die Hälfte davon resultiert aus Spenden. Bei einer durchschnittlichen Schutzgebühr von 250 Euro für eine vermittelte Dogge besetzt dieses Konto mit 4.300 Euro 2010 ein kleineres Feld. Leider aber sind nicht nur die Einnahmen, sondern auch die Ausgaben 2010 drastisch gestiegen. Den 23.410 Euro 2009 stehen im Folgejahr 37.589 Euro gegenüber. Die größten Posten nehmen die Tierarztkosten mit rund 18.600 Euro sowie die Pflegekosten mit über 6.600 Euro ein. Jeder Pflegeplatz des Vereins erhält monatlich im Voraus eine Pflegekostenpauschale von 70 Euro. Tierarztkosten werden vom Verein extra übernommen sowie auch eine Haftpflichtversicherung. Als Kostendämpfungsfaktor bewertet Daul eine Operationskostenversicherung. Ein weiterer Ausgabeposten sind 1.200 Euro Pachtgebühren für die Auffangstationen. NotDogge gibt keine Gelder für die Anwerbung von Mitgliedern und Spenden aus. Die Kosten für Büro- und Verwaltung liegen unter drei Prozent. Dieser Verein dürfte also zu Recht damit werben, dass fast jeder Euro bei den Doggen ankommt. Er tut es aber gar nicht. Seriös und bescheiden ist rechts auf der Website das Spendenkonto genannt.

CW-Meinung. NotDogge ist ein absolut transparenter Verein mit demokratischen Strukturen und von überzeugender Professionalität. Die Tierschützer beschränken sich nüchtern auf ihre Kernaufgabe und bieten ein breites Informations- und Hilfsangebot für Doggenfreunde und –besitzer sowie jene, die es noch werden wollen. Unter Leitung ihres professionell auftretenden ersten Vorsitzenden, der profund über alle Vereinsbereiche Auskunft erteilen kann, überzeugt diese rassespezifische Tierschutzorganisation durch modernen und kompetenten Tierschutz. Im heiklen Geflecht der Doggenszene mit zwei Zuchtverbänden, die sich nur äußerst bedingt auf die Kooperation mit dem Tierschutz einlassen, bewegen sich Daul und sein Team „pragmatisch zum Wohl der Doggen“. Von den anderen doggenspezifischen Tierschutzorganisationen unterscheidet sich NotDogge e. V. durch seinen zielorientierten Ansatz statt radikal-fundamentalistischer Einstellungen und Methoden. Hier sind Strukturen und Abläufe klar, die Führung auf Entscheiderebene geschlossen. Es gibt eindeutige Ansprechpartner, nach Aufgaben und Qualifikationen unterschieden. Moderner Tierschutz mit Qualität statt Quantität in allen Bereichen. Spenden an NotDogge e. V. sind dort gut aufgehoben.

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