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Für eine bessere Spendenkultur
3/14/2011 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Children’s Charity of Vietnam (Deutschland) gGmbH

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Verbreitete Kinderarmut in Vietnam
Bild: Stefan Loipfinger

Seit vielen Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover bei der gemeinnützigen GmbH Children’s Charity of Vietnam (Deutschland). Interessant ist, dass im Zusammenhang mit Children’s Charity of Vietnam einige bekannte Namen auftauchen. So war zum Beispiel Dr. Guido Plassmeier von der Kanzlei Schmitz Knoth mit der Gründung des Vereins beauftragt worden. Genge und Schmidtmeier aus Bad Pyrmont tauchen als Steuerberater auf. Dieselben Namen finden sich bei anderen, zweifelhaften Organisationen.

Gründung. Die heute 71-jährige Marianne Young Sheats beauftragte 2005 den Rechtsanwalt Dr. Guido Plassmeier von der Sozietät Schmitz Knoth mit der Gründung von Children’s Charity of Vietnam (Deutschland). Er bestellte die alleinige und in Kalifornien, USA, lebende Gesellschafterin Sheats zur Geschäftsführerin. Ansässig war die gemeinnützige GmbH (gGmbH) in der Charlottenstraße 18 und in der noblen Friedrichstraße 90 in Berlin. Damit Sheats Geschäfte mit sich selbst abschließen konnte, wurde die Kalifornierin von den Beschränkungen des Paragraphen 181 BGB befreit. Wer davon befreit ist, darf als Geschäftsführer einer Firma Verträge mit sich selbst abschließen. Dadurch könnte er sich ohne angemessene Kontrollinstanzen am Vermögen der Firma bereichern. Zu diesen so genannten In-Sich-Geschäften schreibt zum Beispiel Wikipedia: „Es liegt auf der Hand, dass mit derartigen Insichgeschäften eine große Gefahr des Missbrauchs einhergeht.“

Hilfsziele. Zweck der Gesellschaft sollte die “Unterstützung für bedürftige Kinder, insbesondere durch Befriedigung der Grundbedürfnisse für ein menschenwürdiges Überleben und die Möglichkeit zu einer ausgewogenen Erziehung und Bildung” sein. Wie häufig bei Organisationen, die Kosten für Briefmailings als satzungsgemäße Ausgaben verbuchen wollen, wurde die Information der Öffentlichkeit über die Bedürftigkeit vietnamesischer Kinder als weiterer Zweck definiert. Ob und in welchem Maße davon Gebrauch gemacht wurde, lässt sich nicht eruieren. CharityWatch.de hatte schon Anfang des vergangenen Jahres eine Anfrage zu Jahresbericht und Finanzzahlen gestellt. Sie kam unbeantwortet zurück.

Staatsanwaltschaft. Im Rahmen von Hausdurchsuchungen haben 110 Beamte vor einem Jahr kistenweise Unterlagen beschlagnahmt. Der Vorwurf lautete: Verdacht der zweckwidrigen Verwendung von Spendengeldern, da 80 Prozent der Einnahmen für Verwaltung und Werbung aufgewendet wurden. Beschuldigt werden Personen, die für eine „gute Handvoll“ von genauer durchleuteten Organisationen tätig waren. Dies bestätigte im vergangenen Jahr Oberstaatsanwalt Manfred Knothe auf Anfrage. Betroffen von den Durchsuchungsaktionen waren zudem Dienstleistungsfirmen, die bei den Charityorganisationen als Auftragnehmer tätig waren. Dazu zählten ein Fundraiser und eine Steuerberatungskanzlei.

CW-Meinung. Eine amerikanische Staatsbürgerin als Gesellschafterin und Geschäftsführerin einer deutschen Spendenorganisation beauftragt mit der Gründung einen teuren Anwalt – Dr. Guido Plassmeier von der Sozietät Schmitz Knoth. Post an die Organisation ging direkt an Schmitz Knoth in Berlin. Dazu die Kanzlei Genge und Schmidtmeier als Steuerberater.