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Für eine bessere Spendenkultur
3/7/2011 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Entstrickung e.V.

Missbrauch des sexuellen Missbrauchs?

Aufklärungsbroschüren im Set
Bild: Entstrickung e.V.

„Entstrickung Verein zur Prävention sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen e.V.“ ist nicht als gemeinnützig anerkannt. Die von Vorstand Theo Wenig geleitete Organisation missbraucht das Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern knallhart für geschäftliche Zwecke. Laut DZI floss im Jahr 2009 nicht einmal ein Drittel des Jahresbudgets in die Prävention sexuellen Missbrauchs. Umso mehr erstaunt es, dass die Homepage des Vereins der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, Abteilung Benediktbeuern, gehörte.

Verein. Seit 1998 leitet Theo Wenig den 1996 gegründeten Verein als Vorsitzender. Zweck ist die Verhinderung und Bekämpfung der Ausbeutung und des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen. In 2008 verminderte sich der Mitgliederbestand gegenüber dem Vorjahr erheblich auf 1.200. Durchaus verständlich, gibt es laut Satzung keine Mitbestimmungsrechte, die es den Mitgliedern ermöglichen, in die Machenschaften des Vorsitzenden Wenig einzugreifen. Auch über die Vorstandsbesetzung bestimmen nur wenige Personen. So wurde Wenig 2009 von gerade einmal zehn Personen ohne Gegenstimme wiedergewählt.

DZI. Der Vorsitzende führt den Verein vollkommen intransparent. Nicht ohne Grund scheint sich Theo Wenig zu weigern, die Verwendung der Mitgliedsbeiträge und Spenden öffentlich zu machen. Vielleicht fürchtet er, die Fördermitglieder könnten von der zweifelhaften Verwendung ihrer Gelder erfahren. Stattdessen werden sie mit einem Hinweis auf das DZI in die Irre geführt: „Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin, erhält jährlich von unserem Verein, den von einem Steuerberatungsbüro erstellten Jahresabschluss und das Protokoll von der Mitgliederversammlung, zur Prüfung und Kenntnisnahme zugesandt.“ Die Formulierung stammt aus einem Rundschreiben an die Fördermitglieder. Sie bedeutet nicht, dass der Verein das bekannte Spenden-Siegel führen darf. Ebenso wenig ist mit der „Prüfung“ eine Aussage über die ordnungsgemäße Mittelverwendung verbunden. Das DZI warnt nur in Ausnahmefällen vor einer Organisation. Im Fall Entstrickung müsste ein Unterstützer aktiv eine DZI-Meinung anfragen. Dann allerdings erhält er eine zweiseitige Einschätzung mit dem Hinweis, dass eine Förderung des Vereins nicht empfohlen werden kann. Doch die wenigsten machen von dieser Möglichkeit Gebrauch und erfahren so von der zweifelhaften Mittelverwendung. Der Verein nutzt mit der beschriebenen Formulierung geschickt eine Schwäche des DZI. Denn der Auftrag des Verbraucherschutzes lässt sich aufgrund der knappen finanziellen Zuwendungen aus öffentlicher Hand leider nur eingeschränkt wahrnehmen.

Mittelverwendung. Im Jahr 2008 betrugen die Ausgaben des Vereins 129.000 Euro. Das Folgejahr lag darunter. Eine genaue Zahl ist der DZI-Auskunft nicht zu entnehmen. Eindeutig zeigt sich hingegen die Zusammensetzung der Ausgaben. Allein die Positionen „Verwaltungskosten, sonstige Kosten“ und „Provisionen Mitgliederwerbung“ verschlangen über zwei Drittel der Gesamtausgaben des Jahres 2009. Hinzu kommen weitere Ausgaben in Höhe von mehreren Tausend Euro, die nach DZI-Einschätzung ebenfalls den Werbe- und Verwaltungskosten zuzuordnen sind. In Summe floss also weit weniger als ein Drittel des Jahresbudgets in die Prävention sexuellen Missbrauchs.

Fenestra. Seit Jahren unterstützt Entstrickung die Arbeit der Forschungsstelle Fenestra. Diese ist an der Katholischen Stiftungsfachhochschule in München, Abteilung Benediktbeuern, Fachbereich Sozialwesen angesiedelt. Verantwortlich für Fenestra ist Prof. Dr. Günther Schatz. Er lehrt an der Katholischen Stiftungsfachhochschule und hatte dort auch einige Zeit die Funktion des Dekans inne. Erstaunlicherweise bestreiten sowohl Schatz als auch Lisa Zeidler von der Pressestelle der Stiftungsfachhochschule eine Kooperation mit Entstrickung. Tatsache ist jedoch, dass ein EDV-Mitarbeiter der Hochschule die Homepage von Entstrickung programmierte. Eingetragen als Domaininhaber war bis vor kurzem die Katholische Stiftungsfachhochschule München, Abteilung Benediktbeuern. Der EDV-Mitarbeiter trug sich zudem bei der Registrierungsstelle Denic als technischer Ansprechpartner der Homepage von Entstrickung ein. Als administrativer Ansprechpartner war eine zwischenzeitlich pensionierte Sekretärin der katholischen Stiftungsfachhochschule angegeben. Trotzdem will die Forschungsstelle nichts mit dem Verein Entstrickung zu tun haben. Angeblich wusste Prof. Schatz nicht einmal, dass bereits auf der Startseite der Organisation eine Kooperation mit Fenestra werblich heraus gestellt wird. Schatz nahm die Gelder von Entstrickung für das Forschungsprojekt Fenestra, obwohl er wusste, dass der Verein nicht als gemeinnützig anerkannt ist.

Werbung. Für die Mitgliederwerbung war bis zum Jahr 2008 eine L & W Direkt Marketing GmbH zuständig. Geschäftsführer und Gesellschafter der 2005 gegründeten GmbH ist ein Michael Wagner. Fragen zu den Bedingungen der Zusammenarbeit und den Gründen von deren Beendigung wollte Theo Wenig nicht beantworten. Vielleicht lag es an den zweifelhaften Methoden der Mitgliederwerbung, wie sie Dr. Bernhard Pfletschinger in einem Radiofeature für die ARD beschreibt. Auch den Namen der nun für den Verein arbeitenden Werbeagentur nannte der Vereinsvorstand nicht.

CW-Meinung. Der Verein Entstrickung täuscht seine Unterstützer mit vollmundigen Versprechen: “Wir investieren Ihre Gelder sinnvoll in qualitatives, wissenschaftlich erarbeitetes Präventionsmaterial und zur Aufrechterhaltung der praxisorientierten Forschungsarbeit.“ Die Katholische Stiftungsfachhochschule profitiert davon, bestreitet jedoch das Vorhandensein einer Kooperation mit dem zweifelhaften Verein. Angesichts der Fakten erscheint diese Behauptung nicht glaubwürdig. Theo Wenig, Vorstand von Entstrickung, verweigert Angaben zur Verwendung der Spenden und Mitgliedsbeiträge.

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