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Für eine bessere Spendenkultur
1/12/2011 von Karin Burger
Archivtext

Tierschutzverein Leipziger Land e.V.

Ein Tierschutzverein als Familienunternehmen

Hunde wurden illegal importiert
Bild:©Charles Dykstra-Fotolia.com

Beim Tierschutzverein Leipziger Land werden kritische Fragen nicht beantwortet. Und zu solchen Fragen besteht jede Menge Anlass. Der Verein und Betreiber des Tierheims Oelzschau ist Mitglied im Bundesverband Tierschutz. Der gesamte Vorstand des Vereins liegt fest in der Hand der Familie Henkel. Diese Familie führt ohne die notwendigen Genehmigungen in großem Stil Hunde aus verschiedenen europäischen Ländern nach Deutschland ein. Dabei wurden diese Importe lange Zeit nicht von der Vereinssatzung gedeckt. Vorliegende Protokolle von Mitgliederversammlungen werfen weitere Fragen auf. Nach einem Fernsehauftritt des Vereins bestehen erhebliche Zweifel an der Sachkunde. Erst zukünftig kann sich dieser Tierschutzverein nach Ministeriumsauskunft legal auf den gewerblichen Welpenhandel spezialisieren.

Vetternwirtschaft. Die wichtigsten Vorstandsämter des Tierschutzvereins Leipziger Land sowie die Tierheimleitung liegen fest in der Hand der Familie Henkel. Erste Vorsitzende des Vereins ist Elvira Henkel. Damit ist sie gleichzeitig Arbeitgeberin und Aufsichtsorgan ihres Ehemannes Holger Henkel, der als Leiter des Tierheims Oelzschau fungiert. Wie hoch das Gehalt ist, das seine Frau ihm aus Spendengeldern dafür bezahlt, ist aufgrund verweigerter Auskunft nicht bekannt. Die Schatzmeisterin des Vereins ist Tochter Sandra der Eheleute Henkel. Damit sind die drei wichtigsten Positionen des Vereins unter der Kontrolle einer Familie. Auch die Zugehörigkeit dieses Vereins zum Bundesverband Tierschutz, der zwar Mitglied des Spendenrats ist, seine Transparenzverpflichtung jedoch nicht einlöst, wird zum Kritikpunkt.

Illegale Hundeimporte. Seit acht Jahren führt der Tierschutzverein Leipziger Land im großen Umfang Hunde aus dem Ausland nach Deutschland ein. Allein aus Rumänien werden nach Angaben von Elvira Henkel jährlich 40 bis 50 Hunde importiert. Die dortige Zusammenarbeit mit der früher schon stark in Kritik geratenen Tierschützerin Ute Langenkamp (Tierhilfe Hoffnung e.V.), die in Rumänien das angeblich größte Tierheim der Welt, die „Smeura“, mit ständig rund 3.600 Hunden betreibt, bleibt undurchsichtig. Dazu kommen nicht genehmigte, nicht gemeldete und nicht kontrollierte Hundeeinfuhren aus Spanien, Portugal, Griechenland, Kroatien und dem Kosovo. Wie die Rückfrage beim zuständigen Veterinäramt des Landratsamts Landkreis Leipzig ergab, verfügt der Verein nicht über die nach EU- und deutschem Recht für solche Einfuhren vorgesehenen Genehmigungen. Die Tiertransporte werden auch nicht, wie vorgeschrieben, an das Traces-System gemeldet. Vollkommen rechtswidrig ist die Einfuhr viel zu junger, kranker und nicht geimpfter Welpen aus Spanien.

Späte Satzungsänderung. Die Einfuhr der Hunde aus dem Ausland nach Deutschland war für die Vergangenheit nicht von der Satzung des Vereins gedeckt. Erst in der Mitgliederversammlung vom 26. April 2010 wurde die Satzung entsprechend geändert. Dabei ist das Protokoll dieser Mitgliederversammlung so mangelhaft, dass es nicht dokumentiert, wie viele stimmberechtigte Mitglieder des Vereins anwesend waren. Auch das Abstimmungsergebnis zum Tagesordnungspunkt 8 „Satzungsänderung“ ist nicht protokolliert und damit in seiner Rechtswirksamkeit nicht überprüfbar.

Abwesender Kassenprüfer. Doch damit sind die Merkwürdigkeiten der letztjährigen Mitgliederversammlung noch nicht zu Ende. Die Schatzmeisterin Sandra Henkel war bei diesem wichtigen Termin nicht anwesend. Von der Mitgliederversammlung 2009 waren als Rechnungsprüfer der Rechtsanwalt Bernd Seidel und Andrea Kunze bestimmt worden. Wie das Protokoll der Mitgliederversammlung 2010 dokumentiert, hat Bernd Seidel aber keine Prüfung durchgeführt. Die Kassen- und Kassenbuchführung erfolgte nur durch Andrea Kunze. Ob und in welchem Verwandtschaftsverhältnis die Kassenprüferin zur Protokollantin Waltraud Kunze steht, ist nicht bekannt.

Fernsehauftritt. Im September 2010 stellte der Tierschutzverein Leipziger Land in der fünfteiligen Doko-Soap „Leben für 4 Pfoten“ des Mitteldeutschen Rundfunks seine Arbeit dar. Ein Thema dabei waren auch die Hundeimporte aus Rumänien. Des Weiteren wurde die Arbeit im Tierheim Oelzschau porträtiert. Viele der gezeigten Szenen lassen Zweifel an der Sachkunde der Tierheimverantwortlichen aufkommen. So wurde beispielsweise mehrfach gegen Quarantänebestimmungen verstoßen. In einer schockierenden Szene wurde vor laufender Kamera ein Pensionshund, der erst am Tag zuvor von Tierheimleiter Holger Henkel aufgenommen worden war, eingeschläfert.

Zweifelhafte Sachkunde. CharityWatch.de hat das zuständige Veterinäramt schon Anfang Oktober 2010 mit einer detaillierten Liste der in der Fernsehsendung dokumentierten Sachkundemängel konfrontiert und um Stellungnahme gebeten. Nach über drei Monaten und mehreren Nachfragen beantwortet die Behörde die detaillierte Anfrage über das sächsische Staatsministerium mit einem einzigen Satz: „Die Überprüfung des Veterinäramtes hat ergeben, dass im Tierheim mehrere sachkundige Personen regelmäßig und in angemessener Dauer anwesend sind.“ Wie die festgestellten Verstöße gegen allgemeine Quarantänebestimmungen, wie der rohe Umgang mit verwilderten Jungkatzen und wie die Aufnahme eines todkranken Pensionshundes in ein Tierheim mit dieser Sachkunde in Einklang zu bringen sind, dazu gibt das Ministeriumsschreiben keine Auskunft.

Legalisierter Welpenhandel. Indirekt bestätigt das Ministerium jedoch, dass die in der Fernsehsendung zu sehenden und aus Spanien ungeimpft und viel zu jung importierten Welpen illegal eingeführt wurden. Das Tierheim Oelzschau wurde jetzt von den Behörden aufgefordert, bis Ende Januar 2011 einen Antrag auf Genehmigung gemäß Paragraph 11 Absatz 2 Nummer 3b des Tierschutzgesetzes zum gewerblichen Handel mit Tieren zu stellen. Die Zukunftsperspektive dieses Tierschutzvereins formuliert das Schreiben so: „Dies ist die Voraussetzung, unter der der Handel mit Welpen aus Spanien für das Tierheim grundsätzlich legal möglich wäre.“

Intransparenz. Schon vom ersten Kontakt an hat Elvira Henkel die Herausgabe eines Jahresberichts inklusive Finanzzahlen verweigert. Wiederholten schriftlichen Aufforderungen zur Beantwortung einer ganzen Liste von Einzelfragen ist der Verein nicht nachgekommen. Im weiteren Verlauf der Kommunikation wurde die Annahme von Briefen verweigert. Der Tierschutzverein Leipziger Land macht weder seine Arbeit noch seine Zahlen transparent. In ungewöhnlicher Fülle erreichten CharityWatch.de Beschwerden von verschiedenen Tierfreunden im Raum Leipzig, die auch für die Vergangenheit mangelnde Transparenz und Kritikfähigkeit dieses Vereinsvorstands beklagen.

CW-Meinung. Es spricht nicht für die Seriosität eines Vereins, wenn Regularien, die in allen anderen Gesellschaftsbereichen längst selbstverständlich sind, missachtet werden. Die verschiedenen Organe eines Vereins sollen sich gegenseitig kontrollieren. Diese Kontrolle ist stark eingeschränkt, wenn alle wichtigen Positionen von einer Familie besetzt werden.
Ein Tierheimleiter ist eine von Spendengeldern bezahlte Fachkraft. Wenn auch nur die geringsten Zweifel an der Sachkunde dieser Fachkraft auftauchen, muss der Aufsicht führende Vereinsvorstand von sich aus alle Anstrengungen unternehmen, um diese Zweifel auszuräumen. Das Gegenteil ist beim Tierschutzverein Leipziger Land der Fall.
Zu modernem und effizientem Auslandstierschutz gehört weit mehr, als arme Hunde aus dem Ausland nach Deutschland zu bringen. Ohne Strukturhilfe vor Ort werden so Spendengelder dafür missbraucht, das Tierleid fortzusetzen.
Der Tierschutzverein Leipziger Land unter der aktuellen Vereinsführung verstößt gegen so viele Grundsätze modernen und transparenten Tierschutzes, dass vor Spenden an diesen Verein gewarnt werden muss.