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Für eine bessere Spendenkultur
11/15/2010 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Familienschutzwerk e.V.

Wie viel kommt bei hungrigen Kindern wirklich an?

Ein selbst kreiertes Spendensiegel
Bild: Familienschutzwerk

Wer mit einem selbst kreierten Spendensiegel Geld akquiriert, ist höchstwahrscheinlich unseriös. Der Verein Familienschutzwerk aus Berlin wirbt mit „staatlich geprüft und anerkannt als: gemeinnützig und besonders förderungswürdig“. Diese steuerliche Formulierung täuscht allerdings den Spender, da damit keine Prüfung wie bei einem DZI-Spendensiegel verbunden ist. Verstärkt wird dieser Verdacht durch Hinweise von einem Insider, wonach angeblich bis zu 30 Fundraiser für den Verein spenden sammelten. Konkrete Fragen dazu wollte der Verein nicht beantworten, der seit Wochen telefonisch nicht erreichbar ist. So bleibt unklar, wofür die Spenden wirklich verwendet werden.

Verein. Laut Satzung gehören zum Familienschutzwerk die Stadtverbände in Berlin und Hamburg. Geholfen werden soll hungrigen Kindern durch die Einrichtung einer Kinderküche. Hausaufgabenhilfe gehört ebenso zum Vereinszweck wie die Hilfe für missbrauchte Kinder und Missbrauchsvorbeugung. Neben dem Schutz von Familie ist in der Satzung die Kampagnen-, Bildungs und Aufklärungsarbeit aufgeführt. Diese Zwecke kann der Verein mit seinem Vorstand Phil Schneider selbst erfüllen oder durch Hilfspersonen ausführen lassen.

Finanzen. Wenig aussagekräftig ist die Jahresrechnung des Vereins für 2008. So wurden zum Beispiel 23.600 Euro von gesamten Spendeneinnahmen in Höhe von 41.200 Euro für Bildungsarbeit ausgegeben. Was sich genau dahinter verbirgt, wollte der Vorstand auf Anfrage nicht mitteilen. Dabei wäre es sehr wichtig zu wissen, wie die Kosten für Spendenwerbung genau verbucht werden. Außerdem wären aktuelle Informationen zu einer vom Wirtschaftsprüfer im Jahresabschluss 2008 vorgenommenen Einschränkung interessant. Er monierte eine nach den Grundsätzen der getreuen Rechenschaftslegung nicht zeitnahe Erstellung der Vermögensübersicht. Außerdem lieferte der Vorstand keine Fortführungsprognose, so dass der Wirtschaftsprüfer im Februar 2010 Fragen bezüglich einer möglichen Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung aufwarf.

CW-Meinung. Der Verein ist wochenlang telefonisch nicht erreichbar und beantwortet keine Fragen. Er wirbt mit einem Spendensiegel, das nicht von einer Verbraucherschutzorganisation wie dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) ausgestellt wurde. Außerdem wirft ein Wirtschaftsprüfer im Februar 2010 in seinem Bestätigungsvermerk für 2008 Fragen über eine möglicherweise angebrachte Insolvenz auf. Auch ohne die nicht näher verifizierbaren Vorwürfe eines Insiders sind Zweifel an einer ordnungsgemäßen Spendenverwendung angebracht.


Nachtrag vom 3. Mai 2012. Das Familienschutzwerk hat aufgrund der Kritik von CharityWatch.de Dinge verändert. Nachfolgend wird deshalb als Nachtrag zu dem obigen Bericht die Mail des Vereinsvorsitzenden Phil Schneider zur Information wiedergegeben, damit sich jeder Interessierte selbst eine eigene Meinung bilden kann. Die geforderten Löschungen an dem Bericht vom 15. November 2010 werden aber nicht vorgenommen, da zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die Kritikpunkte korrekt waren. Beispielsweise wurden wichtige Fragen von CharityWatch.de damals nicht beantwortet und telefonische Anrufe endeten darin, dass nicht abgehoben wurde. Außerdem rät CharityWatch.de auch weiterhin von Spenden an das Familienschutzwerk ab, da auch der Wirtschaftsprüferbericht für 2010 keine ausreichenden Informationen über die Mittelverwendung enthält. Eine Zusammenfassung der Ausgaben in „Kinderhilfe, Aufklärung und Prävention“ ermöglicht zum Beispiel keine Beurteilung, wie viel Geld von den Spendeneinnahmen in direkte Kinderhilfe floss.

E-Mail von Phil Schneider vom 28. April 2012.
Sehr geehrter Herr Loipfinger.
Das Familienschutzwerk hat seinen Internetauftritt vollständig überarbeitet und veröffentlicht nun jährlich ein Wirtschaftsprüfertestat.
Ich hoffe, dass der Verein damit Ihrem Wunsch nach mehr Transparenz entgegen kommt.
Auch verwendet der Verein nicht mehr die von Ihnen kritisierte und als Spendensiegel angesehene Grafik und auch die von Ihnen zu recht kritisierte „nicht zeitnahe Erstellung der Vermögensübersicht“ wird mittlerweile immer zeitnah erstellt.
Ich bitte Sie freundlich um die kulante Entfernung folgender Punkte des Berichts:
• selbstkreiertes Spendensiegel
• der Verein täuscht die Spender
• Wirtschaftsprüfer hat die Frage nach einer Insolvenz aufgeworfen
• Zweifel an ordnungsgemäßer Spendenverwendung sind angebracht
• Ein Insider hat Vorwürfe erhoben
• Der Verein beantwortet keine Fragen
• Der Verein ist wochenlang telefonisch nicht erreichbar
Anbei eine detaillierte Darstellung meiner Sichtweise.
Sonnige Grüße und ein schönes Wochenende, Ihr
Phil Schneider, Vereinsvorsitzender