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Für eine bessere Spendenkultur
11/2/2010 von Mia Bruckmayer
Archivtext

Uhuru e.V. - gemeinsam für Kinder in Kenia

Völkerverbindende Initiative

Straßenkinder in Kenia
Bild: Uhuru e.V.

Existenznot, Perspektivlosigkeit und Krankheit. Dies sind geläufige Schlagworte, die mit Afrika in Verbindung gebracht werden. Große Summen fließen in das Schwellenland. Manch Spender weiß nicht mehr zu unterscheiden, ob er mit seiner Hilfe die Abhängigkeiten schürt oder sich für nachhaltige Projekte einsetzt. Die Studenteninitiative Uhuru e.V. hat sich zu einem Hilfsprogramm entwickelt, die die Hilfe zur Selbsthilfe in den Vordergrund stellt. Der interkulturelle Austausch liegt dem Gründer und ersten Vorsitzenden Jonas Phum am Herzen. Jedes Jahr werden Praktikanten - 2009 waren es vier - in Kisumu/Kenia eingesetzt, um in dem Projekt mitzuarbeiten und zu lernen. In Deutschland wird auf ehrenamtliches Engagement und günstige Kosten geachtet. Das Ergebnis 2009: nur 6,4 Prozent Werbe- und Verwaltungskosten.

Entstehungsgeschichte. Kisumu ist eine Hafenstadt mit 323.000 Einwohnern. In der drittgrößten Stadt in Kenia leben 60 Prozent der Einwohner in absoluter Armut. So wuchs auch Davies Okombo in einem Vorstadtslum auf. Der heutige Sozialarbeiter leitet seit 2002 das „Uhuru Community Development Project“ in Kisumu. Im Jahr 2005 lernte er den Deutschen Jonas Phum kennen, der ein dreimonatiges Praktikum in dem Projekt absolvierte. Zu diesem Zeitpunkt wusste der junge Student noch nicht, dass er mehr als nur ein spannendes Thema für seine Diplomarbeit gefunden hatte. Noch im gleichen Jahr gründete er den Förderverein „Uhuru- für Kinder ohne Hoffnung“ mit Sitz in Stuttgart. Der heutige Sozialpädagoge Phum war seit der Gründung vor fünf Jahren mehrmals in der Zielregion – teilweise bis zu drei Monate. Vor Ort überzeugte er sich selbst vom Fortschritt und der Entwicklung der Projekte. Fast alle dadurch entstanden Kosten bezahlte er aus der eigenen Tasche.

Förderverein. Mit 51 zahlenden Mitgliedern hat der Verein aktionsfreudige Mitstreiter gefunden. Ob Konzerte oder Weihnachtsmärkte - die Mitglieder bringen Information unter die Leute. Zentrale Schaltstelle des Vereins ist allerdings Jonas Phum. Die zweite Vorsitzende Kathrin Masha betreut das Patenschaftsprogramm. Sahra Puhm, die Ehefrau des Vorsitzenden, kümmert sich um die Praktikantenbetreuung und den regelmäßigen Austausch mit den Volontären. Alle Mitarbeiter in Deutschland arbeiten ehrenamtlich. Das Büro des Vereins wird von zu Hause aus geführt.

Streetwork. Das Straßenkinderprogramm betrifft Kinder und Jugendliche in Kisumu. Das Ziel dieses Projektes ist die „Straßenkarrieren” zu verhindern, indem die Sozialarbeiter Kontakt zu den Kindern und Jungendlichen herstellen und eine individuelle Hilfe für die Betroffenen anbieten. In regelmäßigen Treffen und Gruppenarbeit wird Beratung angeboten, um eine berufliche Zukunft und Reintegration in Familie oder Kinderheime mit Schulbesuch zu ermöglichen. Auch eine medizinische Versorgung wird angeboten. Rund 300 Kindern und Jugendlichen wurde im letzten Jahr der Weg in eine selbst bestimmte Zukunft geebnet. 24 Patenschaften ermöglichten eine Ausbildung an der Highschool.

Slum Manyatta. Ein weiteres Augenmerk liegt auf einem Stadtteil von Kisumu, dem Slum Manyatta. 60 Prozent der rund 50.000 Einwohner leben in existenzieller Armut. Der Gründer von Uhuru Community Development, Davies Okombo, wuchs selbst in diesem Slum auf. Trotz der widrigen Umstände ziehen immer mehr Kenianer dort hin, weil sie sich ein besseres Leben durch Arbeit in der Großstadt erhoffen. Doch die Chancen auf einen legalen Arbeitsplatz sind äußerst gering und der Teufelskreis der Armut nimmt häufig seinen Lauf. Um diese Existenzarmut zu schmälern, bietet Uhuru Bildungspatenschaften an, setzt sich für das Gesundheitswesen und eine Wasserversorgung ein. In dem Stadtteil Manyatta gibt es kaum eine Familie, die nicht von dem tödlichen Virus Aids betroffen ist. Die Auswirkungen sind nicht nur die finanzielle Not der Hinterbliebenen, sondern auch traumatischen Folgen. Vor allem Mädchen und Frauen haben in dieser Region keine Perspektiven. Um ihnen eine Möglichkeit für ein selbstständiges und unabhängiges Leben zu eröffnen, bietet Uhuru eine Ausbildung zur Schneiderin an. Auch Kleinkredite werden an Frauen vergeben, damit sie sich selbstständig machen können. Allgemein formuliert umfasst die die Arbeit der Sozialarbeiter in der Slumregion Manyatta: Aufklärung, Beratung und finanzielle Unterstützung von Betroffenen in allen Lebenslagen.

Praktikantenprogramm. Auf eigene Kosten engagieren sich junge Studenten in dreimonatigen Praktikas in den Projekten. Davies Okombo betreut die Volontäre und hilft ihnen, sich mit der fremden Kultur auseinander zu setzen. In Gruppenarbeiten und selbst organisierten Festen ist Eigeninitiative ist gefragt. Kathrin Masha war selbst als Praktikantin vor Ort und betreut heute das Patenschaftsprogramm von Deutschland aus. „Die vielseitigen, neuen, spannenden, traurigen und wunderschönen Erfahrungen und Eindrücke bereichern mein Leben ungemein“, so Masha.

Finanzen. Im Jahr 2009 wurden 56.300 Euro an Einnahmen verzeichnet. Rund die Hälfte stammt aus Einzelspenden, 9.700 Euro aus Patenschaftsbeiträgen und 9.900 Euro kamen von Dauerspendern. Die gesamten Ausgaben beliefen sich im vergangenen Jahr auf 51.300 Euro. Der Großteil von 48.000 Euro floss nach Kenia und nur 3.300 Euro wurden in Deutschland ausgegeben. Mit 6,4 Prozent lagen die Verwaltungs- und Werbeaufwendungen damit im sehr günstigen Bereich. Von den Ausgaben in Kenia flossen 8.900 Euro in das Straßenkinderprojekt. Für die Waisenkinder (Patenschaften) wendete der Verein 12.400 Euro auf. Das Slumprojekt Manyatta profitierte mit 10.200 Euro. Die vier fest angestellten Mitarbeiter in Kenia kosteten 7.900 Euro. Als Projektleiter verdient Okombo 350 Euro im Monat. Ein PKW fiel mit 3.900 Euro überdurchschnittlich hoch ins Gewicht, was auf notwendige Reparaturkosten zurückzuführen war. Eine Praktikantin hat sich dies zu Herzen genommen und die Fahrzeugkosten mit einer Konzertaktion kompensiert.

CW Meinung. Der Förderverein Uhuru - für Kinder ohne Hoffnung hält das, was er verspricht. Mit Transparenz und Auskunftsbereitschaft setzen sich der Vorstand und die Mitglieder für Menschen ein, die Hilfe benötigen. Auf der Internetseite sind die Finanzen und Verlaufsberichte dokumentiert. Der rege Austausch zwischen Deutschland und Kenia, der sich auch Völker verbindend auswirkt, ist ein Grundprinzip des Vereins. Für Jonas Phum waren seine Praktikumserfahrungen zumindest prägend, weshalb er sich einem Zitat von Albert Schweitzer anschließt: „Wer die Ärmsten dieser Welt gesehen hat, fühlt sich reich genug zu helfen!“