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Für eine bessere Spendenkultur
7/12/2010 von Stefan Loipfinger
Archivtext

Trösterbären von Kinderhilfe

Das Geschäft kann weiter gehen

Teddybären sollen schmerzen lindern
Bild: Stefan Loipfinger

Nur in einer Kurzmeldung wurde über die sehr zweifelhaften Methoden des Vereins Kinderhilfe e.V. berichtet, da laut der Vorsitzenden Gertraud Beißer ohnehin bereits die Löschung beim Notar veranlasst wurde. Allerdings lag schon damals der Verdacht nahe, dass dies nicht das Ende der Sponsorensuche für Trösterteddys ist. Leserinnen und Leser wurden aufgefordert, Hinweise auf neue Aktivitäten zu geben. Und die kamen auch. Fast nahtlos weiter macht nun die Kinderhilfe GmbH in Gründung mit Gertraud Beißer als Geschäftsführerin und Manfred Beißer als Gesellschafter. Damit wird nun endlich klar, worum es geht: Geld verdienen mit der „guten Sache“.

Vereinsauflösung. Als Grund für die Auflösung des Vereins Kinderhilfe wird von Gertrud Beißer angegeben, dass ihr Engagement mittlerweile einen Umfang erreicht hat, den sie mit der Firmierung als Verein nicht mehr bewältigen kann. Auch das Ziel von „größtmöglicher Transparenz“ für die Sponsoren wird als Grund angegeben. Beides ist allerdings wenig glaubwürdig. Denn zum einen ist die Rechtsform kein Hindernis für die Größe. Zum anderen wäre Transparenz auch über einen Verein herzustellen. Dazu ist Gertraud Beißer allerdings nicht bereit. Nicht einmal die aus gut informierten Kreisen zugetragene Umsatzzahl für 2009 in Höhe von 400.000 Euro wollte sie bestätigen: „Über vereinsinterne Zahlen möchte ich keine Auskunft geben und könnte auch dazu keine konkreten Angaben machen, da sich die Unterlagen zur Bearbeitung im Steuerbüro befinden.“

Nahtloser Übergang. Auf der neuen Homepage der Kinderhilfe Eckental GmbH sind nur geringe Veränderungen gegenüber der früheren Vereinshomepage erkennbar. Das Logo ist fast identisch und trägt den Zusatz „Kinderhilfe GmbH vormals Verein Kinderhilfe e.V.“. Die vorherigen Vereinsvorstände erscheinen mit demselben Foto als Geschäftsführerin (Gertraud Beißer), Buchhalterin (Alexandra Kreuzer“ und Assistentin der Geschäftsleitung (Tanja Opitz). Projekte und Arbeiten des Vereins werden als Referenz für die neue Firma angegeben. Den Mitarbeitern des Vereins wurde „ein Angebot unterbreitet für die Kinderhilfe GmbH zu arbeiten“. Sogar zu Sachspenden ruft die kommerzielle GmbH weiterhin auf: „Auch über passende Sachspenden sind wir sehr dankbar.“

Werte. Aufgrund der sehr aktiven Sponsorensuche über den Verein hat dieser in den letzten Jahren immaterielle und materielle Werte aufgebaut. Diese werden nun offenbar von der GmbH genutzt. Dazu befragt hat Gertaud Beißer nichtssagend geantwortet: „Soweit entsprechende Sachwerte vom Verein vorhanden waren und diese von der GmbH übernommen wurden, erfolgt selbstverständlich eine ordnungsgemäße Ablösung von der GmbH. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass ein eventuelles Vermögen des Vereins gemäß unserer Satzung an das SOS-Kinderdorf überwiesen wird.“

CW-Meinung. Nachdem die Sponsorensuche für Trösterteddys jetzt von einer kommerziellen Firma weitgehend identisch wie vorher vom Verein abgewickelt wird, ist das vorherige Motiv nun auch klar. Es geht ganz einfach um den Einkauf von Teddybären, um sie mit möglichst hohem Gewinn an Sponsoren zu verkaufen. Damit das ganze im großen Stil funktioniert, wurde vorher und auch noch heute eine gute Tat vorgeschoben: „Unsere Ziele sind weiterhin die Förderung der Jugendhilfe, des öffentlichen Gesundheitswesens und von Bildung und Erziehung.“ Unabhängig vom Einkaufspreis der Teddys, den Gertraud Beißer nicht beziffern will, sollten Sponsoren auch mal klar hinterfragen, wie viele Teddys denn wirklich gesponsert wurden und wie viele eingekauft.

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