Saturday, 2/24/2024 Home Suche nach Organisation Datenschutz Impressum
Für eine bessere Spendenkultur
5/7/2010 von Stefan Loipfinger
Archivtext

HFK Krebsallianz gGmbH

Staatsanwaltschaft prüft Spendenverwendung

Auf der Rückseite des Bettelbriefes steht: "Leben schenken zu Weihnachten!"

Vor fast zwei Monaten hat die Staatsanwaltschaft Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dabei geht es um den Verdacht der zweckwidrigen Verwendung von Spendengeldern, da ein Großteil der Einnahmen für Verwaltung und Werbung aufgewendet wurde. Der mit der Interessenvertretung von HFK Krebsallianz beauftragte Dr. Guido Plassmeier, Rechtsanwalt und Partner der Sozietät Schmitz Knoth, ist zuversichtlich, dass die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen „in der Sache abgewendet werden können“. Doch was unabhängig von den Ermittlungen und deren strafrechtlich noch völlig offenen Ergebnisse schon heute fest steht, sind heftige moralische Vorwürfe an die Organisation. Denn das Geld der Spender fließt laut Jahresbericht 2008 nur zu Bruchteilen in Projekte.

Historie. Die HFK Krebsallianz wurde 2005 gegründet und ist als gemeinnützige GmbH im Handelsregister Berlin eingetragen. Ziel ist es, das Leiden von Krebspatienten und ihren Familien weltweit zu lindern. Von Aufklärungsarbeit über Krebsforschung bis zur Lieferung von Medikamenten ist das Hilfespektrum sehr weit gefasst.

Hausdurchsuchung. Mit 110 Mitarbeitern wurden am 11. März 2010 verschiedene Firmen durchsucht. Robert Landry ist als Geschäftsführer der HFK Krebsallianz eine der Personen, gegen die Ermittlungen eingeleitet wurden. Es sind aber noch einige weitere Personen von anderen Charityorganisationen im Visier der Staatsanwaltschaft Hannover. Um welche Personen und Organisationen es sich genau handelt, will derzeit Oberstaatsanwalt Manfred Knothe nicht bekannt geben. Im Telefonat sprach er aber von einer „guten handvoll“. Betroffen von den Durchsuchungen waren auch Dienstleistungsfirmen, die bei den Charityorganisationen Auftragnehmer sind. Dazu zählt ein Fundraiser und eine Steuerberatungskanzlei.

Mittelverwendung. Im Jahresbericht 2008 schreibt der in den USA lebende Geschäftsführer Robert Landry von einer klugen Verwendung der Spendengelder. Laut einer Kuchengrafik würden 87 Prozent in „lebensverbessernde und lebensrettende Projekte sowie Aufklärungsmaßnahmen“ fließen. Ein genauerer Blick in den Jahresabschluss vermittelt allerdings ein anderes Bild. Danach waren 7,42 Millionen Euro von 9,21 Millionen Euro Gesamteinnahmen Sachspenden. Wird dieser Sachspendenbetrag von den gesamten Projektausgaben in Höhe von 7,59 Millionen Euro abgezogen, ergibt sich folgende Rechnung: Den Geldspenden in Höhe von 1,79 Millionen Euro stehen verbleibende Projektausgaben von circa 170.000 Euro gegenüber. Der Großteil von rund 90 Prozent der Geldspenden wird also für Mittelbeschaffung, Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung ausgegeben. Ob sich vor diesem Hintergrund ein Spender der Wertung Landry’s von einer „klugen Verwendung Ihrer Spendengelder“ anschließt?

Exkurs zu Sachspenden. Bei Sachspenden ergibt sich grundsätzlich immer die Frage nach dem richtigen Wertansatz. Denn ein zu hoch ausgewiesener Betrag schönt die Kostenquote. Darüber hinaus ist bei Sachspenden die Herkunft und Verwendung genau zu hinterfragen. Nicht selten werden Sachspenden von einem Verein zum nächsten gegeben und tauchen dann in mehreren Bilanzen als Sachspende und als Projektausgabe auf. Damit kann hervorragend Bilanzkosmetik betrieben werden. Diese wird dann noch zweifelhafter, wenn Medikamente mit nicht mehr ausreichendem Ablaufdatum gespendet werden, die am freien Markt eigentlich nicht mehr verkäuflich sind.

NCC. Im Juni 2004 wurde Robert Broussard Landry III President und CEO bei der in den USA ansässigen National Cancer Coalition (NCC). Im Jahr danach wurde die HFK Krebsallianz in Deutschland mit Landry als Geschäftsführer gegründet. Beide arbeiten mit Medikamentenspenden. Deshalb wäre es sehr wichtig zu wissen, welche Organisation von wem Medikamente erhalten hat und an wen diese jeweils abgegeben wurden.

Hexal. Als ein Spender von Medikamenten wird von HFK Krebsallianz die Firma Hexal genannt. CharityWatch.de hat deshalb nachgefragt, wie sie beispielsweise den Wert von Sachspenden beziffern und nach welchen Kriterien über die Vergabe von Medikamentenspenden entschieden wird. Yvonne Heymann erklärte dazu etwas schwammig, dass Hexal nur mit NGO’s zusammenarbeitet, mit denen sie eine jahrelange Partnerschaft pflegen beziehungsweise die ein staatliches Gütesiegel tragen. Da auch die anderen Fragen ähnlich ausweichend beantwortet wurden, hat Hexal das Thema in der Praxis offensichtlich zu oberflächlich behandelt. Und die traurige Konsequenz aus den Spenden an die zweifelhafte HFK Krebsallianz: „Derzeit wird allerdings der gesamte Prozess dahingehend geprüft, ob wir überhaupt noch Arzneimittel spenden.“

Spendensiegel. Im April 2009 hat Jens Genge aus Bad Pyrmont, Fachanwalt für Steuerrecht und mit seiner Kanzlei Ersteller des Jahresabschlusses von HFK Krebsallianz, eine Korrektur des CharityWatch-Berichts vom 9. Februar 2009 angeregt. Hintergrund ist eine vom DZI Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen ausgesprochene Warnung. Obwohl das DZI auch heute noch von Spenden abrät, wird von HFK schon länger auf deren Homepage irreführend geschrieben: „Wir haben dem DZI in 2008 alle relevanten Unterlagen vorgelegt und werden in Kürze das Spendensiegel beantragen.“ Der Office-Manager Andreas Weise, der auch Ansprechpartner für Spendeninteressierte ist, hat telefonisch sogar noch suggestiver erklärt: „Wir sind immer noch dabei das DZI-Spendensiegel zu bekommen.“ Ob das allerdings jemals zuerkannt wird, muss stark bezweifelt werden. Das DZI bezeichnet zum Beispiel die Werbung von HFK als „überwiegend gefühlsbetont und in hohem Maße bedrängend“. Fundraiser und damit Versender der Bettelbriefe ist laut Auskunft von Andreas Weise ein Unternehmen der SAZ-Gruppe.

ADD. Deutschlands einzige Kontrollbehörde für Spendenorganisationen, die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) aus Trier, hat eine sammlungsrechtliche Überprüfung der HFK Krebsallianz vorgenommen. Diese endete mit einer Verpflichtung der HFK, im Zuständigkeitsbereich Rheinland-Pfalz keine Spendensammlungen mehr durchzuführen. Auf Nachfrage wollte Christina Schuierer in Vertretung für Robert Landry allerdings beschwichtigen: „Unserem freiwilligen Verzicht vorausgegangen war ein Disput über die Sachspenden, die entgegen üblicher Praxis (wie zum Beispiel durch das Finanzamt oder das DZI) von der ADD bisher nicht als Spendeneinnahmen anerkannt werden.“ Das ist allerdings nicht wirklich beruhigend. Denn der „freiwillige Verzicht“ könnte auch einem möglichen Sammlungsverbot vorgegriffen haben und wurde bestimmt nicht ganz „freiwillig“ erteilt. Außerdem hat das DZI nicht positiv geprüft – wenn überhaupt. Und das Finanzamt? Das glaubte bisher der von Genge + Schmidtmeier erstellten Steuererklärung.

CW-Meinung. Staatsanwaltliche Ermittlungen dürfen nie zu einer Vorverurteilung führen. Für Spendeninteressierte ist der Ausgang des Verfahrens allerdings nicht entscheidend, weil von einer Zahlung an HFK Krebsallianz nur klar gewarnt werden kann. Die Verwendung der Geldspenden 2008 war absolut indiskutabel. Gleiches gilt für die Briefwerbung, die den Spender laut DZI in seiner unabhängigen, sachbezogenen Entscheidung behindert. Und dann noch der Sammlungsverzicht gegenüber der ADD, der leider aber nur für Rheinland-Pfalz gilt.